Zum runden Geburtstag nicht nur eine Biographie

Von "Nord-Rundschau" 

Feuerbach. Werner Haas scheint präsenter denn je, obwohl der Pianist vor 34 Jahren bei einem Autounfall gestorben ist. Von Gabriele Müller

Feuerbach. Werner Haas scheint präsenter denn je, obwohl der Pianist vor 34 Jahren bei einem Autounfall gestorben ist. Von Gabriele Müller

Im nächsten Jahr jährt sich der Geburtstag des in Feuerbach aufgewachsenen Pianisten Werner Haas zum 80ten Mal. Schon in diesem Jahr wird das "Junge Klavierpodium" nach ihm benannt, das regelmäßig junge Talente vorstellen möchte. Am 17. Juni ist das Gründungskonzert im Weißen Saal des neuen Schlosses.

Das Elternhaus des international berühmten Musikers steht an der Klagenfurter Straße 57. Und wer dort die Erdgeschosswohnung betritt, taucht ein in das Leben dieses außergewöhnlichen Menschen. Schon allein wegen seines großen Steinway-Flügels, der dort noch immer steht, wegen der Fotografien seiner Eltern und den Möbeln, mit denen er die Räume selbst ausgestattet hat. Auch eine große Tonbüste steht dort, welche die Stuttgarter Künstlerin Sonja Diemer-Grünastel von ihm angefertigt hat. Isolde Haas-Sautter, seine um zwei Jahre ältere, Schwester, die für ihn sein ganzes Leben lang eine wichtige Bezugsperson war, und sein Schwager Johannes B. Sautter bewohnen den ersten Stock des Hauses. Sie führen immer wieder Gäste in die Räumlichkeiten und veranstalten dort auch Lesungen. Die Wohnung wurde seit dem Unfalltod von Werner Haas 1976 so bewahrt, wie er sie gestaltet hat.

Da ist der Mauerdurchbruch zwischen dem Musikzimmer und dem Raum zur Straße hin, in dem die großen Bücherschränke stehen. Den Umbau der Erdgeschosswohnung hat er eigenhändig gemacht - inklusive Durchbruch, dem Beseitigen des Schutts und dem Verlegen der elektrischen Kabel. "Der war handwerklich so wahnsinnig gewandt", erzählt Isolde Haas-Sautter, deren große Zuneigung zu ihrem verstorbenen Bruder nach wie vor groß und sehr gegenwärtig ist. Aber er liebte ebenso das Geistige: In einem der beiden Bücherschränke stehen Kunstbände und Langspielplatten dicht an dicht, im anderen reihen sich viele Bände von Rudolf Steiner aneinander. Die Anthroposophie hatte einen hohen Stellenwert in seinem Leben, bei Johannes B. Sautter und seiner Frau ist das noch immer so. "1963 kamen Werner und ich zur Eurythmie", erzählt Sautter, der von Beruf eigentlich Kaufmann war, sich aber mit Begeisterung von seinem Schwager in die Welt der Musik einführen ließ. Für ihn ist es mehr als nur eine Herzensangelegenheit, das Andenken an den Mann seiner Frau und dessen Musik lebendig zu halten.

2011 wäre Werner Haas am 3. März 80 Jahre alt geworden. Gerade rechtzeitig zu diesem besonderen Datum wird die Biographie über Werner Haas fertig sein, die Johannes B. Sautter gerade schreibt. Vor zwei Jahren hat er damit begonnen. "Die ersten 18 Jahre seines Lebens habe ich ihn nicht gekannt", sagt er und lacht. Aber da hilft ihm Isolde Haas-Sautter weiter. Und so werden Leser der Biografie auch erfahren, wie sehr Werner Haas an seiner Schwester hing: dass er sich weigerte, auch nur einen Tag länger in der Kindergarten zu gehen, als seine Schwester in die Schule kam. Er drückte bis zu seiner eigenen Einschulung ein Jahr lang gemeinsam mit Isolde die Schulbank.

Die Liebe zur Musik haben beide Geschwister von ihren Eltern mitbekommen. Oft saßen sie gemeinsam unterm Flügel, wenn Mutter Martha, eine gefragte Sopranistin, übte und dabei von ihrem Mann Meinrad am Klavier begleitet wurde. Der war zwar eigentlich Architekt, zugleich aber Chorleiter und ein "toller Klavierspieler", wie Sautter berichtet. Kritiker waren später immer wieder vor allem vom singenden Ton des Klavierspiels von Werner Haas angetan. Isolde studierte als junge Frau Gesang. Die enge Verbundenheit zwischen Bruder und Schwester blieb immer bestehen und erweiterte sich auf den Mann und das Kind Isoldes. "Ihr seid meine Familie", hat Werner Haas immer gesagt. Das galt auch für Michael, seinen Neffen. Nie ging dieser nach der Schule in den ersten Stock zu seinen Eltern, ohne vorher kurz bei seinem Onkel vorbeizuschauen.

Es gibt in Feuerbach einen Werner-Haas-Straße und einen Werner-Haas-Saal. "Trotzdem wissen viele Menschen in Feuerbach nicht, wer Werner Haas ist", bedauert das Ehepaar. Sie wünschen sich, dass das Andenken an den Menschen und die Musik des 1931 geborenen und seinerzeit vor allem in Frankreich ungeheuer erfolgreichen Pianisten lebendig bleibt. Dass er den Menschen auch heute noch eine ganze Menge zu geben hat, wird immer wieder deutlich. Erst 2007 erinnerten die Stuttgarter Nachrichten an eine Mozart-Einspielung aus dem Jahre 1973. Der Kritiker lobte begeistert Transparenz, Farbe, Form, Geist und Idee des Haas"schen Spiels. 2002 schrieb die Neue Zürcher Zeitung mit großem Respekt über seine Musik. Und die japanische Pianistin Hideyo Harada, die Haas nur noch über CD-Aufnahmen kennenlernen konnte, empfindet ihn als "posthumen Mentor". Sie möchte gerne ihm zu Ehren in seinem Jubiläumsjahr ein Konzert im Mozartsaal in Stuttgart geben, wie Sautter erzählt. Und am 17. Juni ist das Gründungskonzert des "Jungen Klavier Podium Werner Haas".

Redaktion Zuffenhausen

Ansprechpartner
Bernd Zeyer
zuffenhausen@stz.zgs.de

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