Knochenjob für 1,05 Euro Stundenlohn: Melanie Owusu putzt. Foto: Max Kovalenko

Stuttgarter OB Fritz Kuhn setzt auf gemeinnützige Arbeit als ersten Schritt zur Integration. Asylbewerber sollen Stundenlohn von 1,05 Euro erhalten.

Stuttgart - Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) will mehr Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge schaffen. „Es geht um Angebote“, sagte er unserer Zeitung. Den Menschen stehe es frei, die gemeinnützigen Jobs anzunehmen, für die es 1,05 Euro Stundenlohn gibt.

In den ersten neun Monaten dürfen Flüchtlinge keine reguläre Arbeit annehmen. Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) kann sich laut ihrem Sprecher vorstellen, diese Frist auf sechs Monate zu verkürzen. Insbesondere in den Flüchtlingsheimen sehe auch Öney Möglichkeiten für gemeinnützige Tätigkeiten. „Man könnte Flüchtlinge stärker an der Instandhaltung der Heime beteiligen, damit sie eine Aufgabe haben“, so Öneys Sprecher. Auch der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg begrüßt solche Jobs als „ersten Schritt“. Besser wäre aber eine vernünftige Bezahlung, hieß es. 75 Prozent der 1400 Flüchtlinge, die derzeit in Stuttgart leben, sind arbeitslos oder auf staatliche Hilfszahlungen angewiesen. Laut Gesetz dürfen sie in den ersten vier Jahren nur dann eine Arbeit annehmen, wenn es für diesen Job keine anderen möglichen Bewerber gibt. Diese Arbeitsverbote seien „Relikte“ aus den 1990er Jahren, kritisiert die Ausländerbehörde der Stadt. „Eine Erlaubnis zur Arbeit würde die Integration der Flüchtlinge in die Arbeitswelt und damit auch in die Gesellschaft erleichtern“, sagte Kuhn.

Im Juli war Schwäbisch Gmünd mit dem Versuch gescheitert, Asylbewerber am Bahnhof Koffer tragen zu lassen. Obwohl die Flüchtlinge dies wollten, machte die Bahn nach heftiger Kritik an der Aktion einen Rückzieher. Schon seit Jahren werden in der Stadt im Remstal Asylbewerber gemeinnützig beschäftigt. Im Rathaus sind derzeit laut einem Sprecher zehn „Praktikanten“ tätig, 30 weitere Flüchtlinge helfen in anderen, überwiegend sozialen Einrichtungen mit.

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