Der Weltmeister 1985/1986 präsentiert sich vor dem Ludwigsburger Schloss. Foto: privat

Krone, Wind und viele Siege: Die Standard-Formation des 1. Tanzclub Ludwigsburg gehörte zu den erfolgreichsten Mannschaften auf dem Parkett. Heute ist es etwas ruhiger um die Tänzer geworden, trotzdem gibt es Grund zum Feiern.

Ludwigsburg - Die acht Paare schweben aufs Parkett, strahlen in die Runde und verbeugen sich, die Musik setzt ein: So sieht es aus, wenn die Standard-Formation des 1. Tanzclub Ludwigsburg (TCL) vor Publikum und Schiedsgericht auftritt. Genau sechs Minuten dauert solch eine Darbietung bei einer Meisterschaft. Enthalten sein müssen die Elemente Wiener Walzer, langsamer Tango, Slow Fox und Quickstepp. Doch so leicht und locker dies für das Publikum auch aussehen mag: Dahinter stecken jahrelange, harte Knochenarbeit, Fleiß, Disziplin und viele Entbehrungen.

Die beste Mannschaft der Welt

Das weiß in Ludwigsburg keiner besser als der Cheftrainer des TCL, jenes Tanzclubs, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert. „Das war früher so, das ist heute so, und das wird immer so bleiben: Wer Erfolg beim Tanzen haben möchte, der muss jeden Tag auf der Matte stehen“, sagt Norman Beck. Der 60-jährige tanzte selbst von 1979 bis 1993, machte dann die Ausbildung zum Trainer und betreut seither mit seiner Frau Dagmar als Trainer-Duo die Ludwigsburger Standard-Formation. Das tun die beiden äußerst erfolgreich: Seit 1985 errangen die Damen und Herren elf Weltmeistertitel und wurden zwölf Mal Deutscher Meister. Damit gehört der TCL zu den besten Tanzclubs der Welt.

An die früheren Zeiten erinnert sich Norman Beck gerne zurück. „Das waren tolle Zeiten, die ganze Mannschaft hatte einen unglaublichen Zusammenhalt, wir waren wie eine Familie“, erzählt er. Reisen in ferne Länder und Auftritte vor internationalem Publikum, Siege, aber natürlich auch Niederlagen schweißten die Mannschaft zusammen. Auch der Rückhalt aus dem Publikum sei enorm gewesen: Mehrere Fanbusse seien den Ludwigsburgern von Turnier zu Turnier hinterhergefahren.

Die große Zeit ist vorbei

Heute ist es etwas ruhiger geworden um die Formation. Noch immer wird hart gearbeitet, doch die Erfolge fliegen den Ludwigsburger Tänzern nicht mehr so zu wie sie das einst taten. Die Konkurrenz, vor allem die aus dem Norden Deutschlands, war seit jeher hart. Inzwischen machen es aber auch die inneren Umstände den Trainern immer schwerer machen, einen Erfolg mit der Mannschaft einzufahren. „Kaum jemand mag heute noch viermal pro Woche und an den Wochenenden ins Training kommen“, sagt die TCL-Präsidentin Gaby Wulff.

Immerhin seien die Tänzer allesamt Amateure und betrieben diesen Sport nur als Hobby. Die Einstellung der Tänzer von heute habe sich geändert. Während vor 20, 25 Jahren der unbedingte Wille zum Sieg mit übers Parkett geschwebt sei, spielten heute für die Sportler ganz andere Dinge eine Rolle. „Unsere Tänzer suchen heute hauptsächlich den Spaßfaktor, nicht mehr den Sieg“, sagt Wulff. Zudem kämen die meisten nicht mehr aus der Ludwigsburger Region, sondern lebten in anderen Städten. „Es ist schwierig, dann eine Kontinuität zu halten“, sagt die TCL-Präsidentin.

Streit, Rücktritte und Austritte

Zumindest an der Vereinsspitze ist die Kontinuität wieder hergestellt. Nach heftigen, vereinsinternen Querelen im Jahr 2013, bei denen Wulff kurzzeitig als Präsidentin zurücktrat, es heftige Streitereien um die Posten ihres Vize und des Schatzmeisters gab und etwa 200 Mitglieder aus dem Club austraten, ist heute wieder Ruhe eingekehrt. Gleichwohl plagen den TCL dieselben Sorgen, von denen viele Vereine geplagt werden: Kaum einer mag sich noch ehrenamtlich engagieren. Neben den Becks als Trainerpaar stemmt Gaby Wulff das meiste der Arbeit, und so sehr sie sich einen hauptamtlichen Geschäftsführer wünschen würde: Die Finanzen geben das nicht her. „Wir haben etwa 600 Mitglieder und können uns das einfach nicht leisten.“

Die Becks allerdings werden ihr weiterhin erhalten bleiben – und mit ihnen auch die Markenzeichen, die die Ludwigsburger Standard-Formation so unverwechselbar gemacht haben: die „Ludwigsburger Krone“, bei der sich die Paare im Kreis nach hinten beugen, die Kettenentwicklung mit Spagat und der „Wind“, bei der sich die Damen um die Herren drehen.

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