Großes Aufgebot am 1. Mai Foto: Stefanie Schlecht

Es geht um Tarifbindung, bessere Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung. Rund 600 Demonstranten setzen sich am 1. Mai in Sindelfingen für eine gerechte Arbeitswelt ein.

Die Sonne scheint, die Transparente leuchten und die Tröten sind schon von Weitem zu hören. Rund 600 Teilnehmer sind am 1. Mai dem Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gefolgt und in einem Demonstrationszug unter dem Motto „Mach dich stark mit uns!“ um 11 Uhr vom Grünen Platz zum Sindelfinger Marktplatz gelaufen. Ihr Ziel: die Forderung nach sozialer Absicherung, besseren Arbeitsbedingungen und besserer Bezahlung.

 

Auf dem Marktplatz herrschte reges Treiben. Infotische, Kinderspielangebote, Kaffee und Kuchen fanden bei den Besucherinnen und Besuchern Anklang. Die französischsprachige Pop- und Rockband Flawi aus Ulm machte Stimmung. Während sie fetzige Klänge durch die Daimlerstadt schallen ließ, kamen von den Gewerkschaftsvertretern auf der Bühne ernsthaftere Worte.

Ein Drittel der Belegschaft bei Magna soll den Arbeitsplatz verlieren

Tamara Hübner, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Stuttgart, sagte:„Als Gewerkschaft fordern wir von den Arbeitgebern und der Politik ein klares Bekenntnis zur Sicherung und Stärkung der deutschen Industriestandorte. Nur das garantiert auch zukunftssichere Arbeitsplätze hier in der Region.“

Als Beispiel einer aktuellen Auseinandersetzung nannte sie den Automobilzulieferer Magna, der seinen Standort in Sindelfingen deutlich verkleinern will. Ein Drittel der Belegschaft soll ihren Arbeitsplatz verlieren. Der Grund für die Verkleinerung: Der Standort sei nicht profitabel genug. Man schätze den hohen Sachverstand der Kollegen und auch das überdurchschnittliche Engagement zwar, aber die Rendite sei nicht hoch genug, nennt Hübner die Begründung des Unternehmens. „Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. So darf mit Beschäftigten nicht umgegangen werden“, sagt die IG Metallerin und erntete Applaus.

„Unser Land braucht endlich wieder mehr Tarifverträge und eine höhere Tarifbindung. Wir brauchen eine echte Tarifwende“, betonte Hübner. Sie forderte in ihrer Rede die Arbeitgeber dazu auf, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Doch auch die Politik sei gefragt. Denn zur Stärkung der Tarifbindung müsse der Bund mit gutem Beispiel vorangehen.

Appell für faire Löhne und gute Ausbildung

Elvita Bekolli, Vorsitzende der Auszubildendenvertretung Mercedes-Benz Sindelfingen (JAV), berichtete vom jüngsten Erfolg in der letzten Tarifrunde, bei dem ein Zuschlag von 140 Euro für Auszubildende und Dualstudenten herausgeholt wurde. Sie sagte aber auch: „Es geht nicht nur um einzelne Euros. Es geht um Respekt. Es geht darum, gehört und gesehen zu werden. Unsere Forderungen sind ganz klar: Faire Löhne für jede Generation, gute Ausbildung als echtes Zukunftsversprechen und nachhaltige Arbeit anstatt kurzfristiger Gewinn.“

Gerade jetzt in einer wirtschaftlich schwierigen Lage, dürfe an der Ausbildung nicht gespart werden. Wer heute an der Jugend spart, säge an der Basis von morgen, sagte die junge Frau vor den Versammelten aus Industrie, Handel, Öffentlichem Dienst, Bildung und Pflege. Rund 600 zählte die Polizei – drei Mal mehr als angemeldet waren.