Yalcin Bayraktar, der erste von den Grünen gestellte Bürgermeister in Esslingen, hat schon in den ersten dreieinhalb Monaten viele Dinge angestoßen. Foto: Ines Rudel/l

Trotz Corona hat Yalcin Bayraktar die ersten 100 Tage als Esslinger Kultur-, Sozial-, Schul-, Ordnungs- und Sportbürgermeister genutzt, um wichtige Projekte voranzutreiben. In manchen Bereichen fordert er ein Um- und Weiterdenken.

Esslingen - Darauf darf sich Yalcin Bayraktar schon ein bisschen was einbilden. Denn ein derart gutes Zeugnis, wie es sein neuer Chef Jürgen Zieger (SPD) dem ersten von den Grünen vorgeschlagenen Bürgermeister bereits nach 100 Tagen ausstellt, hätte der Esslinger Oberbürgermeister Bayraktars Vorgänger Markus Raab (CDU) gewiss nie ausgestellt: Nicht nach 100 Tagen – und auch nicht nach Raabs Ausscheiden nach 16 Jahren.

Bayraktar, der in Esslingen in den kommenden acht Jahren für die Bereiche Soziales, Schule, Kultur, Ordnung und Sport zuständig ist, habe sich, so Zieger „sehr schnell in die Themen und Fragestellungen aus seinem Dezernat“ eingearbeitet. Er nehme Dinge schnell auf, höre genau zu, was seine Führungskräfte vortragen und berichten und greife „vorsichtig in bestehende Abläufe ein“. In Gesprächen sei er stets gut vorbereitet, argumentiere strukturiert und lösungsorientiert. Selbstdarstellung sei ihm dabei fremd. Bayraktar trete eher bescheiden auf.

Bescheiden, konstruktiv und zielorientiert

Auch in der Bewältigung der Corona-Krises habe der 41-Jährige, der am 15. Januar seinen ersten Arbeitstag im Esslinger Rathaus hatte, bisher „durch gute Vorinformationen, konstruktive Lösungsvorschläge und gutes Management und Kollegialität überzeugt.“

Mit seinem bescheidenen Auftreten habe er sich bereits jetzt in der gesamten Verwaltung und in der Führungsriege des Rathauses großen Respekt verschafft. Natürlich gebe es angesichts des breiten Aufgabenspektrums viele neue und auch fremde Themen für Bayraktar. Jürgen Zieger augenzwinkernd: „Kultur und Kulturpolitik sind nicht seine Welt. Aber er führt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klug und hat auch hier gute Resonanz. Aber für die Kultur gibt es ja auch noch den Oberbürgermeister – und der hat da immer ein Auge drauf . . .“

Bayraktar lobt das gute Team

Der so Gelobte reagiert auf eine solche Lobeshymne, wie man das erwarten konnte: mit Bescheidenheit. Er freue sich wirklich, so betont er, dass er so offen und herzlich in Esslingen aufgenommen worden sei und dass er ein derart gutes und engagiertes Team in der Verwaltung vorgefunden habe. Überrascht habe ihn auch die sehr aktive und engagierte Bürgerschaft, sagt er – und wendet sich dann lieber gleich den Sachthemen zu, mit denen er sich in den ersten 100 Tagen seiner Esslinger Zeit beschäftigt hat und die ihn auch jetzt in den Zeiten der Corona, aber auch darüber hinaus, noch intensiv begleiten und beschäftigen werden.

Unter anderem geht es um die Verbesserung der gefühlten Sicherheit der Menschen in der Stadt. Dieses Thema ist ihm dabei ein ebenso wichtiges Anliegen wie ein Konzept, dass ein friedliches Miteinander von jugendlichen und älteren Esslinger Bürgern ermöglicht. Geplant dazu sind ein kommunales Sicherheitsforum und eine direkte Bürgerbeteiligung.

Die Idee von der Kinder-Uni

Um seine Ziele zu erreichen, will Bayraktar unter anderem den Kommunalen Ordnungsdienst und die Jugendsozialarbeit an einen Tisch bringen, Aufenthaltsorte im öffentlichen Raum definieren und die Jugendlichen mit Hilfe des Stadtjugendrings über ihre Möglichkeiten besser informieren.

Festhalten will er an der Fachkräfteoffensive der Stadt im Bereich Bildung und Betreuung. Ein neues Anmeldeverfahren für Kita-Plätze soll nicht nur einfach und verständlich gestaltet werden, sondern auch Transparenz bei den Vergabekriterien der begehrten Kitaplätze schaffen. Ebenfalls im Bereich Jugend ist die Einführung einer Kinderuni. Dazu habe er bereits erste Gespräche mit der Hochschule geführt, sagt Bayraktar.

Großes Interesse an der neuen Realschule

Bei den Schulen stehen natürlich die zahlreichen Sanierungen im Mittelpunkt. Erfreut ist der Schulbürgermeister, dass die neue Realschule in der Pliensauvorstadt offenbar auf großes Interesse stoße. Rund 50 Anmeldungen für das kommenden Schuljahr liegen vor. „Bayraktar: „Wir können also mit zwei Klassen starten.“

Die Stärkung der kulturellen Teilhabe will er ebenso vorantreiben wie die Stadtteilarbeit. Hierbei will er neue Wege gehen und die in den jeweiligen Stadtteilen agierenden Akteure zusammenbringen. Bayraktar: „So können wir die Identifikation der Menschen mit ihren Stadtteilen stärken.“

Dann erwähnt er noch den gemeinsamen Gestaltungsprozess für die Stadtbücherei, die Bemühungen, die kulturellen Teilhabemöglichkeiten zu verbessern und den Sportentwicklungsplan so mit Leben zu füllen, dass noch mehr Esslinger Lust darauf haben, sich zu bewegen. Man spürt: Yalcin Bayraktar hat noch viel vor.

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