Schon lange hat man in Pleidelsheim über ein Heimatmuseum nachgedacht, das den traditionellen Tabakanbau und den jetzt noch praktizierten Spargelanbau dokumentiert. Nun hat der 65-jährige Gerd Warttinger die Angelegenheit selbst in die Hand genommen und in einer Scheune des ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens in der Bachgartenstraße ein rund 80 Quadratmeter großes Museum eingerichtet. "Es ist mein Ansinnen, dass das Andenken an meinen Vater Wilhelm Warttinger erhalten bleibt", sagt Warttinger. Sein Vater habe 1930 als 17-Jähriger als erster mit dem Spargelanbau begonnen und sei auch der erste gewesen, der die Kamintrocknung für den Tabak in Pleidelsheim eingeführt habe. "Er war ein Vordenker. Wenn"s irgendwo bergab ging, dann hat er gesagt, ich mach" genau das Gegenteil - und es hat immer funktioniert."
Spargel und Tabak - auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Kombination. Aber: "Beide Pflanzen brauchen mildes Klima und warme, lockere Böden", erklärt Gerd Warttinger. Der sandige Lehm und das feucht-warme Klima am Neckar seien ideal. "Der Tabakanbau hat den Landwirten lange Zeit einen guten Ertrag gebracht", erzählt Warttinger, "bis 1960 der Blauschimmel alles zunichtegemacht hat". Da war es gut, dass viele Tabakbauern auf den Spargel als zweites Standbein gesetzt hatten. Das königliche Gemüse war früher fast unerschwinglich und musste in aufwendiger Handarbeit gepflanzt und gestochen werden. "Heute geht das mit Folien und Maschinen ja fast überall."
In Pleidelsheim bauen nur noch drei Betriebe das Gemüse an. Vieles scheint in Vergessenheit zu geraten. Das will Gerd Warttinger mit seinem Heimatmuseum verhindern. 430 Exponate hat er zusammengesammelt, teils aus der eigenen Landwirtschaft, teils sind die ausgestellten Gerätschaften Spenden und Leihgaben. "Die Leute sind froh, wenn sie wissen, dass es gut untergebracht ist zum Erhalt der heimatlichen Geschichte."
Das Museum ist liebevoll eingerichtet. Der Werdegang des Tabaks vom Samen, dem Anpflanzen - es gibt auch Tabakpflanzen zu sehen - über das Dörren und Bündeln wird anschaulich erklärt. Gerd Warttinger weiß dazu viele Geschichten zu erzählen. "Der Tabak musste immer ein bissle feucht bleiben, sonst ist das Blatt gebrochen." Im Winter, bei Nebel, wurde der Tabak gerollt und geschnitten. Das "Königsblatt", das in der Mitte der Tabakspflanze wächst, wurde extra aufgehoben. Darin wurde die Zigarre eingehüllt. "Für eine gute Pleidelsheimer Zigarre musste man damals eine Mark oder mehr ausgeben."
Namen wie "Schwarze Weisheit" erinnern an die Zeit, als es in Pleidelsheim an der Wiegehalle noch Tabakauktionen gab. Was im Museum erhalten ist, lässt sich aber wohl nicht mehr rauchen. "Zu trocken", meint Warttinger, der im Übrigen überzeugter Nichtraucher ist.
Den Spargelanbau kennt der Nebenerwerbslandwirt noch aus eigener Praxis. "Unsere Böden und die alten Pflanzen machen den speziellen Geschmack des Pleidelsheimer Spargels aus." Erdlanzen und Spargelmesser zum Stechen, Fotos und ein Pflug animieren Warttinger im Museum zum Geschichten erzählen. "Zur Zeit ist gar kein Spargelwetter", jammert der frisch gebackene Museumsbetreiber. Zur Eröffnung, hofft er, wird es wärmer sein.
Eröffnung Das Museum für Spargel, Tabak und Heimatgeschichte in der Bachgartenstraße 61 wird am Sonntag, 16. Mai, um 14.30 Uhr mit Bewirtung durch den Musikzug der Pleidelsheimer Feuerwehr eröffnet. Es wird von da an nur auf Voranmeldung geöffnet. Gerd Warttinger bietet kostenlose Führungen für Gruppen und Schulklassen an. Terminvereinbarung unter Telefon 0 71 44 / 2 27 96.