Auch der Schwarzmarkt wird beim Tag der offenen Tür geöffnet haben. Foto: Achim Zweygarth

Die Nikolauspflege besteht seit 160 Jahren und feiert das am 17. April mit einem Tag der offenen Tür. Die ganze Bandbreite des Angebots für blinde und sehbehinderte Menschen wird präsentiert. Wer will, kann an einem Langstockparcours teilnehmen.

Stuttgart - Früher wurde mit einer Schreibtafel mit fühlbaren Ziffern unterrichtet, heute können sehbehinderte Schüler auf elektronische Hilfsmittel, die die Schrift beliebig vergrößern, zurückgreifen. Viel hat sich geändert, seit der Gründung der Stiftung Nikolauspflege in Stuttgart vor 160 Jahren durch Kronprinzessin Olga, die spätere Königin Olga von Württemberg. Aus der kleinen Blindenschule in einem zweigeschossigen Haus ist ein Kompetenzzentrum mit zahlreichen Angeboten für blinde und sehbehinderte Menschen geworden: vom Kleinkind- bis ins Seniorenalter, von der Bildung und Ausbildung bis zum Wohnen und Arbeiten in Werkstätten. Die ganze Vielfalt wird am Sonntag, 17. April, bei einem Tag der offenen Tür am Hauptstandort der Stiftung mit dem Motto „Den Menschen sehen“ am Kräherwald vorgestellt.

Rund 2000 blinde und sehbehinderte Menschen profitieren laut der Nikolauspflege aktuell von den Angeboten der Stiftung: darunter sind schwerstmehrfachbehinderte Menschen, die eine Rund-um-die Uhr-Betreuung benötigen, genau so wie selbstständige Erwachsene, die einer regulären Beschäftigung nachgehen, aber in einer betreuten Wohngemeinschaft leben. Allein am Standort am Kräherwald lernen und arbeiten mehr als 200 Personen. Eine von ihnen ist die 22-jährige Isata Wurie, die aus Sierra Leone stammt, und eine Ausbildung in der Hauswirtschaft macht. Auf dem linken Auge hat sie zwei Prozent Sehvermögen, auf dem rechten Auge fünf Prozent. Sie bewegt deshalb immer den Kopf zur Seite, wenn sie mit einem spricht, um das bessere Auge einsetzen zu können. Vor fünf Jahren, als sie nach Deutschland kam, ging Isata Wurie zunächst auf eine reguläre Schule. „Da bin ich gemobbt worden“, erzählt sie. Nach dem Abschluss an einer Schule für blinde Menschen kam sie zur Nikolauspflege. Schon als sie klein war, habe sie gewusst, dass sie einmal in einer Küche arbeiten wolle, erzählt sie. „Wenn morgens der Wecker klingelt, ärgere ich mich erst mal, aber dann freue ich mich auf meine Ausbildung“, sagt die junge Frau. Wenn sie in der Großküche etwas abwiegen muss, kann sie eine Waage mit Sprachfunktion benutzen. Und ihren Ausbilder könne sie 1000 Mal etwas fragen, er antworte immer wieder.

Menschen aus dem Stadtbezirk sind willkommen

Beim Tag der offenen Tür können die Besucher Einblicke in die Institutionen am Kräherwald erhalten, wie die Berufsschule der Nikolaushilfe, die Tilly-Lahnstein-Schule oder die inklusive Betty-Hirsch-Schule, die sich auch sehenden Kindern geöffnet hat. Sie können sich zudem über den sonderpädagogischen Dienst informieren, dessen Mitarbeiter Kinder in Regelkindergärten oder Schulen begleiten. Zielgruppe der Veranstaltung sind Familien mit blinden und sehbehinderten Kindern, Menschen aus dem Stadtbezirk, Freunde und Förderer. Man mache ein Angebot für alle Sinne, so Sabine Hauke aus dem Organisationsteam. Ein Langstockparcours und ein Rolli-Parcours stehen genauso auf dem Programm wie eine Therapiehundeshow und die Möglichkeit, sich unter dem Bildschirmlesegerät die Nägel zu lackieren. Zudem gibt es einen kleinen Marktplatz mit Verkauf.

Information: Der Tag der offenen Tür findet von 11 bis 17 Uhr statt. Vom MTV Parkplatz Am Kräherwald 190 A fährt ein kostenloser Shuttle-Bus.

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