Ob Chris Tall, Philipp Weber oder Thomas Schreckenberger – ein Sieg beim Böblinger Comedy-Festival hat schon so mancher Karriere einen kräftigen Schub verliehen. Am 21. Dezember findet es zum 20. Mal statt.
Auf ihren Wikipedia-Seiten listen Kabarett- und Comedy-Größen gerne ihre Kleinkunstpreise auf. Bei einigen der bekanntesten Namen in der Szene findet sich ganz unten, dort, wo die allerersten gewonnenen Trophäen stehen, die „Böblinger Mechthild“. Die „eiserne Lady“ leistete schon bei so mancher Karriere Geburtshilfe.
Die TV-Comedians Chris Tall und Sascha Korf, Politkabarettist Thomas Schreckenberger, die Musikkabarettisten Armin Fischer und Michael Sens oder zuletzt Mirja Regensburg – sie allen haben die „Mechthild“ gewonnen und davon einen mächtigen Karriereschub bekommen. Andere wie Max Uthoff („Die Anstalt“), Christine Prayon (vormals „Heute Show“), das Trio Backblech oder HG Butzko (Deutscher Kleinkunstpreis 2014) gingen in Böblingen zwar leer aus, ihre anschließenden Erfolge belegen aber den guten Riecher der Veranstalter.
Veranstalter haben die „Mechthild“ zum Markenzeichen gemacht
Demnächst steht die aus unzähligen Metallteilen zusammengeschweißte Statue wieder auf der Bühne der Böblinger Kongresshalle, wenn dort am dritten Adventssamstag die 20. Auflage des Böblinger Comedy-Festivals stattfindet. Veranstalter sind die Mitglieder des Vereins „Die Kultourmacher vom Alten Amtsgericht“.
Die engagierten Ehrenamtlichen um den künstlerischen Leiter Gerhard Gamp – selbst früher als Kabarettist und später als Chef einer Künstleragentur in der Szene aktiv – hatten es sich zum Ziel gesetzt, die „Mechthild“ zu einem Markenzeichen zu machen. Das ist ihnen auf eindrückliche Weise gelungen. Aus dem Wettbewerb ist über die Jahre eine glanzvolle Gala geworden.
Das gilt auch für das diesjährige Comedy-Festival am 21. Dezember. Hier treten auf: Musik- und Politikkabarettist Lars Reichow (Deutscher Kleinkunstpreis), der mehrfache „Magier des Jahres“ und „Held der Komik“ Helge Thun sowie Comedy-Frau Mirja Regensburg und als Moderator der Improvisationskünstler Sascha Korf – beide wurden zuletzt mit der „Mechthild“ ausgezeichnet. Das weihnachtliche Musikprogramm gestaltet das Damenquartett Schöne Mannheims. Mit Blick auf diese hochkarätige Besetzung könnte die „Mechthild“ ebenso als große Samstagabendshow im Fernsehen laufen.
Dagegen nahmen sich die Anfänge des Comedy-Festivals vor mehr als 20 Jahren noch vergleichsweise bescheiden aus. Anlässlich des 750-Jahr-Jubiläums der Stadt Böblingen fand es damals noch unter dem Namen „Kleinkunstgericht im Alten Amtsgericht“ statt. Der Name des dabei vergebenen Kleinkunstpreises geht zurück auf die Edeldame Mechthild von der Pfalz, die im 15. Jahrhundert als Witwe des Grafen Ludwig I. von Württemberg in Böblingen residierte.
Bei den ersten beiden Auflagen in den Jahren 2003 und 2005 (anfangs war noch ein zweijähriger Turnus angedacht) fand das Finale in der Aula des Albert-Einstein-Gymnasiums statt. Die drei Finalisten wurden an drei Vorrundenabenden per Publikumsabstimmung aus insgesamt neun Teilnehmenden ermittelt.
Schon bald war die AEG-Aula zu klein geworden und so fand die „Mechthild“ fortan vor meist mehr als 1000 Gästen in der Kongresshalle statt. Die Veranstalter setzten dabei jeweils auf eine möglichst ausgewogene Programmmischung und eine Quotenregelung, um in der von Männern dominierten Kleinkunstszene auch Frauen eine Siegchance einräumen. Mirja Regensburg blieb 2022 aber die erste und wohl auch einzige Festival-Siegerin, denn seitdem ist der Wettbewerb abgeschafft.
Abkehr vom Wettbewerb hat dem Festival gutgetan
Der Grund: Zum einen waren Kabarettkompetenz und Anspruch des Publikums immer größer geworden. Zum anderen sorgte der hohe Durchsatz dafür, dass neue Talente auf einem gewissen Niveau zunehmend schwierig zu finden waren.
Mit der Entscheidung, das Festival als Gala zu präsentieren, sind die „Kultourmacher“ deshalb auf dem richtigen Weg: So ist das Programm straffer und pointierter geworden. Ob der Weg damit zu Ende ist, wird sich zeigen. Bisher war die „Mechthild“ immer mal wieder für eine Überraschung gut.
Böblinger Comedy-Festival
Preisgekrönt
Martin Herrmann (erster Mechthild-Gewinner im Jahr 2003), Armin Fischer (2005), Philipp Weber (2006), Thomas Schreckenberger (2007), Robert Griess (2008), Axel Pätz (2009), Jens Neutag (2010), Michael Sens (2011), Michael Krebs (2012), Chris Tall (2014), Musik-Duo Ass-Dur (2015), Alain Frei (2016), Martin Schmitt (2017), Sascha Korf (2018), Mirja Regensburg (2022).
Mechthild 2024
Die 20. Auflage des Comedy-Festivals findet am Samstag, 21. Dezember, um 19 Uhr in der Böblinger Kongresshalle statt. Karten kosten je nach Kategorie zwischen 32 und 45 Euro. Vorverkauf unter diekultourmacher.magic-ticketing.com sowie bei Gerhard Gamp unter der Handynummer 0172 / 7 13 60 56.