125 Jahre VfB Stuttgart Wie der Cannstatter Wasen zur Spielstätte des VfB Stuttgart wurde

Von fga 

Der am 21. Dezember 1919 eingeweihte VfB-Platz auf dem Cannstatter Wasen. Foto: VfB
Der am 21. Dezember 1919 eingeweihte VfB-Platz auf dem Cannstatter Wasen. Foto: VfB

Der Cannstatter Wasen ist nicht nur Heimat des VfB Stuttgart, sondern auch Ursprungsort des Stuttgarter Fußballs. Ein Streifzug durch die Geschichte des Ortes, der von Umzügen, Kriegszerstörungen und natürlich Fußball erzählt.

Stuttgart - Er war früher eine Viehweide, diente als Exerzierplatz für Militärparaden – und Flugpioniere landeten ihre Maschinen darauf. Heute ist er die Heimat für das Cannstatter Volksfest und Konzerte von Musikgrößen wie den Fantastischen Vier. Vor allem aber ist der Cannstatter Wasen unzertrennbar mit der Geschichte des VfB Stuttgart verbunden. Die Vorgängervereine des VfB spielten schon Ende des 19. Jahrhunderts dort, von 1919 an hatten die Weiß-Roten dort eine eigene Spielstätte .

Vor dem Fußball regierte Rugby am Wasen

Die Anfänge des Wasen als Fußballstätte gehen aber noch weiter zurück. Ein englischer Schüler erinnerte sich ­daran, 1865 auf dem Wasen gekickt zu haben. Wann genau dort zum ersten Mal Fußball oder damals auch Rugby gespielt wurde, lässt sich aber nicht genau sagen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der Wasen der erste Fußballplatz im Raum Stuttgart, vermutlich auch in Württemberg war. Der Fußball steckte in Deutschland noch in den Kinderschuhen und war auch nur mäßig populär: Das Spiel wurde als „Fußlümmelei“ und „Stauchbeinspiel“ verunglimpft. Gegen 1895 wurde das Kicken auf dem Wasen gar für mehrere Jahre verboten. Nachdem der Fußball in den Folgejahren aber immer populärer wurde, entschloss man sich, das Verbot aufzuheben und schließlich auf dem Wasen eine neue Sportstätte zu bauen. Im Mai 1914 entstand ein Sportplatz mit 7000 Tribünen- und 15 000 Stehplätzen.

Die ersten Tribünen fackeln ab

Der Erste Weltkrieg sorgte dafür, dass das Stadion ein kurzes Leben hatte – zumindest indirekt. Der Sportplatz auf dem Wasen diente als ­Behelfsunterkunft für Italiener, die den Kriegsdienst verweigerten und auf ihre Abschiebung warteten. Auf der Holztribüne auf dem Wasen richteten sie sich wohnlich ein. Am 11. August 1914, keine drei Monate nach der Einweihung, brannte die Tribüne vollkommen ab – wahrscheinlich wegen einer glimmenden ­Zigarette. Es dauerte fünf Jahre, bis ein neuer Sportplatz auf dem Wasen spielbereit war und eröffnet wurde: 1919 hatte der VfB endlich eine sportliche Heimat auf dem Wasen.

Über Umzug und Kriegszerstörung zur Mercedes-Benz-Arena

Auch diese Spielstätte, die 15 000 Menschen fasste, sollte nicht ­allzu lange erhalten bleiben. Die Stadt Stuttgart beschloss, das Volksfestgelände auf dem Wasen zu erweitern, für den VfB wurde an der Grenze zu Untertürkheim ein neues Stadion gebaut. Das erste Spiel ging am 19. August 1937 über die Bühne: Die Stadtrivalen VfB und Stuttgarter Kickers trennten sich 4:4. Auch dieser Spielstätte machte ein Krieg den Garaus: Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Stadion bei Luftangriffen so schwer zerstört, dass es nicht mehr benutzt werden konnte. Von Dezember 1945 an spielte der VfB auf der ehemaligen Adolf-Hitler-Kampfbahn, die später zum Neckarstadion wurde. Heute ist die Spielstätte ein reines Fußballstadion mit mehr als 60 000 Plätzen – und heißt Mercedes-Benz-Arena.

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