Die Fans von Lokomotive Leipzig und Sportdirektor Wolfgang Wolf hoffen auf einen Aufstieg in Liga 3. Foto: imago/Karina Hessland

Der 1. FC Lokomotive Leipzig hat sich den Aufstieg in die 3. Liga zum Ziel gesetzt. Doch auf dem Weg zurück in den Profi-Fußball müssen noch einige Aufgaben bewältigt werden - sportlich und wirtschaftlich.

Leipzig - Wolfgang Wolf bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Wenn der Trainer und Sportdirektor von Regionalligist 1. FC Lokomotive Leipzig aber auf die Aufstiegsrelegation angesprochen wird, gerät er in Rage. „Das ist der Tod des Fußballs und ein Treppenwitz des DFB. Wer Meister wird, muss aufsteigen und sollte nicht noch eine Relegation spielen. Das ist unmöglich“, sagte der 62 Jahre alte Fußballlehrer, der zwischen 1988 und 1992 für die Stuttgarter Kickers auflief, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Der Aufstieg in die Dritte Liga ist das große Ziel von Lok. Doch für die Rückkehr in den deutschen Profi-Fußball müssen die Leipziger noch einige Hürden überspringen. In der nach dem Rückzug des FC Rot-Weiß Erfurt bereinigten Tabelle rangiert Lok als Dritter mit 37 Zählern derzeit zwei Punkte hinter dem FC Energie Cottbus, die VSG Altglienicke führt mit 41 Punkten die Liga an. „Diese drei Clubs werden den Kampf um die Meisterschaft unter sich ausmachen“, prophezeit Wolf vor dem Spiel in Cottbus am Samstag (16.00 Uhr/MDR). Der Nordost-Meister trifft in der Relegation später auf den Staffelsieger der Regionalliga West.

„Benötigen Großsponsoren“

Sportlich liegen die Leipziger demnach noch gut im Rennen. Die wirtschaftliche Situation bereitet den Verantwortlichen schon mehr Kopfzerbrechen. Der Grund dafür ist der bevorstehende Rückzug des langjährigen Hauptsponsors ETL am Saisonende. Um die Lücke zu schließen und die finanzielle Zukunft zu sichern, befinde sich der Verein mit potenziellen Investoren „in sehr guten Gesprächen“, wie Lok-Präsident Thomas Löwe auf der Mitgliederversammlung Ende Januar erklärte. „Aus diesem Grund haben wir uns gemeinsam mit den Investoren entschieden, einen Lizenzantrag für die dritte Liga einzureichen“, sagte Löwe.

„Seit der Mitgliederversammlung sind wir täglich einen Schritt vorangekommen“, meinte Sportchef Wolf, ohne Details zu nennen. Sollte es in dieser Saison mit dem Aufstieg nicht klappen, werde die Aufgabe in den kommenden Jahren allerdings nicht einfacher, betonte der Pfälzer. „Andere Klubs wie Altglienicke oder Viktoria Berlin haben inzwischen den finanziellen Background, um in der Regionalliga dauerhaft vorn mitzuspielen. Auch Carl Zeiss Jena wird im Abstiegsfall mit seinem starken Investor in der Hinterhand alles daran setzen, sofort wieder aufzusteigen. Deshalb benötigen wir ebenfalls Großsponsoren“, sagte Wolf, der um eine noch breitere Unterstützung wirbt: „Die Anforderungen für die Dritte Liga zu stemmen, ist nicht einfach. Da geht es in den Millionenbereich.“

Fans lassen Lok wieder auferstehen

Der bundesligaerfahrene Funktionär spürt, dass sich die Anhänger und das Umfeld des Clubs aus dem Leipziger Stadtteil Probstheida nach Jahren voller Tristesse wieder nach Profi-Fußball sehnen. Aus Lok Leipzig war nach der Wende wieder der VfB Leipzig geworden. In der Saison 1993/1994 spielte der Verein noch in der Bundesliga, es folgten vier Jahre in der zweiten Liga. Danach kam der „Absturz bis zum Kollaps“, wie Lok selbst in seiner Chronik schreibt. Die Zeit als VfB Leipzig war 2004 beendet, der damalige Oberligist war zahlungsunfähig. Einige Fans ließen daraufhin Lok wieder auferstehen.

„Ich wusste, dass Lok ein Traditionsverein ist, aber dass hier so viele verrückte Menschen für den Verein arbeiten, das hätte ich mir nicht träumen lassen“, sagte Wolf, der im Sommer 2019 zunächst die Funktion des Sportdirektors bei den Leipzigern übernahm. Seit Oktober sitzt er nach der Trennung von Teammanager Björn Joppe auch interimsmäßig auf der Trainerbank des Regionalligisten. Unabhängig davon, ob er mit der Mannschaft den Aufstieg schafft oder nicht: Wolf wird die Aufgabe des Cheftrainers am Saisonende wieder abgeben. „Ich habe einige Kandidaten im Kopf, werde aber keinen Trainer ins Blaue hinein verpflichten. Ich muss auch wissen, welche Perspektive und finanzielle Möglichkeiten der Verein in der Zukunft hat.“

Sportlich kann Lok mit einem Sieg am Samstag in Cottbus einen weiteren kleinen Schritt Richtung 3. Liga machen. Mehr als 1500 Fans werden die Leipziger begleiten. „Es soll ein Fußballfest werden. Für beide Teams ist die Partie sehr wichtig, aber eine Vorentscheidung im Meisterschaftskampf wird noch nicht fallen. Dafür sind noch zu viele Spiele zu absolvieren“, meinte Wolf. 

Lokomotive Leipzig in Pforzheim

Am 18. Juli gastiert der 1. FC Lokomotive Leipzig in Pforzheim. Dort weiht der Oberligist 1. CfR Pforzheim sein umgebautes Stadion „Brötzinger Tal“ ein. Doch warum spielt der Verein aus der Goldstadt an diesem Tag ausgerechnet gegen Leipzig? „Bis heute hat man beim 1. CfR Pforzheim 1896 die ‹Schmach von Nürnberg›aus dem Jahre 1906 nicht vergessen, als am 27. Mai im Finale um die Deutsche Fußballmeisterschaft der VfB Leipzig den 1. FC Pforzheim mit 2:1 bezwang. 114 Jahre nach diesem historischen Finale erfolgt nun in Pforzheim die ‹Revanche›“, heißt es auf der Homepage der Leipziger.

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