Vor 20 Jahren verübten Rechtsterroristen ein Nagelbombenattentat auf der Kölner Keupstraße. Aus dem Geschehenen und dem, was darauf folgte, lässt sich jetzt noch eine wichtige Lehre ziehen, kommentiert unser Korrespondent Tobias Peter.
Die Erinnerung an das, was vor 20 Jahren in der Kölner Keupstraße geschehen ist, erschüttert und schmerzt bis heute. Menschenverachtend und heimtückisch zündeten die Rechtsterroristen vom selbsternannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ dort eine ferngesteuerte Nagelbombe – mitten in einem Teil der Stadt, in dem es viele türkische Restaurants und Geschäfte gibt.
702 Zimmermannsnägel, jeder einzelne zehn Zentimeter lang, teils hunderte Meter weit geschleudert, wurden hinterher gefunden, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede auf einer Gedenkveranstaltung gesagt hat. 702 Geschosse gegen das friedliche Zusammenleben. 22 Menschen wurden verletzt, einige davon schwer. Wie durch ein Wunder hatte der Mordplan keine Toten zur Folge.
Eine wichtige Entschuldigung
Das, was danach kam, war für viele Menschen auf der Kölner Keupstraße sogar noch schlimmer. Anwohner und Betroffene, die rechtsextreme Motive hinter der Tat vermuteten, mussten nicht nur erleben, wie dies als Spekulation abgetan wurde. Viele gerieten auch selbst – teils für lange Zeit – ins Visier der Ermittler. Erst Jahre später stellte sich dann heraus, dass die Mörder vom NSU für den Anschlag verantwortlich sind. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst hat sich zu Recht bei denen entschuldigt, die so zum zweiten Mal Opfer geworden sind. Dass der Staat so lange blind für den Rechtsterror war, ist beschämend – und es darf sich nie wiederholen. Das muss die Lehre aus dem Attentat und den Fehlern der Ermittler sein und bleiben.
„Birlikte“ heißt die Veranstaltung, auf der Steinmeier jetzt in Köln gesprochen hat. Das bedeutet „zusammen“. Alle im Land müssen zusammenstehen gegen den Hass – egal ob er linksextrem, rechtsextrem oder islamistisch ist. Das war auch Steinmeiers richtige Botschaft an diesem bitteren Gedenktag in Köln.