14 000 Fans des Stuttgart-Albums sollen helfen Eine Stuttgarterin sucht ihren leiblichen Vater

Von Uwe Bogen 

So sahen die Bands aus, die in den 1970ern im Tabaris spielten- Foto: Stuttgart-Album
So sahen die Bands aus, die in den 1970ern im Tabaris spielten- Foto: Stuttgart-Album

Das Leben schreibt eigenwillige Geschichten und gibt Rätsel auf. Über unser Stuttgart-Album sucht eine Frau ihren leiblichen Vater, einen Musiker. Sie weiß nur, dass er 1971 im Tanzcafé Tabaris gespielt hat.

Stuttgart - Es war die Zeit, als Männer Ketten trugen und Frauen ihre Haare toupierten. Auf Platz eins der deutschen Hitparade erklang wochenlang „Rose Garden“ der US-Sängerin Lynn Anderson. Am Stuttgarter Hauptbahnhof wurden die ersten Pfeiler für das neue S-Bahn-Netz in die Erde getrieben.

Es war das Jahr 1971. Der Bundeskanzler hieß Willy Brandt, und die Beatles traten nicht mehr gemeinsam auf. Im Mai anno 1971 feierte eine junge Stuttgarterin ihren 21. Geburtstag. Endlich war sie volljährig – und durfte einen Ort aufsuchen, an dem sie schon lange tanzen wollte. Sie durfte ins Tanzcafé Tabaris im Hindenburgbau.

Die junge Tabaris-Tänzerin von einst lebt heute nicht mehr. Vor etlichen Jahren ist sie an einer schweren Krankheit gestorben. Ihre Tochter hält die Erinnerung hoch – und sucht seit langem ihren leiblichen Vater.

Den Namen der Band kennt sie nicht

Viel weiß sie nicht über ihn, nur, dass er als Musiker mit seiner Combo regelmäßig im Tabaris aufgetreten ist. Am 22. Mai 1971 soll er unweit des Stuttgarter Hauptbahnhofs im ersten Stock des Bauwerks gespielt haben, das damals noch Hindenburgbau hieß und heute namenslos ist. Am 21. Geburtstag der Mutter lernte sie den Bühnenmann kennen, der 16 Jahre älter gewesen sein soll.

Das Leben schreibt eigenwillige Geschichten und gibt Rätsel auf. Die suchende Stuttgarterin, die mit einem liebenden Vater aufgewachsen ist, von dem sie erst spät erfahren hat, dass er nicht ihr leiblicher ist, hat einen sehnlichen Wunsch: Gern würde sie den Musiker aus dem Tabaris der 1970er kennenlernen. Lebt er überhaupt noch?

Die Frau, die anonym bleiben möchte, hat sich an das Stuttgart-Album gewandt. Kann ihr jemand im Facebook-Forum unseres Geschichtsprojekts oder aus der Leserschaft unserer Zeitung weiterhelfen? Weiß jemand, wer damals im Mai anno 1971 im 1992 für immer geschlossenen Tabaris gespielt hat? Den Namen der Band kennt sie nicht. Im Fotoalbum ihrer verstorbenen Mutter hat sie eine Aufnahme mit der Combo ihres wohl leiblichen Vaters gefunden.

In eine Fernsehshow will sie nicht

Zeitlebens vermied es die Mutter, mit ihr über den Musiker zu sprechen, in den sie sich mit 21 Jahren im Tabaris verliebt hat. In die Geburtsurkunde habe sie nicht den Namen des Vaters eintragen lassen. Die Beziehung war nach kurzer Zeit beendet. Gemeinsam soll sie ihn noch auf Tourneen begleitet haben, unter anderem nach Paris.

Ihre Mutter, die als Wirtin arbeitete, verliebte sich danach erneut und heiratete einen Mann, mit dem sie ein weiteres Kind hat, den jüngeren Halbbruder der Stuttgarterin, die liebend gern ihren leiblichen Vater treffen würde. Schon oft hat sie im Bekanntenkreis über ihr Anliegen gesprochen. „Man schlug mir vor, mich bei einer ,Vermisst“-Sendung im Fernsehen zu melden“, erzählt sie. Doch vor eine Kamera will sie mit ihrer privaten Lebensgeschichte nicht.

Jetzt hofft sie auf die große Gemeinde des Stuttgart-Albums, das knapp 14 000 Fans bei Facebook hat. Um Geld gehe es ihr dabei nicht. Sie will nur ihrem Herzen folgen. Wer etwas weiß, kann eine Mail schicken an uwe.bogen@stzn.de. Diskutieren Sie mit im Netz unter www.facebook.com/Album.Stuttgart.

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