Zugunglück in Bad Aibling Fahrt in den Tod: Zwei Züge rasen frontal ineinander

Von dpa/war 

Frontalaufprall: Die Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke liegt laut Bundesverkehrsminister bei 100  Kilometern pro Stunde Foto: AP
Frontalaufprall: Die Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke liegt laut Bundesverkehrsminister bei 100 Kilometern pro StundeFoto: AP

Verformte Waggons und ein schwer zugänglicher Unfallort erschweren die Bergungsarbeiten. Die Ursachen sind noch unklar. Das Sicherungssystem auf der Strecke war erst vor rund einer Woche überprüft worden.

Bad Aibling - (dpa/swa). Dienstag früh, gegen 6.45 Uhr. In voller Fahrt rasen zwei Regionalzüge im oberbayerischen Bad ­Aibling direkt aufeinander zu – auf einer eingleisigen Strecke. Die Züge knallen ­frontal zusammen. Ein Triebwagen wird aus dem Gleis geworfen, der entgegenkommende bohrt sich in einen Waggon des anderen Zuges, schlitzt ihn auf. Ein Zugteil hat sich zur Seite geneigt, Blechteile ragen in die ­Höhe. Neun Insassen können nur noch tot geborgen werden. Ein Unfallopfer stirbt am Nachmittag im Krankenhaus. Eine weitere Person wird am Dienstagabend noch vermisst. Die Polizei hat wenig Hoffnung, sie lebend zu bergen. Es ist eines der schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre.

Als die ersten Helfer an der Unglücksstelle eintreffen, wartet eine Herkulesaufgabe auf sie. Rund 80 Insassen sind verletzt, fast 20 von ihnen schwer. Die Unfallstelle nahe einem Klärwerk ist nur schwer zugänglich: auf der einen Seite ist ein Berghang, auf der anderen liegt der Mangfallkanal. Die Rettungsfahrzeuge kommen nur auf einem schmalen Weg zum Unfallort. Deshalb fliegen Hubschrauber die Verletzten aus. Am schwierigsten ist die Bergung der Schwerverletzten aus den vorderen Zugteilen, da ­einige Waggons stark verformt sind.

Für Fragen zur Unglücksursache ist es am Dienstag noch zu früh – zumindest für die Politiker und Bahn-Verantwortlichen. Sowohl Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) als auch Klaus-Dieter Josel von der Deutschen Bahn versichern, dass auf der Strecke das seit 2011 bundesweit installierte sogenannte punktförmige Zugbeeinflussungssystem PZB 90 angebracht sei. Es soll verhindern, dass zwei Züge zusammenstoßen. Bei dem System empfängt ein Gerät im Zug Signale von Magneten im Gleisbett – diese sind mit einem ersten Vorsignal und dem 1000 Meter weiter stehenden Hauptsignal verkabelt. Steht das Hauptsignal auf Rot, zeigt dies auch bereits das Vorsignal an. Der Lokführer muss mit einer Taste bestätigen, dass er dies bemerkt hat, sonst bremst ihn die Technik ab. Rollt der Zug über das rote Hauptsignal, wird ebenfalls eine Zwangsbremsung ausgelöst.

Warum das System an diesem Morgen in Bad Aibling offenbar nicht funktioniert hat, soll die Auswertung der drei Blackboxen in den Zügen zeigen. Klaus-Dieter Josel von der Deutschen Bahn ergänzt, dass erst vergangene Woche alle signaltechnischen Anlagen auf der Strecke überprüft worden seien. Es habe keine Beanstandungen gegeben.

Die Meridian-Züge, die aufeinander­geprallt sind, werden von der Bayerischen Oberlandbahn GmbH (BOB) betrieben. Die BOB wiederum ist eine Tochter des französischen Mobilitätskonzerns Transdev. Die Strecke Holzkirchen–Rosenheim allerdings gehört zur Deutschen Bahn, die auch das Stellwerk in Bad Aibling betreibt.

Insgesamt gilt Bahnfahren als relativ sicher. Im Vergleich zum Pkw enden Reisen mit Bus und Bahn, aber auch mit dem ­Flugzeug wesentlich seltener tödlich. Rund 12 600 Pkw-Passagiere starben nach Daten des Statistischen Bundesamts zwischen 2005 und 2009 bei Unfällen in Deutschland – im Gegensatz zu 55 Buspassagieren, 16 Bahnreisenden und einem Flugreisenden im gewerblich betriebenen Flugverkehr.

Den Unfallopfern von Bad Aibling nützt die Statistik nichts mehr. Verkehrsminister Dobrindt spricht von einem der bundesweit schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre. Die CSU sagt „aus Respekt vor den Opfern“ ihren traditionellen Politischen Aschermittwoch ab. Polizeipräsident Robert Kopp sendet zumindest ein tröstliches Signal aus: In Bayern ist in dieser Woche schulfrei. „Insofern war es ein Glücksfall, dass Faschingsferien sind“, sagt Kopp, „sonst wären wesentlich mehr Fahrgäste in den Zügen gesessen.“

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