Zum Beitrag "D' Sonn scheint schau..."von Leser Gerhard Bäuerle aus Schorndorf vom 17. November haben wir etliche Zuschriften erhalten. Leser Werner Blocher schreibt: "Ich bin geboren und aufgewachsen in Bissingen an der Teck. Bei uns sagte man ,d' Sonn scheint schau iber ons ens Bett' - allerdings nicht als Beispiel für Schwäbisch-Chinesisch. Wir benutzten diesen Satz ähnlich einem Zungenbrecher, indem wir andere Kinder aufforderten, ihn mehrmals schnell zu wiederholen. Meist gab es dann großes Gelächter, denn aus dem Satzteil ,iber ons ens Bett' wurde dabei ,I bronz ens Bett', was ja auch eine bestimmte Bedeutung hat . . ."
Auf diesen Hintersinn weist uns auch Leserin Susanne Knopp aus Stuttgart hin: "Von einer schwäbischen Freundin weiß ich, dass man diesen Spruch auch als Zungenbrecher unter Kindern liebte. Wenn man den Spruch ganz schnell hintereinander spricht wird aus dem ,iber ons ins Bett' allmählich ,i brons ins Bett'. Das fanden - und finden - Kinder natürlich besonders witzig. Hier noch ein anderer Zungenbrecher: ,I hab a schwarze Perlakett' - daraus wird beim Schnellsprechen: ,I hab an schwarze Kerl em Bett' - auch wieder ein Lacher bei den Kindern. Dass aus Rhabarber beim Schnellsprechen Barbarabarbara wird ist dagegen harmlos." Frau Knopp fügt hinzu: "Wenn die Sonne durch die Wolken oder den Nebel dringt, sagt eine Wanderfreundin immer: ,SPD - d' Sonn bricht durch!' Die Schwaben sprechen ja oft das harte P als B."
Leser Jürgen Bossert aus Rudersberg wird weniger direkt: "Wenn man den Satz ,iber ons ens Bett' etwas schneller spricht, dann verwandelt sich das ,iber ons' in eine Tätigkeit, die man tunlichst unterlassen sollte. Als Kind wurde man von Erwachsenen manchmal aufgefordert, diesen Satz schnell zu sprechen und wenn man das tat, reagierten sie dann mit gespielter Entrüstung: ,Jetzet aber! So ebbes sait mr it und duat's au net!' Natürlich ist man nur einmal darauf hereingefallen, aber ebenso natürlich hat man versucht, andere damit hereinzulegen."
Herr Bossert hat auch einen Vorschlag für den schwäbischen Spruch des Tages: "Mein Onkel Julius, für mich das Urbild des knitzen Schwaben, stand unter dem Regiment der Tante Julie. Als ich einmal bei den beiden zu Besuch war, hielt sie ihm eine Standpauke, weil er irgendetwas nicht zu ihrer Zufriedenheit erledigt hatte und rauschte aus der Küche. Als sie draußen war, schaute mein Onkel mich resigniert lächelnd an und sagte: ,Siehsch Bua, do hoscht etzt ebbes lerna könna! Wenn de gscholta werda willscht, muascht heirota. Wenn de globt werda willscht, muascht sterba!"'
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