Hat sein Hauptziel mit dem Drittliga-Aufstieg bereits erreicht: Ex-Kickers-Profi Marcus Mann, der Sportdirektor des 1. FC Saarbrücken. Foto: imago/Jan Hübner

Viertligist 1. FC Saarbrücken will das nächste Kapitel seines DFB-Pokal-Märchens schreiben. Unabhängig von einer Sensation im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen, hat der Sportdirektor mit Stuttgarter Vergangenheit seinen Auftrag bereits erfüllt.

Saarbrücken - Das war die größte Sensation seit Christi Geburt“, hatte Dieter Ferner, die Vereinsikone des 1. FC Saarbrücken, nach dem DFB-Pokal-Viertelfinal-Triumph des Viertligisten über Fortuna Düsseldorf voller Emotionen hinausposaunt. Der Trainer Lukas Kwasniok setzt vor dem Halbfinale an diesem Dienstag (20.45 Uhr/ARD) gegen Bayer Leverkusen in Anspielung darauf noch einen drauf: Der Final-Einzug sei sogar mir der „Wiedergeburt Jesu Christi“ gleichzusetzen. Marcus Mann würden solche Aussagen nicht über die Lippen kommen. Weniger weil der Sportdirektor des 1. FCS als durchaus gläubiger Mensch den Vergleich zwischen Fußball und Religion nicht so passend findet, sondern vielmehr, weil er generell ungern Sprüche raushaut. Mann ist kein Lautsprecher. Der 36-Jährige gehört zu den eher ruhigen, sachlichen, analytischen Vertretern seiner Branche.

Dorfplatzatmosphäre in Völklingen

Das schließt Charme und Witz nicht aus. Dass seine Mannschaft seit 94 Tagen kein Pflichtspiel mehr absolviert hat, sei gegenüber der eingespielten Bayer-Starelf definitiv kein Vorteil, aber: „Leverkusen konnte uns deshalb eben auch nicht beobachten“, sagt der gebürtige Leonberger mit einem Schmunzeln. Der einzige Vorteil in diesem ungleichen Duell? Nicht ganz. Die Dorfplatz-Atmosphäre im Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen komme ohne Zuschauer „noch extremer rüber, als vor vollem Haus“, ist sich Mann sicher. Damit müssten die hochdekorierten Erstligaprofis erst einmal umgehen.

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Da passt das Motto des 1. FC Saarbrücken ganz gut ins Bild, das bereits seit Wochen gut lesbar über dem Trainingsplatz steht: „Lieber widerlich, als wieder nich’ – im vierten Anlauf ins Finale“. Das soll nicht heißen, dass es für den international erfahrenen Bundesliga-Fünften auf die Hölzer gibt, stellt Marcus Mann klar, sondern, dass andere Tugenden gefragt sind, als fußballerische Glanzlichter, dass es weh tun wird, gegen den haushohen Favoriten etwas zu reißen, dass man über Grenzen hinaus gehen muss. Und zwar noch extremer, als das in den bisherigen Pokal-Runden der Fall war – gegen Jahn Regensburg (3:2), gegen den 1. FC Köln (3:2), gegen den von Marcus Manns Schwager Christian Eichner trainierten Karlsruher SC (5:3 im Elfmeterschießen) und gegen Fortuna Düsseldorf, als beim 7:6 im Elfmeterschießen FCS-Torwart Daniel Batz insgesamt fünf Elfmeter hielt. 5,4 Millionen Euro schwemmten diese Erfolge in die Kasse der Saarländer. Gelingt es auch Bayer eine lange Nase zu drehen, kämen durch diesen Megacoup noch weitere 3,5 Millionen Euro hinzu.

Geht Mann zurück nach Hoffenheim?

„Wir sind jetzt schuldenfrei“, freut sich Mann. Da lassen sich die Drittliga-Planungen, nach dem seit Ende Mai feststehenden Aufstieg, leichter vorantreiben. Der Sportdirektor steckt mittendrin – obwohl seine eigene Zukunft offen scheint. Zwar hat der ehemalige Kickers-Mittelfeldmann (2007 bis 2009), der damit genauso wie die FCS-Spieler Ramon Castellucci, Markus Mendler (beide Kickers) und Fabian Eisele (VfB) eine Stuttgarter Vergangenheit hat, noch weitere drei Jahre Vertrag in Saarbrücken, doch seinen Auftrag hat er bereits erfüllt. „Ich bin 2016 nach Saarbrücken geholt worden, um mit dem Verein aufzusteigen“, sagt er ohne sich weiter in die Karten blicken zu lassen. Auch die Spekulationen, er sei bei seinem ehemaligen Club TSG 1899 Hoffenheim (2014 bis 2016) als Direktor Nachwuchs im Gespräch, lässt der studierte Sportwissenschaftler und Sportfachwirt unkommentiert.

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Näher dran wäre er bei einem Wechsel ins Kraichgau an seinem Heimatort Rutesheim, wo er mit seiner Frau und den beiden Kindern (6 und 4 Jahre) wohnt. Doch zunächst zählt für ihn nur eines: Die nächste Sensation zu schaffen. Die dann gleichzusetzen wäre – mit...? Nach kurzem Zögern sagt der Sportdirektor: „Ausschmückende Vergleiche können andere besser als ich.“

Der Mann lässt lieber Taten sprechen.

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