Ein Blick in die Gartenstraße im Jahr 1930. Links ist der Eingang zu „Kolonialwaren Dieterich“ zu erkennen... Foto: Stadtarchiv Besigheim

Vor 1250 Jahren wird Ottmarsheim zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Seither hat der Besigheimer Stadtteil eine bewegte Geschichte hinter sich. In wenigen Tagen wird das Jubiläum gefeiert.

Besigheim - Die Besonderheit zeigt sich schon am Ortseingang: Unter dem gelben Ottmarsheimer Ortsschild hängt seit wenigen Monaten der Zusatz „Älteste Gemeinde im Landkreis“. Ein deutlicher Hinweis - früher als die Siedlung auf den Höhen östlich des Neckars wurde keine andere Kommune in der Umgebung urkundlich erwähnt. Im Jahr 766 taucht Ottmarsheim zum ersten Mal in einem Besitzpapier auf, als das Gebiet an das Kloster Lorsch überging, damals allerdings noch unter dem Namen Autmarsheim.

Für Rainer Boldt, einen der Autoren der Ottmarsheimer Ortchronik, hat die frühe Besiedlung einen einfachen Grund: Die erhöhte Lage über dem Neckar, die freie Aussicht nach allen Seiten hin und der sanft abfallende Hang gen Süden. Dort war und ist nicht nur Ackerbau besonders einträglich, Siedlungen in dieser Lage waren in der Geschichte auch einfach zu verteidigen.

Viele Spuren von römischen Siedlungen werden ausgegraben

Dementsprechend viele historische Zeugnisse wurden in den vergangenen Jahrzehnten im Boden unter Ottmarsheim gefunden. Bereits im Jahr 1923 wies der Archäologe Oscar Paret die Grundmauern eines römischen Gutshofes nach, später wurden viele Überreste davon aber zerstört. Heute weiß man, dass der Gutshof nur ein Teil einer ganzen Siedlung aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts nach Christus war. Ein Mithras-Heiligtum, etliche Wohnhäuser, Brunnen und ein Friedhof wurden ebenfalls gefunden und in Grabungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten freigelegt.

Auch in moderneren Zeiten erlebte Ottmarsheim eine wechselvolle Geschichte: Laut der Ortshistoriker starben im Ersten Weltkrieg 32 Personen aus dem Ort. Nur wenige Jahrzehnte später fielen 59 Männer im Zweiten Weltkrieg, sechs blieben vermisst. Angesichts einer Einwohnerzahl von 571 starben damit mehr als 60 Prozent der Männer im wehrfähigen Alter. Im April 1945 rollten dann amerikanische Panzer auf den Höhen ein, der Krieg war zu Ende.

Zu Ende ist seit dem Jahr 1971 auch die Zeit von Ottmarsheim als eigenständige Gemeinde. Damals schlossen sich die rund 800 Einwohner der Stadt Besigheim an, wobei zuvor auch über eine Zusammenlegung mit den Kommunen Mundelsheim und Hessigheim debattiert worden war. Aus dem einstigen Rathaus wurde so 1971 eine Verwaltungsstelle.

Seit 1971 gehört der Ort zu Besigheim

Wirtschaftlich wächst der Ort vor allem seit den 1970er Jahren: Im Jahr 1973 gründeten sechs Kommunen den Zweckverband für das Gewerbegebiet Ottmarsheimer Höhe, wo heute mehr als 2500 Menschen arbeiten. Rund 90 Betriebe haben dort inzwischen ihren Sitz, besonders die Nähe zur Autobahn 81 lockt Unternehmen an, so zum Beispiel „Müller – die lila Logistik“. Dort wurde erst vor wenigen Tagen das 25-jährige Firmenjubiläum gefeiert.

Für die Feier, die Mitte Juli anlässlich des Ortsjubiläums gefeiert wird, sind die Unternehmen auch wichtige Geldgeber. Laut der Kulturamtsleiterin Anette Walz legt die Stadt Besigheim 50 000 Euro für die Festschrift und die Feierlichkeiten auf den Tisch, den Rest tragen Sponsoren. An vier Tagen feiert Ottmarsheim seinen Geburtstag, im Festzelt gibt es ein Bühnenprogramm, im Freien einen Vergnügungspark. Höhepunkt ist ein Umzug am 17. Juli. Der Organisator Walter Ziegler sagt: „Wir hoffen einfach auf gutes Wetter.“

Feier zum Jubiläum

Festschrift –
Zum 1250. Geburtstag von Ottmarsheim ist Anfang des Jahres eine Neuauflage der Ortschronik erschienen. Autoren und ehrenamtliche Helfer haben in den vergangenen Jahren in alten Fotoalben gestöbert und zahlreiche Beiträge zur Geschichte des Ortes erstellt. Die letzte Chronik war 1966 zum 1200-jährigen Jubiläum veröffentlicht worden. Die „Beiträge zur Ottmarsheimer Ortsgeschichte“ mit rund 340 Seiten Umfang können im Rathaus gekauft werden. Sie kosten zehn Euro.

Festwochenende
– Am Freitag, 15. Juli, beginnt in Ottmarsheim das viertägige Jubiläumsfest. In der Nähe der Bürgerhalle wird ein großes Zelt aufgestellt, am Sonntag, 17. Juli, startet um 13.30 Uhr ein großer Festumzug mit rund 70 Gruppen und Vereinen. Auch ein Vergnügungspark ist aufgebaut.

Pendelbus
– Um die Besucher nach Ottmarsheim zu bringen, fahren Pendelbusse aus Hessigheim, Mundelsheim, Gemmrigheim, Kirchheim und Besigheim. Eine Fahrt kostet 1,50 Euro, die Karten gibt es beim Busfahrer.

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