Auch eine Gletschertour stand damals auf dem Programm. Foto: privat

Im Jahr 1965 fahren 35 Jugendliche aus Böblingen ins Schullandheim nach Südtirol. Heute, 60 Jahre später, treffen sie sich wieder – dank einer Zeitungsannonce.

Es waren andere Zeiten, als im Jahr 1965 drei Klassen der damaligen Friedrich-Schiller-Mittelschule Böblingen nach Südtirol zum Schullandheim aufbrachen: Das Wembley-Tor, das Deutschland den WM-Titel kostete, war ein Jahr, die Mondlandung noch vier Jahre entfernt. Im Bonner Kanzleramt saß mit Ludwig Erhardt der Architekt des deutschen Wirtschaftswunders.

 

Für die rund 35 Jugendlichen im Alter von 15 Jahren spielte das große Weltgeschehen wahrscheinlich nur eine untergeordnete Rolle. Sie hatten ein ganz anderes Abenteuer vor sich. Manfred Neef, 75 Jahre, aus Schönaich, war einer der Jugendlichen, die in jenem Juni den Weg nach Norditalien antraten.

Italien war ein großes Abenteuer

Er erinnert sich noch genau an den Trip: „Für die meisten von uns war der Ausflug ins Schullandheim die erste Reise ins Ausland. Reisen war damals noch lange nicht so normal wie heute. Ich zum Beispiel war zu diesem Zeitpunkt nur in der DDR bei meinem Opa zu Besuch gewesen. Länder wie Italien kannten die meisten nicht – ich auch nicht.“ Entsprechend aufgeregt blickten die Mittelschüler – heute würden sie Realschüler heißen – auf die Reise.

Eine Zeitungsannonce öffnet die Tür

Nun, 60 Jahre später, kommt es zu einem Revival – Schullandheim 2.0. sozusagen. Manfred Neefs Idee, in der Kreiszeitung Böblinger Bote eine Zeitungsannonce zu schalten, jedenfalls ging auf. Ein paar Schulkameraden von damals antworteten auf die Anzeige. Ende Juni treffen sie sich im Bootshaus in Böblingen, um in Erinnerungen zu schwelgen und sich auch privat auf den neusten Stand zu bringen.

Die meisten der früheren Schulkameraden haben sich aus den Augen verloren. Auch Manfred Neef war mit dem Großteil der Schulkameraden in den sechs Jahrzehnten nicht in Kontakt. „Es wird ein besonderes Wiedersehen werden, fast auf den Tag genau 60 Jahre, nachdem wir zusammen Südtirol erkundeten“, sagt Neef.

Federballspielen mit Alpenpanorama. Foto: Privat

14 Tage lang wanderten und kraxelten die 15-Jährigen damals durch die Region. Ihre Herberge hatten sie in Burgeis im Vinschgau am Oberlauf der Etsch. Manfred Neef, der beim Böblinger Handelsunternehmen Kriegbaum später Karriere machte, weiß noch, wie die beiden Wochen gestaltet wurden: „Wir sind durch das Etschtal in die Bergwelt der Dolomiten gefahren. Wir waren auf dem Stilfser Joch. Das ist eine Passstraße mit den 48 Kehren in der Nähe des mächtigen Ortler – dem mit fast 4000 Meter höchsten Berg Südtirols.“

Außerdem unternahmen die Jugendlichen Wandertouren am Watles und eine Gletschertour auf dem Weißkugel. „Außerdem hatten wir eine Malstunde an der Etsch“, erzählt Neef. Das Programm war perfekt abgestimmt auf die Besonderheiten der Gegend, aus der Reinhold Messner stammt.

Gibt es noch mal ein Wiedersehen?

Mit acht Ex-Schulkollegen von damals rechnet Manfred Neef kommende Woche. Ein Vorteil sei, dass die viele in der Region Stuttgart verteilt leben – also keinen langen Anfahrtsweg haben. „Wir sind aus Schönaich, Böblingen, Esslingen, Stuttgart, Ehningen, Owen. Jeder, der noch dazukommt, ist willkommen“, so der 75-Jährige.

Wäre nicht so mancher Körper schon etwas lädierter, wäre die Krönung, sich nochmals in und um Burgeis zu treffen. „Das wäre ein Highlight, wir freuen uns jetzt aber schon, dass wir uns in Böblingen wiedersehen und zumindest gedanklich nach Südtirol reisen können“, sagt der Schönaicher, dessen Zeitungsannonce die 60 Jahre währende Funkstille durchbrochen hat.