Zuhörer bis in die Haarspitzen elektrisiert

Von "Fellbach und Rems-Murr-Kreis" 

Fellbach. Stimmiges Gesamtkonzept auf hohem Niveau beim Konzert des Vocalensembles in der Melanchthonkirche. Von Frank Ebert

Fellbach. Stimmiges Gesamtkonzept auf hohem Niveau beim Konzert des Vocalensembles in der Melanchthonkirche. Von Frank Ebert

Das Wesen eines Konzentrats bestimmt dessen Reinheit ohne zusätzliche Füllstoffe. Insoweit erlebten die Zuhörer am Sonntagabend in der Melanchthonkirche ein in zweifacher Hinsicht konzentriertes Konzert.

Zum einen offerierte das Fellbacher Vocalensemble fast schon traditionell ein über weite Strecken rein a cappella gehaltenes Programm und konzentrierte so ohne zusätzliche "Füllstoffe" die Vielgestaltigkeit der Chormusik im Kirchenraum. Zum anderen boten die Choristen unter ihrem Dirigenten Gerhard Möller über 60 Minuten ein derart konzentriertes Konzerterlebnis, das die Spannung fast greifbar wurde.

Immer wieder trug das Publikum diese elektrisierend anmutende Atmosphäre mit, wagte kaum zu atmen, hielt die Stille aus und holte oft erst einige Augenblicke, nachdem der letzte Ton verklungen war, wieder tief Luft. Mit dem inhaltlichen Dreiklang "Trauer, Hoffnung, Freude" und dessen musikalischer Ausgestaltung in Chor- werken des 19. und 20. Jahrhunderts er- reichten die Sänger das Beste, was Musiker in einem Konzert erreichen können, nämlich ihre Zuhörer mit Haut und Haaren.

Freilich könnten einige Musikästheten die klanglich ein wenig zurückstehende Tenorstimme des Chores oder die etwas pathetische Interpretation von Mendelssohns "Herr Gott, du bist unsere Zuflucht", bei der man sich auch einen etwas schlichteren Grundduktus hätte denken können, ins Feld führen. Gerecht würden diese Einwände der musikalischen Leistung des Vocalensembles als Ganzes aber nicht.

Vielmehr bewiesen die Choristen Sensibilität für ihr Programm, ein herausragendes Gespür, um den gemeinsamen Chorklang in sämtlichen dynamischen Facetten auszutarieren, und eine bewundernswerte Offenheit gegenüber höchst anspruchsvoller, teilweise auch sperrig anmutender Vokalmusik. Diese Offenheit zeigte sich auch in der Kooperation mit Kasia Kadlubowska am Marimbafon, die neben zwei Solo-Beiträgen "Come, let us sing" von Robert Kreutz mit dem Chor zu Gehör brachte.

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