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"Prima Arbeitsplatz"

Prostituierte verteidigen Flatrate-Bordell

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Foto: Piechowski

Fellbach - Das Fellbacher Flatrate-Bordell wird seit Wochen aufs Schärfste kritisiert. Jetzt äußern sich erstmals Prostituierte, die dort arbeiten: Die jungen Rumäninnen verteidigen das Konzept und reden von einem "prima Arbeitsplatz". Das will auch die Club-Leitung glauben machen.

Es ist früher Abend, die ersten Freier kommen erst in einer Stunde. Die jungen Frauen vertreiben sich die Zeit mit Gesprächen, spielen am Handy, sortieren ihre Wäsche, rauchen, trinken Cola oder Red Bull. Wenn nicht alle nahezu nackt wären und bereits stark geschminkt, könnte man glatt vergessen, welchen Job sie haben.

"Wir haben es gut hier", sagt Anina. "Im Pussy-Club gibt es keinen Druck und keine Schläge , stattdessen haben wir Geld, Spaß und Freizeit." Anina ist 27 Jahre alt, kommt aus Rumänien, hat die letzten Jahre in Berlin gelebt und macht den Sex-Job seit drei Jahren. Die Frauen, die mit am Tisch sitzen, sind auch Rumäninnen. Die jüngsten sind 20, die ältesten 27. Die meisten Frauen im Club kommen aus Osteuropa. Anina spricht als eine von wenigen gut Deutsch, darum ergreift sie für alle anderen das Wort. Auch sonst scheint die kräftige Schwarzhaarige ihre Landsfrauen im Griff zu haben.

"Wir würden gerne mit Innenminister Heribert Rech und den anderen Politikern sprechen, die den Club kaputt machen wollen", sagt Anina. "Wir sind mit den Arbeitsbedingungen der Flatrate zufrieden. Wenn die Kritiker sagen, das Konzept wäre menschenverachtend, lügen sie."

Anina und Kolleginnen loben den Pussy-Club über den grünen Klee. Inwieweit das aus freien Stücken geschieht, lässt sich für den Reporter kaum verifizieren. Aber die Aussagen sind im Sinne der Geschäftsleitung. "Keine Frau muss bei uns Dinge tun, die sie nicht will", beteuert Alex S. Er stellt sich als "Medienberater" der Firma Pussy Club vor. S. vertritt an diesem Abend Patricia Floreiu, die offiziell die Geschäfte führt in vier Pussy Clubs in Berlin, Wuppertal, Heidelberg und Fellbach.

In der Werbung des Clubs heißt es nach wie vor: "Sex mit allen Frauen! So lange, so oft und wie Du willst!" Das sei womöglich etwas missverständlich, meint S. Im Club sei zwar alles möglich, aber eben nicht mit jeder Frau. Im Umkehrschluss bedeute dies, dass kein Freier eine Frau zum Sex zwingen könne. "Es gibt Kunden, die sich darüber schon beschwert haben", erzählt S. Das spreche doch nur für den Club.

Mit vertraglich garantierten 180 Euro pro Arbeitstag würden die meisten Frauen mehr verdienen als im üblichen Bordell-Konzept, verspricht S. "Bei uns gibt es keinerlei Leistungsdruck", behauptet er. Dass die Club-Leitung den Einsatzplan aufstellt und somit entscheidet, wer wie viel verdient, räumt er auf Nachfrage ein. Als "selbstständige Subunternehmerinnen" kann den Frauen auch jederzeit gekündigt werden. Über die sexuellen Leistungen der Frauen kann sich die Geschäftsleitung stets ein Bild machen, da fast alle Türen im Club "aus Sicherheitsgründen" entfernt wurden. Spielt Wohlverhalten eine Rolle? "Ich mache, was ich will mit meinem Leben", sagt Alina trotzig.

"Wir machen ein Sex-Angebot für Menschen, die sich nicht alles leisten können", sagt S. Das sei wie beim Lebensmittel- oder Elektronikdiscounter. Das abgenutzte Interieur des Etablissements beeinträchtige die Geschäfte nicht. "Bei unserer Kundschaft zählt der Preis", sagt S. Das sei bereits in Heidelberg so gewesen, wo Floreiu Mitte 2008 ihr erstes Flatrate-Bordell in Baden-Württemberg eröffnet habe. "Das sich jetzt in Fellbach Widerstand regt, wundert uns schon", meint der Medienberater. Weichen werde man dem Druck aber auf keinen Fall.
 



Michael Isenberg

16.07.2009 - aktualisiert: 16.07.2009 19:02 Uhr



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