Bürgermeisterin Fezer inmitten des närrischen Treibens vor der Rathaustür Foto: Ferdinando Iannone©

Meteorologisch war der Startschuss zum närrischen Treiben am 11. und 12. November ein Schlag ins Wasser. Die Stimmung der Aktiven erwies sich allerdings als wetterfest. Sozialbürgermeisterin Fezer tat ihr Möglichstes, das Rathaus zu verteidigen.

Stuttgart - Es ist Samstagmittag, 11 Uhr. Ein Pulk von Menschen hat sich, mit Schirmen gewappnet, erwartungsfroh im Nieselregen vor der leeren Rathaustreppe versammelt. Ein japanisches Paar reckt neugierig die Hälse. „Unsere Tochter tanzt bei der Zigeunerinsel“, erklärt die Mutter. Man sei erstmals bei einem Kampagnenauftakt dabei und ein wenig fremd sei die ganze Angelegenheit schon. Aber man wolle den Nachwuchs natürlich unterstützen. Die Narren haben den Karneval eingeläutet!

Die meisten Besucher, darunter auch Gäste aus dem Umland, ja selbst aus Düsseldorf, sind offenbar bestens mit den Gepflogenheiten der Tollitäten vertraut. Ein Raunen geht durch die Reihen, als die First Guggenband Stuttgart pünktlich um 11.11 Uhr um die Ecke biegt und den närrischen Lindwurm von Vertretern der elf im Festkomitee Karneval zusammengeschlossenen Stuttgarter Vereine unter lautstarkem Pauken und Trompeten vor die Tore des Bürgermeistersitzes führt. Von der Witterung lässt sich niemand verdrießen. „Was ein richtiger Narr, der hat Sonne im Herzen“, sagt Komitee-Präsidentin Anita Rösslein.

Im Rathaus haben die Narren freien Zutritt. Immer.

Bester Laune ist auch Sozial-Bürgermeisterin Isabel Fezer. Umringt von Karnevalisten verkündet sie, man bereite sich hinter verschlossenen Türen bereits intensiv auf die Verteidigung des Rathauses vor. Während es draußen in der Welt wahrlich genügend Narren gebe, „regiere in der Bürgermeisterei die reine Vernunft“, gibt die Vertreterin der Stadt zu verstehen und witzelt: „Hier ist einer klüger als die andere“. Rösslein sieht das naturgemäß anders: „Da hier die Narren tagaus tagein freien Zutritt ­haben, werden auch wir hineinkommen“, verspricht sie. Einen Orden bekommt Fezer dann aber doch. Es ist der erste in der jüngsten Kampagne, die kurz darauf mit einem dreifachen „Stuttgart Helau!“ endgültig eröffnet wird.

Schon am Sonntag sind alle Verteidigungsüberlegungen streng genommen Makulatur. Auf der Rathaustreppe zeugen nur noch ein paar Konfetti-Schnipsel von der Versammlung am Vortag. Drinnen weisen Luftschlangen und die durchs Haus hallende Musik der Bietigheimer Guggentruppe „D’ Wezga“ den Weg zur Inthronisationsfeier des Stuttgarter Stadtprinzenpaares der Karnevalsgesellschaft Möbelwagen für die Saison 2017/2018. Die laufende Kampagne ist für die Möbler etwas ganz Besonderes: Der 1879 gegründete Verein begeht heuer sein elfmal elftes Jubiläum. Präsident Thomas Klingenberg verspricht ein karnevalistisches Feuerwerk.

Das neue Stadtprinzenpaar ist voller Vorfreude

Der Einzug der neuen Hoheiten, Prinz Andrea I. und ihrer Lieblichkeit Nadine I. erfolgte passend wie traditionsgemäß zu Händels Feuerwerksmusik. Dann, um 11.11 Uhr, erfolgt die Übergabe der Insignien der Regentschaft, Zepter und Schärpe, durch die Vorgänger Almklausi I. und Maritta I. „Ihr werdet etwas Außergewöhnliches erleben“, versprach der abgedankte Prinz den Inthronisierten. „Diese Zeit wird euch immer im Herzen bleiben.“

Die neuen Amtsinhaber lassen sich nicht lange bitten, mit dem närrischen Volk auf Tuchfühlung zu gehen. Nach einer kurzen Ansprache der neuen Kinderprinzessin Marie, geben sie zwischen Helene Fischers „Mit keinem Andern“ und Michel Telós „Ai Se Eu Te Pego!“, das der gebürtige Sizilianer Andrea in bestem Portugiesisch vorträgt, eine ausgiebige Kostprobe ihrer Sanges- und Entertainer-Qualitäten. Die Anwesenden, darunter auch Vertreter von Grün-Weiß Stuttgart oder den Exil-Rheinländern von den Rheingschmeckten, danken es mit einem freudigen dreifachen „A-Ha!“.

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