Flüchtlinge in Stuttgart Zahl der Flüchtlingshelfer gesunken

Von Mathias Bury 

Ein Augenblick gelebter Willkommenskultur, aufgenommen im  Oktober  2015. Inzwischen  haben sich die Verhältnisse in der Flüchtlingshilfe wieder   beruhigt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Ein Augenblick gelebter Willkommenskultur, aufgenommen im Oktober 2015. Inzwischen haben sich die Verhältnisse in der Flüchtlingshilfe wieder beruhigt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Lage in den Flüchtlingsunterkünften der Stadt Stuttgart hat sich weiter stabilisiert. Die Stadt kritisiert, dass der Bund das Geld für Integrationsjobs reduzieren will – hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Stuttgart - Die Zahl der Geflüchteten in den Unterkünften in Stuttgart geht leicht zurück. Etwas zurückgegangen ist auch die Zahl der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer. Die Arbeitsmarktprogramme laufen noch nicht rund.

Wie viele Flüchtlinge sind untergebracht?

Die Zahl der in städtischen Unterkünften lebenden Flüchtlinge nimmt ab, wenn auch nur geringfügig. Nach Angaben der Stadt sind dort Ende April 7797 Personen registriert gewesen. Anfang Januar waren es noch 7999 gewesen. Nach Geschlechtern waren es 39 Prozent Frauen und 61 Prozent Männer. Ein Drittel der Geflüchteten sind alleinstehend, zwei Drittel kommen als Familien.

