Der kleine Holzgerlinger schaut gebannt zu, wie sich die Kugeln ihren Weg bahnen. Foto: /Stefanie Schlecht

Auf der Schillerhöhe in Holzgerlingen gibt es jetzt eine tolle Attraktion für Kinder: Mercedes-Auszubildende haben dort eine Holzkugelbahn auf 175 Meter Länge gebaut.

Kurz vor den Sommerferien ist in Holzgerlingen auf der Schillerhöhe eine ganz besondere Attraktion in Betrieb genommen worden: Auf 175 Meter Länge erstreckt sich dort eine Holzkugelbahn, die von angehenden Mercedes-Benz Kfz-Mechatronikern erbaut wurde. Das Bauwerk ist ein echter Kinder-Magnet.

 

Zwei Wochen lang haben die Auszubildenden im Rahmen eines Sozialpraktikums gemeinsam mit dem Förster Achim Klausner im Sommer an der Holzkugelbahn gearbeitet und tauschten während dieser Zeit Metall gegen Holz aus – ein ganz neues Metier. Doch genau darum geht es bei dem Praktikum, erklärt Achim Klausner: Die Aufgabe soll die Auszubildenden fordern und ihnen Kreativität abverlangen. Mit Eichen- und Douglasienholz aus dem Stadtwald haben sie eine Murmelbahn geschaffen, die vor allem Kinder in ihren Bann zieht.

175 Meter lang ist die Kugelbahn auf der Schillerhöhe

Am Mittwochmorgen ist ein kleiner Holzgerlinger völlig in sein Spiel an der Kugelbahn vertieft. Man merkt: Der Kleine ist quasi schon Profi – er hat sogar seine eigenen bunten Holzkugeln dabei. Mehrmals geht er entlang der Kugelbahn den Berg rauf und runter und schaut, welche Kugel es zuerst ins Ziel schafft. Der Vater, der seinem Sohn schmunzelnd eine „Kugelbahnsucht“ attestiert, läuft geduldig hinterher und befreit die Bahn mit einem Astwedel von Laub, damit die Kugeln ungehindert rollen können. Und das geht so: Durch die Augenlöcher einer Holzgerlinger Holz-Eule fallen die Kugeln in die Tiefe, rollen an Hindernissen vorbei, durch Tunnel hindurch, mit ordentlich Karacho die Turbostrecke hinunter und über Xylophon-Klangblättchen hinweg, die sogar Töne erklingen lassen. „Das hätte eigentlich ‚Ein Männlein steht im Walde’ ergeben sollen, aber ich glaube, wir liegen da einen Halbton daneben“, sagt Klausner. Egal – mit etwas Fantasie ist die Melodie erkennbar.

Eine Umstellung war die Arbeit mit Holz für die Mechatroniker in Ausbildung allemal. Statt mit unnachgiebigem Metall detailorientiert zu arbeiten, mussten die Auszubildenden mit einer natürlichen Ressource arbeiten, die ihr Eigenleben hat: „Holz quellt oder schrumpft je nach Wetterlage“, erklärt Förster Achim Klausner. Deshalb laufen die Kugeln auch nicht immer perfekt und brauchen manchmal einen extra „Schubser“, um ins Ziel zu kommen. Einen Plan für die Bahn gibt es nicht, Achim Klausner nahm lediglich einige Ideen von einer Kugelbahn in Schwäbisch Gmünd, die allerdings stolze 550 Meter lang ist. Dass die Holzgerlinger Version rund 175 Meter lang geworden ist, lag an der zur Verfügung stehenden Zeit und dem Material: Eine besondere Meterzahl zu erreichen, hatten sich die Auszubildenden nicht vorgenommen, aber nach 175 Metern waren eben die zwei Wochen vorbei.

Vandalismus macht die Instandhaltung der Kugelbahn aufwendig

Die herausforderndste Aufgabe war der imposante Schluss der Holzkugelbahn, erzählt Achim Klausner: Eine Wendeltreppe, auf der die Holzkugeln ins finale Ziel holpern. Und dann: Ausgerechnet die Wendeltreppe, die kompliziert zu bauen war, und mit der sich die Auszubildenden viel Mühe gegeben haben, lag bereits am Tag nach der Fertigstellung zerstört im Wald. Die Holzgerlinger Schillerhöhe scheint zwar das neue Paradies kindlicher Idylle zu sein, doch ganz so ungetrübt geht es dort dann doch nicht zu. Auch der Automat, der am Start der Bahn zur Verfügung gestellt wurde, um für 50 Cent Holzkugeln zu kaufen, wurde von Unbekannten aus reiner Zerstörungswut komplett zerschlagen. Zwar kann man deshalb momentan keine Kugeln kaufen, aber eine Box, um Kugeln auszuleihen, steht noch zur Verfügung. Damit der Spaß auch weiterhin währt, will die Stadt die Stelle in Zukunft per Video überwachen.

Vielleicht hilft auch diese Idee: Mittlerweile hat sich ein inoffizieller „Pate“ für die Holzkugelbahn aus der direkten Nachbarschaft gefunden, der allerdings seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Er schaut mehrmals die Woche nach dem Rechten. So auch am Mittwochmorgen. Mit Werkzeugkasten ausgestattet, stellt er sicher, dass die Kugelbahn funktioniert und genügend Kugeln zur Verfügung stehen, damit kein Kind enttäuscht wieder abziehen muss. „Ich finde es toll, dass es hier ein solches Angebot für Kinder gibt“, sagt er. Zustimmen würde ihm sicher auch der dreijährige Kugelbahn-Profi, der die Bahn „voll tool“ findet.

Parksituation auf der Schillerhöhe

Wohngebiet
Die Holzkugelbahn ist beliebter Anlaufpunkt für Familien mit kleinen Kindern. Leider hat das zur Folge, dass viele die Schillerhöhe mit dem Auto anfahren und das nahe liegende Wohngebiet deshalb schnell zugeparkt wird, was eine Belastung für die Anwohner darstellt. Für diejenigen, die mit dem Auto anreisen, gibt es eine andere Möglichkeit, entspannt einen Parkplatz zu finden: Beim Tennisverein und Reit- und Fahrverein gibt es Stellplätze. Von dort aus kann die Schillerhöhe dann bequem von unten angelaufen werden.

Googlemaps
Vorsicht ist bei der Navigation mit Googlemaps geboten: Wer die Holzkugelbahn als Ziel eingibt, wird automatisch ins Wohngebiet geleitet, deshalb am besten den Tennisverein als Ziel eingeben.