Verzweifelt: Shinji Okazaki. Foto: dpa

Nach zehn Spielen ohne Niederlage hat der VfB beim FC Bayern München mit 0:2 verloren.

München - Es war ein schmaler Grat, auf dem die Verantwortlichen des VfB wandelten. Es gab zwei Möglichkeiten nach dem erschreckend halbherzigen, leblosen Auftritt beim 0:2 gegen den FC Bayern München. Klartext reden, die Mängel schonungslos ansprechen. In der Wunde bohren. Oder aber, und das war Variante zwei, weichspülen. Die schwache Leistung nach zuvor zehn Spielen ohne Niederlage nacheinander als Betriebsunfall abtun.

Die Experten des VfB entschieden sich für die zweite Möglichkeit. „Wir dürfen jetzt nicht alles schlecht reden“, sagte Manager Fredi Bobic und presste die Lippen zusammen. „Das Glas ist immer noch halbvoll. Wir sind sicher Sechster und können noch Fünfter werden – das hätte hier vor ein paar Monaten doch niemand für möglich gehalten.“ Trainer Bruno Labbadia sprach lediglich von den vergebenen Torchancen und „dem einen Fehler zu viel, den wir gemacht haben“. Und überhaupt, die äußeren Bedingungen mit Temperaturen um die 30 Grad seien für die Spieler auch nicht so leicht wegzustecken gewesen. Der Trainer stellte sich vor seine Mannschaft.

Teilnahme an der Europa-Liga ist schon gesichert

Nun ist es ja durchaus verständlich, dass die Experten des VfB einen Spieltag vor Saisonschluss nicht mehr die große Keule schwingen und die Profis nach einer schwachen Leistung hart anpacken. Die Teilnahme an der Europa-Liga ist schon gesichert. Und die Rückrunde, sie ist eine Erfolgsgeschichte, daran ändert auch der Ausreißer nach unten beim FC Bayern nichts mehr. Und es wäre wohl töricht gewesen, wenn Fredi Bobic und Bruno Labbadia vor der entscheidenden Partie um Platz fünf gegen den VfL Wolfsburg am nächsten Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total) die Profis öffentlich an den Pranger gestellt und so deren Selbstvertrauen angegriffen hätten.

Intern aber dürfte Trainer Labbadia die Dinge klar angesprochen haben. Denn der lahme Auftritt beim Rekordmeister konnte ihm nicht gefallen haben. Er erinnerte irgendwie an längst vergessen geglaubte Zeiten. Wie das Kaninchen vor der Schlange trat der VfB in München auf. Nur die Schlange, und das macht die Sache noch schlimmer, war ja eigentlich schon satt gewesen. Sie hatte nach dem Einzug ins Finale der Champions League keinen Hunger mehr, war nicht aggressiv und wartete mal ab, was da so alles auf sie zukam. Und als eben nichts kam, schoss sie ein Tor, dann noch eins. Und am Ende machte sie sich zufrieden von dannen. Der ehemalige VfB-Stürmer Mario Gomez verpasste den Roten einen berechtigten Seitenhieb, als er sagte, dass „man auf dem Platz nicht gemerkt hat, wer ein schweres Spiel in Madrid in den Knochen hatte“.

Ein Ausreißer nach unten

Selten jedenfalls war die Chance so groß, den FC Bayern in der eigenen Arena zu schlagen. Doch wer nur abwartet, sich dem müden Tempo des Gegners anpasst und erst nach dem 0:1 kurzzeitig aus der Lethargie erwacht, hat eben nichts Zählbares verdient. Kein Zupacken, keine Leidenschaft – der VfB machte es müden Münchnern leicht.

Im Februar gab es schon einen blutleeren Auftritt im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den FC Bayern (0:2). Danach prangerte Bruno Labbadia die Mutlosigkeit seines Teams an. Danach wurde vieles besser, der VfB berappelte sich und startete eine Siegesserie. Was den Rückfall in alte Zeiten jetzt irgendwie nicht erklärbar macht. Es gab ja keinen Grund, nach dem tollen Lauf der Vorwochen auf einmal wieder so ängstlich aufzutreten. Beim deutschen Meister Borussia Dortmund begeisterte der VfB und trug zu einem packenden 4:4 bei. Am Selbstvertrauen kann es also gegen den FC Bayern nicht gelegen haben. Vielleicht ist der Respekt vor dem Rekordmeister aber immer noch zu groß. Vielleicht ist die Mannschaft auch einfach noch nicht so weit, zweimal in der Rückrunde gegen namhafte Gegner wie Dortmund oder dem FC Bayern am großen Rad zu drehen.

Vielleicht aber war es eben tatsächlich nur ein Betriebsunfall, ein Ausreißer nach unten. Eine Bauchlandung, nach der der VfB jetzt wieder aufstehen muss. Am Samstag kommt der VfL Wolfsburg. Es geht im Fernduell mit Bayer Leverkusen um Platz fünf, das Stadion ist schon fast ausverkauft. „Wir können die tolle Rückrunde krönen und wollen einen schönen Saisonabschluss feiern“, sagte Fredi Bobic. Wenn das gelingt, könnte das Spiel beim FC Bayern wohl tatsächlich schnell zu den Akten gelegt werden.

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