Zum 20. Geburtstag des Comedy-Festivals sorgten die Top-Comedians Sascha Korf, Helge Thun, Mirja Regensburg und die Combo „Die Schöne Mannheims“ am Samstag für volles Haus. Die Nummern reichten von Stand-up-Comedy über Wortakrobatik bis zu Zauberei.
„Das Comedy-Festival ist für mich jedes Jahr ein Highlight im Böblinger Veranstaltungskalender“, sagte ein sichtbar gut gelaunter Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz nach der diesjährigen „Mechthild“, wie das Event in Anlehnung an Mechthild von der Pfalz genannt wird, die in Böblingen ihren Witwensitz hatte. Belz verriet weiter: „Wir verschenken schon seit einigen Jahren immer Karten an die ganze Familie.“ Das sei ein optimales Weihnachtsgeschenk, denn „gemeinsame Zeit ist das Wertvollste, das man sich schenken kann.“ Vor allem, wenn dabei so viel gelacht wird wie in der gut gefüllten Kongresshalle.
Die ersten Lacher beim 20. Geburtstag der „Mechthild“, die die Kultourmacher vom Alten Amtsgericht von einer kleinen, feinen Mix-Show zur einer hochkarätigen Gala aufgebaut haben, erntete der Moderator des Abends: Sascha Korf. Nach einer kurzen Begrüßung durch Cheforganisator Gerhard Gamp übernahm der Comedian. Der Gewinner der Trophäe „Mechthild“ 2018 – bis 2022 wurde das Festival noch als Wettbewerb ausgetragen – übernahm neben seinem Job als Moderator des Abends auch die Funktion des Einheizers.
Pointierte Alltagsgeschichten aus dem Leben der Reichows
Unterstützt wurde Korf dabei vom musikalisch und gesanglich starken Frauenquartett „Die Schöne Mannheims“, die den Abend mit ihrer ganz eigenen Interpretation des Songs „Footloose“ eingeläutet hatten. Dann betrat Lars Reichow die Bühne. Der vor allem als Polit-Satiriker bekannte Träger des Deutschen Kleinkunstpreises bewies am Samstag, dass er auch Stand-up-Comedy kann und erzählte pointierte Alltagsgeschichten aus dem Familienleben der Reichows. Dazu intonierte er am Klavier drei Lieder in klassischer Kleinkunst-Manier.
Helge Thun greift in Gedichte-Kiste
Als nächster Act betrat Helge Thun die Bühne: Der aus dem hohen Norden stammende Wahl-Tübinger ist vielen in der Region von seinen regelmäßigen Auftritten im Herrenberger Mauerwerk bekannt. Seine Programme bestehen aus einer Mischung aus Zaubertricks und Wortakrobatik.
Für Böblingen griff er tief in seine Gedichte-Kiste: Irgendwo zwischen Robert Gernhardt und Heinz Erhard wortwitzelte sich der Mann, der auch die „Reimpatrouille“ ins Leben gerufen hat und beim „hippen Jugendsender“ SWR 4 „Die aktuelle Gedichterstattung“ präsentiert, in hoher Schlagzahl durch den Auftritt. „Ein Zweizeiler mit Katamaran? Bitte: Kommt’s der Katz auf Nachwuchs an, lässt sie auch den Kata ma’ ran.“
Und wäre die Mechthild noch ein Wettbewerb, hätte Thun wohl – nach rein subjektivem Applausempfinden – in diesem Jahr gute Chancen gehabt, zum Sieger der Show gekürt zu werden. Zum Ende des Sets gab es dann doch auch noch einen Seil-Zaubertrick des mehrfachen „Magier des Jahres“, danach entließ Korf das Publikum nach rund 60 unterhaltsamen Minuten in die Pause.
Nach der Pause eine Überraschung: Korf und Thun schüttelten spontan zwei Impro-Nummern aus dem Ärmel: Zunächst ein Drama in 26 Sätzen, bei dem sie im Wechsel, sich am ABC entlanghangelnd, eine Geschichte erzählten, was zu einem sehr schrägen und lustigen Dialog führte. Danach versuchte Korf Thun noch ein virtuelles Pony zurückzugeben – insgesamt fünf Mal: Nach der Ur-Geschichte noch in Rosemunde-Pilcher-, Krimi-, Horror- und Ballett-Manier, wobei vor allem letztere beim Publikum Applausstürme auslöste.
Muffin-Jeans: Wenn der Teig oben rausquillt
Die Schöne Mannheims bekamen im Anschluss die Chance, ihr gesamtes Können auf der Bühne zu zeigen und präsentierten von Rap bis zum klassischen Gesang eine beeindruckende musikalische Bandbreite. Zum Abschluss trat Mirja Regensburg auf, die im Jahr 2022 als einzige Frau in der Geschichte des Wettbewerbs die „Mechthild“ gewann. Teile ihrer Gags von damals zünden immer noch, etwa „die Muffin-Jeans“: „das ist, wenn der Teig oben rausquillt.“ Oder wenn sie Probleme auf eine ganz eigene Weise löst, indem sie „Vorwurfisch“ spricht.
Der von ihr als „Dialekt-Tourette“ betitelte Teil des Auftritts, in dem sie sich in verschiedenen Akzenten versuchte, zündete nicht bei allen und wurde, wie einige später anmerkten, ein wenig „cringe“, als es um asiatisch eingefärbtes Deutsch ging. Viel Applaus gab es dann wieder für ihren „Mach ich gleich“-Song zum Ende des Auftritts.
Die Mechthild-Gala 2024 endete mit der Verabschiedung aller Künstlerinnen und Künstler und stehenden Ovationen eines durchweg begeisterten Publikums. Als Zugabe stimmte das Gesangsquartett aus Mannheim noch den John Lennon Weihnachtsklassiker „Happy Christmas“ an und schaffte so einen Übergang von ausgelassener Comedy hin zu besinnlichen Festtagen.
Gewinner beim Böblinger Comedy-Festival
Preisgekrönt
Martin Herrmann (erster Mechthild-Gewinner im Jahr 2003), Armin Fischer (2005), Philipp Weber (2006), Thomas Schreckenberger (2007), Robert Griess (2008), Axel Pätz (2009), Jens Neutag (2010), Michael Sens (2011), Michael Krebs (2012), Chris Tall (2014), Musik-Duo Ass-Dur (2015), Alain Frei (2016), Martin Schmitt (2017), Sascha Korf (2018), Mirja Regensburg (2022).
Macher
Hinter dem Comedy-Festival, das bis 2022 noch als Wettbewerb ausgetragen wurde, stehen die Böblinger Kultourmacher unter Leitung von Gerhard Gamp. Sie betreiben auch die Kleinkunstbühne Altes Amtsgericht in Böblingen.