Eine Wolkenfront zieht hinter einem Wegkreuz über die im Sonnenuntergang liegende Berglandschaft. Der Buß- und Bettag dient evangelischen Christen zur Besinnung und Neuorientierung. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Am Buß- und Bettag geht es um Reue für begangene Sünden und eine Besinnung auf den Glauben an Gott. Für evangelische Christen ist der Buß- und Bettag ein Feiertag, aber kein arbeitsfreier Tag – mit einer Ausnahme.

Der Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag. Er dient evangelischen Christen zur Besinnung und Neuorientierung. An diesem Tag geht es um eine religiöse Buße – also um Reue für begangene Sünden, die Besinnung auf den Glauben an Gott und eine Neuausrichtung des Lebens an seinen Geboten.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird der Buß- und Bettag immer am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, gefeiert – also elf Tage vor dem ersten Adventssonntag bzw. am Mittwoch vor dem 23. November. In diesem Jahr ist es der 16. November.

Nachdenken über gesellschaftliche Irrtümer

Nach Auffassung der evangelischen Kirche hat der Tag nicht nur eine private, sondern auch eine gesellschaftspolitische Bedeutung. Deshalb solle er auch zum Nachdenken über „gesellschaftliche Irrtümer wie beispielsweise Fremdenhass, Umweltzerstörung und die Ausgrenzung von Armen und Obdachlosen“ anregen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) schreibt: „Besinnung, kritische Lebensbilanz und Neuorientierung stehen in evangelischen Gottesdiensten zum Buß- und Bettag im Mittelpunkt. Begangen wird der Gedenktag am ersten Mittwoch nach dem Volkstrauertag. Versagen und Schuld, Versäumnisse und Fehlentscheidungen kann man im Gebet vor Gott bringen. Der Feiertag dient zudem dem Nachdenken über gesellschaftliche Irrtümer.“

Feiertag nur noch in Sachsen

Von 1990 bis 1994 war der Buß- und Bettag gesetzlicher Feiertag in ganz Deutschland – und damit auch in überwiegend katholischen Bundesländern. 1995 wurde der Tag als gesetzlicher Feiertag gestrichen – außer in Sachsen.

Im Freistaat ist er den Sonntagen gleichgestellt, wodurch die Arbeitnehmer und Schüler an diesem Tag frei haben. Dafür müssen alle Beschäftigten einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung leisten als in den übrigen 15 Bundesländern.

"Gesetzlich geschützter“ Feiertag in Deutschland

Bis heute ist der Buß- und Bettag in ganz Deutschland ein „gesetzlich geschützter“ Feiertag geblieben. In den meisten Bundesländern – auch in Baden-Württemberg , gemäß dem Gesetz über die Sonntage und Feiertage (Feiertagsgesetz/FTG) – können Arbeitnehmer aus religiösen Gründen am Buß- und Bettag freinehmen.

Durch die Feiertagsgesetzgebung ist es Beschäftigten wie auch Schülern möglich, vormittags einen Gottesdienst zu besuchen. Dafür muss kein Urlaub genommen werden, aber der Tag oder die Zeit, in der man nicht im Betrieb ist, wird einem vom Gehalt abgezogen.

Schulfrei in Bayern

In Bayern haben am Buß- und Bettag 2022 alle Schulen und viele Kindergärten geschlossen. Da die bayrischen Schüler schulfrei haben, nehmen auch viele berufstätige Eltern in Bayern am 16. November 2022 frei.

Info: Was ist Beten?

Wer betet, der sucht
Tag für Tag bringen Menschen ihre Anliegen – Bitten, Dank und Lob – vor Gott, beten für Menschen nah und fern. Wer betet, glaubt an Gott, sucht nach ihm, ringt um ihn. Er spürt in sich eine mehr oder weniger dezidierte Sehnsucht nach dem ganz Anderen. Betende überall auf der Welt schütten in Kirchen und Kapellen, privat und öffentlich, in realen und virtuellen Sphären ihr Herz aus. Beten kann im Stillen oder in einer Gemeinschaft geschehen, verbal oder nonverbal, rituell oder spontan. In Gebetsecken von Kirchen, in einem Buch, in dem man Fürbitten festhält, auf einer realen Gebetswand in einer Kirche oder im Internet im virtuellen Raum . All dies sind Ausdrucksformen gelebten Glaubens und praktizierter Religiosität.