Automaten-Tankstelle von Michael Wankmüller in Nufringen: „Noch nie so hohe Preissprünge erlebt.“ Foto: Stefanie Schlecht

Die Spritpreise dürfen seit dem 1. April nur noch einmal am Tag angehoben werden. Tankstellen-Betreiber Michael Wankmüller erklärt, warum der Schuss nach hinten losgeht.

Michael Wankmüller ist schwer zu erreichen. Als Geschäftsführer des gleichnamigen Heizölhandels in Nufringen und einer der ganz wenigen eigenständigen Tankstellen-Betreiber im Land spürt er die derzeitigen Kapriolen des Ölpreises wie kaum ein zweiter am eigenen Leib. Als ein Telefonat klappt, sitzt er am Steuer eines seiner Lastwagen. Das hindert ihn aber nicht daran, zur derzeitigen Lage am Ölmarkt Stellung zu beziehen. Und zwar deutlich.

 

„Die 12-Uhr-Regelung ist kompletter Nonsens, das bringt überhaupt nichts“, sagt er unumwunden. Seit dem 1. April dieses Jahres dürfen Tankstellen ihre Spritpreise nur noch einmal am Tag erhöhen, frühestens um 12 Uhr. Was dazu führen sollte, dass Tankkunden vor hohen Preisausschlägen an der Zapfsäule geschützt werden, verpufft nahezu komplett in seiner Wirkung: Kurz nach Ostern war der Diesel bis zu 70 Cent teurer als vor dem Iran-Krieg. Die Gründe dafür liegen laut Wankmüller auf der Hand.

Mittlerweile ist Diesel teurer als Benzin. Foto: Stefanie Schlecht

Tankstelle in Nufringen: „Gehen um 12 Uhr immer um zehn Cent hoch“

„Wenn ich nur eine Gelegenheit habe, die Preise anzuheben, muss ich dies als Betreiber natürlich nutzen, um das Verlustrisiko zu senken“, sagt er. Schließlich lasse sich die Entwicklung des Ölpreises an der Börse nicht vorhersagen. Und senken könne er den Preis ja jederzeit. „Um die Preisentwicklung an der Börse abfedern zu können, heben wir derzeit alle Sortenpreise immer um 12 Uhr um zehn Cent an“, sagt er. Damit steht er nicht allein: Bei den großen Ketten springen die Preise ebenfalls täglich um 12 Uhr nach oben.

„Am Nachmittag muss ich dann fast minütlich die Börsenpreise verfolgen, um möglichst günstig bei meinen Vorlieferanten zu bestellen“, sagt er. Es ist ein tägliches Vabanque-Spiel. Jeden Tag benötigt er eine Lieferung der Mineralölraffinerie Oberrhein in Karlsruhe, um den Tank seiner Tankstelle im Nufringer Gewerbegebiet Gründen aufzufüllen. Ist das Öl einmal geordert, ist der Einkaufspreis fixiert. „Deshalb muss ich einen möglichst großen Puffer einbauen, um überhaupt Ertrag zu erwirtschaften“, sagt er.

Umsatz an Automaten-Tankstelle bleibt stabil

Trotz der hohen Preise sei der Absatz über Ostern stabil geblieben, sagt er. Diesel mache bei ihm einen Großteil des Absatzes aus, viele Kunden sind gewerblich. „Wir haben uns etwas gewundert, dass es mengenmäßig nicht zurückging.“ Da seine Tankstelle ausschließlich mit Automaten funktioniere und kein Shop angegliedert ist, spürt er die Krise nur zum Teil. Anders sei die Lage bei den Pächtern, die an einer großen Kette wie Aral, Shell oder Esso hingen. Diese verdienten ihr Geld fast ausschließlich mit Verkäufen im Tankstellen-Shop – oder eben gerade nicht.

„Dort kommt ja mittlerweile nach 12 Uhr kaum noch jemand zum Tanken, demzufolge kauft keiner was“, sagt Wankmüller, was er aus der Branche mitbekomme. Auch Angebote wie Mittagstisch träfen in so einer Lage auf kein Interesse. Wo Wankmüller die derzeitigen Preiskapriolen aber deutlich heftiger spürt, ist beim Heizöl, seinem zweiten Standbein im Betrieb. Seine zwölf Lastwagen müssten derzeit im Hof stehen bleiben, für seine acht Fahrer gibt es keine Touren.

„Ich melde Kurzarbeit an, es gibt einfach kein Geschäft.“

Michael Wankmüller, Heizöl-Händler aus Nufringen

Tankstellen-Betreiber kritisiert Politik

„Solche Preissprünge wie jetzt habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Oszillierte der Heizölpreis in den vergangenen zwei Jahren relativ stabil zwischen 90 Cent und 1,10 Euro pro Liter, sprang er im Zuge des Nahost-Konflikts innerhalb weniger Tage auf über 1,50 Euro, zeitweise über 1,60 Euro. „Es ist ja völlig verständlich, dass da keiner Heizöl bestellt“, sagt Wankmüller. „Ich melde jetzt für die Fahrer Kurzarbeit an, es gibt einfach kein Geschäft.“

Für die Politik hat Wankmüller in diesen Tagen wenig schmeichelhafte Worte übrig. „In kaum einem anderen Land ist der Treibstoff so hoch besteuert wie bei uns.“ In der Tat berechnet der Fiskus an einem Liter Sprit in Deutschland sowohl 65,45 Cent Energiesteuer, eine jährlich steigende CO2-Abgabe und weitere 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den Nettopreis. Statt der 12-Uhr-Regelung hätte der Staat lieber an der Steuerschraube drehen sollen, um die Verbraucher kurzfristig zu entlasten, sagt Wankmüller.

 

Als hätte die Politik die Rufe gehört, verkündete die Bundesregierung am Montag, die Energiesteuer für zwei Monate um 17 Cent zu senken. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte: „Damit werden wir sehr schnell die Lage für die Autofahrer und für die Betriebe im Land verbessern.“ Im Gegenzug soll die Tabaksteuer angehoben werden und eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne geprüft werden. Ein Nutzen für die Verbraucher ist absehbar. Ob es auch Tankstellenbetreiber wie Michael Wankmüller spüren werden, muss sich zeigen: Die aus ihrer Sicht kontraproduktive 12-Uhr-Regelung bleibt zunächst bestehen.