Sebastian Rudy im Nationaltrikot gegen Schottland Anfang September Foto: dpa

Beim Hoffenheimer Sebastian Rudy läuft es rund vor dem Spiel bei seinem Ex-Club VfB Stuttgart. Gegen die Schwaben rechnet er mit einem Sieg. Trotzdem ist der gute Kontakt nicht ganz abgebrochen.

Stuttgart/Sinsheim - Das Zeug für die Champions League hat er. Gewiss. Mit Paris Saint-Germain glänzt er zurzeit gerne an der Seite von Superstar Zlatan Ibrahimovic. Mit raffinierten Dribblings, präzisen Pässen und geschicktem Umschaltspiel dirigiert er sein Team von Sieg zu Sieg. Die Formkurve von Sebastian Rudy zeigt nach oben. Zumindest an der Playstation – bei „Fifa 14“. „Ich muss zugeben, dass ich das gerne spiele. Meistens mit dem PSG“, sagt er. Doch nicht nur an der Spielkonsole hat die Karriere des 24 Jahre alten Mittelfeldspielers von 1899 Hoffenheim Fahrt aufgenommen – auch in der Bundesliga lässt Rudy aufhorchen.

Die letzten Monate können sich jedenfalls sehen lassen. Ende Mai heiratete Sebastian Rudy in Rottweil seine langjährige Freundin Elena, dann gelang ihm mit Hoffenheim ein guter Saisonstart (fünf Punkte aus drei Spielen), und vor anderthalb Wochen absolvierte er das erste seiner bislang drei Länderspiele von Beginn an im EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland (2:1). „Ja, es läuft sehr gut“, sagt Sebastian Rudy und fügt dann jedoch im selben Atemzug an: „Aber ich muss weiter hart an mir arbeiten.“

Dass ihm das bereits mit Erfolg gelungen ist, bewies er im Länderspiel in Dortmund. Seine Vorlage zum 1:0 gegen die Schotten auf Thomas Müller – ein gefühlvoller Geniestreich, eine maßgeschneiderte Flanke des Manns aus Villingen-Schwenningen, der in diesem Spiel seine Allrounderfähigkeiten zeigte. Gegen Schottland ließ Joachim Löw ihn auf der ungewohnten Position hinten rechts spielen. Der Bundestrainer sagt: „Es war immer klar, dass Sebastian zu einer echten Alternative werden kann.“ Und notfalls eben eine hinten rechts, auf der die DFB-Auswahl seit dem Abschied von Kapitän Philipp Lahm ohnehin nicht gut besetzt ist.

Den Ausflug in die Verteidigung hat Rudy gerne mitgemacht. „Das war eine Ehre für mich, ein tolles Erlebnis“, sagt er, auch wenn er sich eher im Zentrum sieht. Doch Rudy weiß: Für seinen Traum von der Europameisterschaft 2016 wird er Kompromisse eingehen müssen. Nur: So weit denken will er eigentlich noch gar nicht. Zunächst liegt Rudys Fokus auf der Bundesliga. Und dort geht es an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen seine Ex-Kollegen vom VfB, wobei Rudys Einsatz noch nicht ganz sicher ist – er leidet unter Adduktorenbeschwerden. Wie auch immer: Es wird kein Wiedersehen unter Freunden geben. Es geht um zu viel. Um drei Punkte. „Für einen guten Saisonstart brauchen wir die“, sagt Rudy. Und davon mal ganz abgesehen sind viele seiner ehemaligen Mitspieler beim VfB gar nicht mehr dabei. Der Kontakt in seine alte Heimat ist nach inzwischen mehr als vier Jahren bei 1899 Hoffenheim fast abgebrochen. Einzig mit Daniel Didavi telefoniert Rudy noch regelmäßig.

„Ich denke aber gerne an die sieben Jahre beim VfB zurück. Ich habe mich immer wohlgefühlt und diesem Club viel zu verdanken“, sagt der frühere Stuttgarter Jugendspieler. Auch deshalb schaut Rudy mit Sorgen auf den Wasen. Denn er kennt die Situation im Tabellenkeller. In der Saison 2012/13 wäre er mit den Kraichgauern beinahe in die zweite Liga abgestiegen. In der Relegation gegen den 1. FC Kaiserslautern rettete sich die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol damals in letzter Sekunde.

„Wenn man unten steht“, sagt Rudy, „fehlt das Selbstvertrauen. Da hilft es nur, über die mannschaftliche Geschlossenheit zurückzukommen.“ Ein Tipp für seinen Ex-Club soll das aber nicht sein. Im Gegenteil: Wenn es nach ihm geht, dann sollte dem VfB die Kehrtwende nicht an diesem Samstag gelingen. Mit Grausen erinnert er sich noch an die 2:6-Klatsche in Stuttgart in der Vorsaison. „Das wird uns nicht mehr passieren“, sagt Sebastian Rudy. Er hat ja gerade einen Lauf – nicht nur an der Playstation.

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