Pfarrer Ralf Vogel Foto: /Mathias Kuhn

Die Obertürkheimer Gottesdienstreihe Nachtschicht feiert 2020 ihr 20-jähriges Bestehen. Zum Auftakt im Jubiläumsjahr kommt am Samstag der Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni.

Obertürkheim - Im Herbst feiert die Nachtschicht-Reihe Jubiläum: Vor 20 Jahren rief Pfarrer Ralf Vogel die besondere Gottesdienst-Staffel in der Obertürkheimer Andreaskirche ins Leben. Mittlerweile hat das Nachtschichtteam Tausende Besucher und prominente Talkgäste an unterschiedlichen Orten begeistert. Am Samstag, 11. Januar, sind der ARD-Moderator Ingo Zamperoni und die Daimler Bigband zu Gast im Hospitalhof.

Herr Vogel, die Nachtschichtreihe feiert im Herbst 20-jähriges Bestehen. Welches Thema steht im Jubiläumsjahr im Mittelpunkt?

Das Zusammenleben in der Stadt. Die ganze Nachtschichtreihe steht unter dem Motto „In the City“. In den einzelnen Themenabenden geht es um Kunst und Kultur, um die Anziehungskraft von Metropolen, um Architektur, ums Kennenlernen der Nachbarn und um Integration. Die wahrscheinlich politischste Nachtschicht wird sich zum Jubiläum im Herbst unter dem Motto „Smart City“ um Verkehr und Mobilität in der Stadt drehen.

Den Auftakt macht am Samstag, 11. Januar, um 19 Uhr im Hospitalhof aber ARD-Moderator Ingo Zamperoni zum Thema „Work and Travel“. Was versteckt sich hinter dem Titel?

Der Titel hat uns gefallen, weil junge Menschen gerne arbeiten und reisen. Ingo Zamperoni lebte lange in den USA, wohnt jetzt aber in Hamburg. Er kennt die magische Anziehungskraft der Metropolen, hat aber auch die Schattenseiten der US- Großstädte erlebt und ein Buch darüber geschrieben. Er hat viel in der Welt gesehen und die US-amerikanische Realität erlebt. Es wäre schade, wenn wir diesen Schatz nicht nutzen würden. Sein Buch versucht zu erklären, weshalb Menschen solch einen Präsidenten wählen. Dies erklärt sich auch aus deren trostloser Lebenssituation. Aber wir wollen auch herausfinden, wie er Hamburg genießt und welche Visionen er von der Stadt der Zukunft hat. Gleichzeitig will ich mit ihm über Themen wie Digitalisierung in der Stadt reden. Nur wenige begreifen, was dies für unser Zusammenleben bedeutet.

Wie geht’s weiter?

Am 9. Februar sind wir wieder in der Leonhardskirche, der Vesperkirche, zu Gast. Dabei geht es um Kultur in der Stadt. Fola Dada, Yasemin und Thomas Lupo, der mit Arthelps eine Initiative von Kreativen und Künstlern gründete, die sozial Benachteiligten mit Kunst hilft, sind zu Gast. Ums Zusammenleben in Stuttgart geht es dann am 29. März in der Johanneskirche. Unter dem Motto Patch and Work werden Nachbarschaftsinitiativen eingeladen, die das Zusammenleben vor Ort positiv gestalten. Dazu stellen wir zum Beispiel eine Heidelberger Initiative vor, in der sich Muslime auf tolle Weise in unsere Gesellschaft einbringen.

Dazwischen kümmert sich die Nachtschicht auch um Stadtplanung.

Genau. Am 8. März kommt Star-Architekt Arno Lederer in die Andreaskirche. Von ihm wollen wir erfahren, wie wir lebenswerten Wohnraum schaffen, mit welchen Visionen wir der Wohnungsnot begegnen und die Stadt der Zukunft gestalten.

Gibt es weitere Termine in Obertürkheim?

Ja, am 17. Mai, sofern wir nicht auf eine größere Kirche ausweichen müssen, weil mit Hugo Egon Balder und Jochen Busse zwei Zugpferde zu Gast sein werden. Die prominenten Unterhaltungskünstler erzählen über den Spaß am persönlichen und gesellschaftlichen Zusammenspiel.

Damit kehrt die Nachtschicht zu den Ursprüngen in die Andreaskirche zurück. Liegt dies auch an ihrem Andreaskirchenteam, das die Nachtschicht mitträgt?

Natürlich. Hier sind unsere Wurzeln. Das Ensemble besteht aus 40 Leuten, von denen nicht jeder an jedem Termin mitmachen kann. Einige sind seit fast 20 Jahren dabei. Es ist eine stufenlose Spanne von jungen Frauen und Männern, von meinen ersten bis zu den frisch Konfirmierten. Dass es gelingt, die Menschen zu begeistern, ist der größte Erfolg der Nachtschicht. Auch deswegen ist die Anbindung an Obertürkheim wichtig. Aber manchmal brauchen wir einen größeren Saal. Wir wollen keine Besucher wegen Überfüllung heimschicken.

Gehört es mittlerweile auch zum Konzept, an andere Orte zu gehen?

Schon. Es ist schön und wir wollen Kirche erlebbar machen. Wir waren im Daimler-Werk, hatten eine tolle Nachtschicht im Katharinenhospital, waren im Stuttgarter Rathaus, das Theaterhaus gewährte uns Gastfreundschaft und wir sind auf dem Kirchentag vertreten. Dort haben 2018 Frank Plasberg und Esther Schweins mitgewirkt.

Sind auch die Nachtschichtbesucher mitgewachsen?

Ja. Aber es ist auch notwendig, dass wir neue Besucher gewinnen. Wir haben viele treue Nachtschicht-Besucher, die seit Jahrzehnten zu den Gottesdiensten strömen. Aber wir versuchen, uns auch mit anderen Gruppen wie den Nachbarschaftsinitiativen zu verknüpfen. Sie nehmen uns dann als die Kirche wahr, die in der Stadt etwas bewegt. Dadurch können wir das Besucherniveau halten oder ausbauen. Aber es ist wunderschön, immer wieder Gesichter zu sehen, die wir seit vielen Jahren kennen. Die wiederum genießen das Team, wenn sie sehen, wie die einst 14-Jährige sich entwickelt hat und nun selbst junge Mutter ist. Das ist einmalig. Von den Konfirmanden 2019 macht die Hälfte bei der Nachtschicht 2020 mit.

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