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US-Chuzpe

Chuzpe ist, wenn einer seine Eltern erschlägt und um eine milde Strafe bittet, weil er ja Waise ist. Von Chuzpe zeugt auch die amerikanische Reaktion auf die weltweite Finanzkrise, die in den USA ihren Ursprung hatte.

Dort schlug man monatelang alle Forderungen aus der EU und vor allem Deutschland in den Wind, an den Finanzmärkten für mehr Transparenz zu sorgen. Dabei hätte dies dazu beitragen können, dass das Weltfinanzsystem nicht im Chaos ertrinkt. Aber Amerika wusste es ja besser, und deshalb blieb alles beim Alten. Nun, da Chaos droht, ruft Amerika lauthals nach dem Staat - nicht zuletzt nach dem deutschen. Wir sollten in die Tasche greifen, um all den Banken, die sich verzockt haben, wieder auf die Beine zu helfen. Als Geldgeber sind wir gefragt, als Ratgeber nicht.Plötzlich sind wir wieder gefragt.

 
 


Es ist gut, dass Bundeskanzlerin Merkel diesen US-Versuchen, EU-Staaten für amerikanisches Versagen haftbar zu machen, nicht auf den Leim gegangen ist. Auch ohne noch mehr Geld für Hilfsaktionen auszugeben, ist Europa schon genug von der Finanzkrise betroffen. Da ist es nicht nötig, noch mehr Steuergelder zu verpulvern, um den USA unpopuläre Sanierungsprogramme zu ersparen.
 

Klaus Köster

22.09.2008 - aktualisiert: 23.09.2008 13:57 Uhr

 

Lesermeinungen

25.09.2008 21:38
Autor: Bruno Authaler

"Das Spiel ist aus." - Das ist die klare Antwort auf die Frage eines US-Bankers in einer Nachrichtensendung:"Welches Spiel sollen wir jetzt spielen?"
Jahre lang haben sie ein gigantisches Spiel gespielt. War das Spiel der Casino-Kapitalisten ein Schurkensrück, eine Komödie oder eine Tragödie, deren Folgen Milliarden Menschen am eigenen Leibe spüren werden?
Die freien (Finanz-) Märkte wurden absolut dereguliert. Neoliberalismus ohne Grenzen! Doch das Denken eines Philosophen hat der absoluten Freiheit immer auch die absolute Verantwortung gegenübergestellt. An der Wallstreet hingegen gab es die "Umwertung der Werte der westlichen Welt": Absolute Freiheit beansprucht absolute Verantwortungslosigkeit; d.h. Milliarden-Gewinne gehören uns, Riesen-Milliarden-Verluste überlassen wir dem Staat, also den Steuerzahlern.
Diese Herrschaften, die vor nicht allzu langer Zeit ganze Regionen in Angst und Schrecken (lat.: terror) versetzt haben, weil sie Betriebe, die scharze Zahlen schrieben, 'plattgemacht' haben, offenbaren langsam ihre Geschäfts- methoden: Sog. 'Leerverkäufe' - Unwort des Jahres! - ermöglichen saftige Gewinne.
Finanzprodukte, die sie selbst gar nicht verstehen, werden weltweit(!) verkauft. Im richtigen Leben redet man das von Diebstahl und Betrug. In der Schein-Welt der Hochfinanz ist das 'alltägliches Geschäft'.
- In den USA, diesem großen demokratischen Land, stehen Wahlen vor der Tür. Hoffen wir, dass es Staat und Politik gelingt, diesem deregulieten, entfesselten und ziemlich zerstörten Fiinanzsystem wieder Regeln zu geben, die auch vor Gericht einklagbar sind.
- Und dem Banken- und Finazsystem ist zu wünschen, dass sie ihre Verantwortung für die globale Welt erkennen angesichts gewaltiger Krisen (Energie, Hunger, Terror...).
- Ethische Standards an Stelle destruktiver und Katastrophen fordernder Geschäfte !!!






 

24.09.2008 09:49
Autor: Zentmaier, Volker

Der Kommentator lobt die Bundeskanzlerin mit den Worten "es ist gut", dass sie diesen US-Versuchen, EU-Staaten für amerikanisches Versagen haftbar zu machen, nicht auf den Leim gegangen ist. Und ich meine dazu, es ist schlecht, dass sie mit unseren europäischen und amerikanischen Freunden diesen "gierigen amerikanisch/deutschen Heuschrecken" bisher noch keinen Einhalt bot? Wieviel Milliarden wurden unter ihrer Führung durch "staatliche Banken" schon verbrannt? Denk ich an deutsche Politiker in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht!


 

24.09.2008 00:18
Autor: Rainer Daeschler

Schon spricht man von der "Volksrepublik Wallstreet". Der Staat greift ein, wie man es in der Heimat des Freien Marktes nur als Schreckensgespenst des Sozialismus kannte. Es gibt keinen Grund, dass Deutschland sich hier beteiligt, hat es doch schon genug mit den eigenen Banken zu tun, die faulen US-Anlagen aufgesessen sind, auffällig stark vertreten unter solchen, wo die Politik das Sagen hat.


 

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