Willkommen zurück: Bundesliga-Rückkehrer Huub Stevens Foto: AP

Sollte der VfB Stuttgart diese Saison wieder einen Retter brauchen, wird er auf Huub Stevens nicht mehr zählen können. Der Niederländer soll 1899 Hoffenheim wieder flott machen – und wird zum Konkurrenten des Clubs, den er zweimal vor dem Abstieg bewahrte.

Sinsheim - Am Ende gab’s ein Präsent von der Belegschaft, ein paar warme Worte des Chefs in Form eines Briefes an die Mitarbeiter – und sonst nichts zu bereden. „Ich möchte dazu nichts mehr sagen“, erklärte Markus Gisdol – und verließ am Montagnachmittag um 14.21 Uhr das Vereinsgelände der TSG 1899 Hoffenheim. Das Sagen hat dort nun ein Bekannter des 46-jährigen Trainers.

Um 14 Uhr an diesem Dienstag wird Gisdols Nachfolger als Chefcoach präsentiert: Huub Stevens – ausgerechnet.

Die gängigen Mechanismen

Könnte sich Markus Gisdol denken, der einst beim FC Schalke 04 Co-Trainer des Niederländers war. Könnten sich die Fans des VfB Stuttgart denken, die insgeheim schon von einer dritten Amtszeit des Niederländers träumten. Stevens hatte die Roten zuletzt zweimal hintereinander vor dem Abstieg gerettet. Könnte sich auch manch ein Verantwortlicher des VfB denken, schließlich stand die zweite Stuttgart-Mission des 61-Jährigen im Frühjahr dieses Jahres eben nach der 1:2-Niederlage bei der TSG auf der Kippe. Ausgerechnet – könnten zu guter Letzt auch diejenigen sagen, die den Fußballstandort im Kraichgau immer noch für ein außergewöhnliches Projekt halten. Doch nun griffen auch dort wieder einmal die gängigen Mechanismen der Branche.

Sechs Punkte aus den ersten zehn Spielen – so schlecht war die TSG noch nie seit dem Aufstieg 2008 in eine Bundesligasaison gestartet. Dietmar Hopp, der allmächtige Mäzen und Mehrheitseigener des Clubs, hatte schon vor Tagen drei Spieler zum Gespräch gebeten. Die stärkten dem Trainer zwar noch den Rücken, nach dem schwachen Auftritt am Freitag gegen den Hamburger SV (0:1) war die Geduld des Milliardärs aber endgültig aufgebraucht. Der „nun getroffene Entschluss“, schrieb er in dem Brief an die TSG-Mitarbeiter, sei „unumgänglich“ gewesen. Dabei hatte die Liaison des einstigen Dorfclubs mit dem ehrgeizigen Trainer aus Geislingen tatsächlich lange Zeit die Aura des Besonderen.

Gisdol macht Platz für seinen Ex-Chef

In tiefster Not vertrauten die Verantwortlichen im April 2013 Gisdol und Sportdirektor Alexander Rosen das Projekt Hoffenheim an. Der Coach erinnerte sich an das, was die TSG als Überraschungsteam in der Liga mal ausgemacht hatte, und schaffte fast sensationell noch den Klassenverbleib. Fortan waren die Auftritte der größtenteils jungen Hoffenheimer wieder echte Erlebnisse. Schon gegen Ende der vergangenen Saison war aber auch klar: Ohne entsprechende Ergebnisse ist auch die spektakulärste Spielweise auf Dauer nicht tragbar. „Wir haben Ruhe und Geduld bewiesen und Vertrauen in die Arbeit von Markus gehabt“, sagte Sportchef Rosen, weil die Mannschaft ihre Qualität aber nicht umsetze, habe man nun aktiv werden müssen. Nach Geschäftsführer Peter Rettig am Sonntag musste einen Tag später Gisdol, der langfristig ein Kandidat bei RB Leipzig sein könnte, samt seiner zwei Assistenten gehen. Und Platz machen für seinen einstigen Boss.

„Wir waren nach den ersten Gesprächen sofort davon überzeugt, dass Huub Stevens die optimale Lösung ist“, sagte Rosen über Gisdols Nachfolger, der eine Art Gegenentwurf zu seinem Vorgänger darstellt. Feuerwehrmann statt Konzepttrainer, werden viele urteilen, Ergebnisfußball statt Erlebnis. Rosen hielt dagegen, der Niederländer habe große Erfahrung mit solchen Situationen und könne ein Team aufrichten und begeistern. „Ich werde versuchen, Lockerheit in die Truppe zu bekommen“, sagte Stevens gegenüber dem Kölner „Express“ und ergänzte: „Ich denke, es passt zwischen mir und Hoffenheim. Ich freue mich auf die Aufgabe.“ Als Co-Trainer bringt er seinen Landsmann Alfred Schreuder (42) mit, Stevens’ Vertrag gilt bis zum Saisonende.

Stevens’ Frau ist nicht begeistert

Dass seine Frau Toos nicht begeistert war vom neuen Job, war am Ende kein Hindernis für den leidenschaftlichen Trainer, sein Ehrenamt als sportlicher Berater des Aufsichtsrats beim FC Schalke 04 wird er wohl ruhen lassen. Ab Dienstag gehört seine volle Aufmerksamkeit der TSG Hoffenheim. Ausgerechnet.

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