SSB prüft Stadtbahn-Verlängerung Über Fasanenhof oder Leinfelden zur Messe?

Von Annette Mohl 

Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SBB) prüft, ob eine Stadtbahn-Anbindung der Landesmesse wirtschaftlich wäre. Infrage kommt eine Verlängerung der U6 oder der U5.

Leinfelden-Echterdingen - Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SBB) prüft, ob eine Stadtbahn-Anbindung der Landesmesse wirtschaftlich wäre. Untersucht werden eine Verlängerung der U5 und der U6.

Noch sind Flughafen und Messe auf der Schiene nur mit der S-Bahn zu erreichen. Das soll sich ändern. Auf Einladung des Landkreises Esslingen beschäftigen sich seit einem Jahr Messe, Flughafen, die Städte Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen sowie die Gemeinde Neuhausen in einem Arbeitskreis damit, wie die U5 und die U6 weitergeführt werden könnten. Entscheidend ist der Kosten-Nutzen-Indikator (KNI). Dieser Faktor muss bei mindestens 1,0 liegen, soll die Wirtschaftlichkeit gewährleistet sein.

Bereits seit 2002 liegt diese Wirtschaftlichkeitsberechnung mit einem Wert von 1,12 für die U6 und den Gesamtabschnitt vom Möhringer Freibad über den Fasanenhof bis zur Messe vor. Im Jahr 2004 wurde weitergerechnet: Damals kam man auf den Wert 1,1 für eine Weiterführung der U6 über die Messe hinaus, zur S-Bahn-Station Filderstadt-Bernhausen, über Sielmingen-Nord bis nach Neuhausen. Erstmals wurde aber auch eine Verlängerung der U5 von Leinfelden nach Echterdingen untersucht. Weil es diese Bahn bis 1990 schon einmal gab und die Strecke bis heute freigehalten wurde, wäre die Weiterführung bis Echterdingen-Hinterhof günstig zu realisieren und käme damit auf einen KNI von 1,4.

Inzwischen haben sich manche Vorzeichen geändert. So forciert Leinfelden-Echterdingen die Weiterführung der U5 unterirdisch unter Echterdingen zum geplanten neuen Gewerbegebiet Echterdingen-Ost, zum Flughafen und zur Messe und hat eine entsprechende Trassenführung bereits in den Flächennutzungsplan aufgenommen. Parallel dazu hat sich aber auch das Gesamtergebnis für die U6 verbessert. Grund sei "ein aktualisiertes Verfahren", so Volker Christiani, Leiter der Systemplanung bei den SSB. Demnach kommt die U6 bis Neuhausen nun auf den Wert 1,7 und das selbst mit der längeren und damit teureren Variante entlang der B27. Die SSB hatten zunächst eine kürzere Führung favorisiert. Diese Möglichkeit scheidet aus, nachdem bekannt wurde, dass dafür Leitungen der EnBW verlegt werden müssten, was allein vier Millionen Euro kosten würde. Der Wert von 1,7 bedeutet, dass der Nutzen die Kosten um 70 Prozent übersteigt. Damit wird es für die U5 schwer, zu einem ähnlich guten Ergebnis zu kommen. Am 19. März wird es Klarheit geben: Dann werden die Berechnungen dem Arbeitskreis vorgelegt. Christiani mutmaßt, dass die Weiterführung der U6 wirtschaftlicher sei: "Dort ist der teure Abschnitt schon gebaut. Vom Fasanenhof aus geht es nur noch entlang der A8 und dann über die grüne Wiese." Anders bei der U5: Dort sei der Abschnitt bis Echterdingen-Hinterhof zwar günstig, die Weiterführung mit Tunnellösungen aber teuer. Außerdem mwürde die Fahrt vom Flughafen nach Stuttgart länger dauern.

Seit Ende Januar steht mit 1,11 nun auch der neue Indikator für den Abschnitt zwischen Messe und Neuhausen fest Sie wäre damit wirtschaftlich tragfähig. Dabei spiele es keine Rolle, ob letztlich die U5 oder die U6 weitergeführt wird. Filderstadt verhält sich bei diesem Thema bislang allerdings zurückhaltend. Würde die Stadtbahnlinie gebaut, müsste dafür die S-Bahn am Flughafen enden: "Durch den Tunnel kann man nur eine Bahn führen", erläutert Christiani. Das liegt daran, dass die S-Bahn mit Wechselstrom und die Stadtbahn mit Gleichstrom betrieben wird. Es gibt zwar Züge, die mit beiden Systemen funktionieren. Sie kosten aber das 1,6-fache. Filderstadt hat mit einer Einmalzahlung auch das Betriebskostendefizit für die S-Bahn bereits abgegolten. Mit einer Stadtbahn kämen auf die Stadt neue Kosten zu. Profitieren würde man nur von einem neuen Anschluss in Sielmingen.

Kostenträger der Stadtbahn-Verlängerung sind Bund, Land, die Region, der Landkreis, die Gemeinden, die Stadt Stuttgart und die SSB.

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