Woher kommen die Menschen?
Die größte Gruppe von Flüchtlingen mit 31 Prozent stammt aus Syrien, gefolgt von Irakern (18 Prozent) und Afghanen (15 Prozent). Der Kreis der Geflüchteten vom Balkan hat abgenommen. So sind unter den Bewohnern in den Flüchtlingsheime zum Beispiel nur noch zwei Prozent Kosovaren.
Wie viele kommen, wie viele gehen?
Mehr Flüchtlinge verlassen die Unterkünfte als dort aufgenommen werden. „Im Saldo sind es seit Jahresbeginn pro Monat 50 bis 70 weniger geworden“, sagt Sozialamtsleiter Stefan Spatz. So wurden im Januar 101 Personen aufgenommen, 202 haben die Unterkünfte verlassen – ein Minus von 101 Personen. Im April lag der Saldo bei minus 49.
Wer auszieht, wohin geht der?
Am Beispiel des Monats März erläutert Stefan Spatz, wohin die Menschen aus den Unterkünften wechseln: So seien 88 Personen in eine Privatwohnung in Stuttgart umgezogen, zum Teil in Sozialwohnungen, aber auch in privaten Wohnraum, 19 fanden außerhalb Stuttgarts eine Bleibe. 15 verließen per Abschiebung die Stadt, 23 sind freiwillig zurück in die Heimat. Sieben fanden bei ihrer Familie Unterkunft. Der Verbleib von 24 Personen ist nicht bekannt.
Wie viele Unterkünfte gibt es?
Ende April hat die Stadt 123 Flüchtlingsunterkünfte unterhalten. Sie sind zu 80 Prozent belegt, sagt Sozialamtsleiter Spatz. Das umfangreiche Bauprogramm geht zu Ende. Einige bestehende Standorte sind durch zusätzliche Systembauten ergänzt worden. Zum Abschluss kommen noch drei neue Standorte hinzu: noch im Juni an der Burgholzstraße in Münster und am Ehrlichweg in Möhringen, Mitte September an der Schwieberdinger Straße in Zuffenhausen. Über die Arbeit der Stadt sagt Spatz: „Wir sind jetzt in einem qualitätsvollen Regelbetrieb.“
Was wird aus dem Bürgerhospital?
Mit 1400 Plätzen ist das ehemalige Bürgerhospital das weitaus größte Flüchtlingswohnheim der Stadt. Auch für diese letzte Interimsunterkunft gibt es einen Räumungsplan. Noch in diesem Jahr werden 650 Plätze im ehemaligen Bettenhaus abgebaut. Die Flüchtlinge werden unter anderem auf die neu entstehenden Standorte verteilt. 2018 werden weitere 500 Plätze abgebaut. Weil auf dem Areal, wo ein neues Wohngebiet geplant ist, einige Gebäude stehen bleiben, können die restlichen 250 Plätze bis ins Jahr 2025 erhalten werden.
Wie viele Ehrenamtliche sind tätig?
Die Zahl der in der Flüchtlingsarbeit engagierten Ehrenamtlichen hat abgenommen. Vor einiger Zeit sind es laut Stadtverwaltung 3000 bis 3500 gewesen, inzwischen noch 2000 bis 2500. Etwa 1000 Menschen, die derzeit nicht aktiv seien, „könnten aber sicher wieder aktiviert werden“, sagt Sozialplanerin Gabriele Reichhardt. Für den Rückgang gebe es verschiedene Gründe. Zum einen sei dies auf die Schließung von Unterkünften zurückzuführen, etwa von Interimsunterkünfte wie Turnhallen, das Engagement der Menschen sei „stark an das Quartier gebunden“. Und die Aufgaben der Ehrenamtlichen hätten sich verändert. Im Vordergrund stehen nun die Suche nach Arbeit und Wohnraum für die Flüchtlinge, so Reichhardt. Dies sei „sehr viel zeitintensiver“ als die anfänglichen Willkommensaufgaben. Viele Helfer seien auch schon zwei Jahre aktiv und erschöpft. Gemessen daran sei deren Zahl „noch immer sehr hoch“.
Wie viele Sprachkurs gibt es?
Das Kursangebot für Flüchtlinge ist umfangreich. So laufen in Stuttgart insgesamt 388 Integrationskurse des Bundes mit etwa 7500 Teilnehmern, sagt Sozialamtsleiter Stefan Spatz. Unter diesen seien etwa 4500 Flüchtlinge, die anderen seien EU-Bürger oder schon länger hier lebende Migranten. Die Stadt selbst bietet mit Landesmitteln ebenfalls Sprachkurse für Geflüchtete, seit Jahresbeginn waren dies 37 Module für etwa 450 Flüchtlinge. Dazu kommt die berufsbezogene Sprachförderung der Arbeitsagentur mit rund 300 Teilnehmern im ersten Quartal, etwa 80 Prozent von diesen waren Geflüchtete, so Spatz. Bis Mai besuchten 130 Flüchtlinge mit EU-Mitteln geförderte Kurse.
Wie läuft die Integration in Arbeit?
Weniger erfreulich ist die Entwicklung bei den Arbeitsmarktprogrammen für Flüchtlinge. Gut laufen diese bei den sogenannten internen Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen FIM, die der Bund finanziert. Dies sind Jobs, die Geflüchtete in den Unterkünften annehmen, etwa Reinigungsarbeiten. Hier seien die 189 von der Stadt angestrebten Jobs nahezu besetzt. Dies gilt nicht für externe FIM, das sind Integrationsjobs bei der Stadt selbst oder bei Sozialunternehmen, dazu gehören etwa Reinigungsjobs in Grünanlagen oder im Wald, Arbeiten in Sozialkaufhäusern, Radstationen oder in Altenheimen und Kliniken. Hier sind von 381 genehmigten Plätzen etwa 60 besetzt, aber mit deutlich steigender Tendenz, versichert Stefan Spatz. Eigentlich will die Stadt sogar 563 solcher Jobs anbieten, was einem Fördervolumen von zweieinhalb Millionen Euro im Jahr entspricht. Allerdings hat Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) angekündigt, das bundesweite Budget dafür von 300 auf 60 Millionen Euro zu reduzieren. Darüber ist Sozialbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) verärgert. In einem Brief an Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) erklärt Wölfle, FIM-Plätze seien „sinnvoll und notwendig“. Der Minister solle darauf hinwirken, dass die dafür vorgesehenen Gelder weiterhin „bedarfsgerecht“ entsprechend den geschaffenen Plätzen verteilt werden.

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