Zukunftswerkstatt des VfB Stuttgart Ein Hauch von Kirchentag

Von Gregor Preiss 

750 Mitglieder redeten sich an 100 Tischen in der Schleyerhalle die Köpfe heiß über den VfB. Bei der Zukunftswerkstatt nimmt die Vereinsführung einen Stimmungswandel wahr – pro Ausgliederung.

Stuttgart - Die Zukunft des VfB beginnt mit einer Heimniederlage gegen den Tabellenletzten. Es gibt denkbar bessere Voraussetzungen, aber das 1:2 gegen Hannover 96 ist an diesem Sonntag zum Glück schon nicht mehr das große Thema. Die Mannschaft von Jürgen Kramny und mit ihr die Vereinsführung zehren nach den vergangenen erfolgreichen Wochen noch immer von einem ordentlichen Kredit. Entsprechend rosarot schimmert in diesem Moment die Zukunft des Vereins.

Das spürt auch Rainer Mutschler. Er ist beim VfB der Verantwortliche für das Projekt Vereinsentwicklung, die im Kern die Umwandlung der Profiabteilung in eine Aktiengesellschaft (AG) vorsieht. „Die Stimmung dreht sich“, hat Mutschler am Sonntag bei der Zukunftswerkstatt in der Schleyerhalle beobachtet. In eine aus Vereinssicht positive Richtung, wohlgemerkt. Dass der sportliche Erfolg dabei eine nicht unerhebliche Rolle spielt, sei „doch völlig normal“.

750 Mitglieder werkeln an der Zukunft

Aber es sind nicht nur die guten Ergebnisse auf dem Platz, welche die Clubbosse auf einmal einen erfolgreichen Ausgang der Mitgliederversammlung am 17. Juli erhoffen lassen. Auch die in ihrer Form einmalige Mitgliederbeteiligung trägt erste Früchte. Nach elf Regionalkonferenzen, auf denen das Für und Wider einer Ausgliederung (neben anderen Aspekten der Vereinskultur) bereits rauf und runter diskutiert wurde, geht es am Sonntag im Kreise der weiß-roten Familie fast zu wie auf dem Kirchentag. In Eintracht und Harmonie werkeln die 750 Mitglieder an der Zukunft ihres Herzensvereins, freilich nicht, ohne in entscheidenden Fragen verschiedener Meinung zu sein. Etwa darin, ob es wirklich einen Investor Daimler braucht, der zwischen 50 und 80 Millionen Euro für die Ertüchtigung von Mannschaft und Verein auf den Tisch blättert. Oder ob es den Traditionsverein VfB wirklich nur in der Rechtsform e. V. geben kann.

Die Skeptiker sind in der Minderheit an diesem Nachmittag, wozu auch Wilfried Porth seinen Beitrag leistet. Der Daimler-Personalvorstand und VfB-Aufsichtsrat versichert dem weiß-roten Anhang: „Wir verfolgen keine wirtschaftlichen Interessen. Wir wollen keine Rendite und werden aus dem VfB auch keine Werkelf machen.“ Dem Autobauer gehe es einzig um ein Bekenntnis zur Region. Denn: „Ein erfolgreicher Fußballverein ist auch ein Standortvorteil.“

Ob er und Präsident Bernd Wahler („Wir wollen mit der Kraft der eigenen Jugend irgendwann wieder international spielen“) alle Zweifler überzeugen können, steht aber auf einem anderen Blatt. Die Ultras verfügen über große Widerstandskräfte, daran werden harmonische Tischgespräche nicht viel ändern können. Deshalb setzt Mutschler alles daran, so viele Mitglieder wie möglich zur großen Abstimmung am 17. Juli zu bewegen. Eine Dreiviertelmehrheit ist Voraussetzung für eine Satzungsänderung, dafür zählt jede Stimme. Und natürlich jeder weitere Sieg von Jürgen Kramnys Mannschaft.

 

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