Ein Land zwischen Reisfeldern und Glitzermetropolen: China, das letzte kommunistische Großreich, China, die neue Wirtschaftsweltmacht. An dem 1,3-Milliarden-Volk kommt die Welt schon lange nicht mehr vorbei, aber nur wenige kommen direkt mit China in Berührung. Im Kreis Ludwigsburg hat man die wachsende Bedeutung der Asiaten erkannt. Der Landkreis pflegt eine Partnerschaft mit Yichang und auch das Markgröninger Helene-Lange-Gymnasium hat inzwischen eine Partnerschule: die Middle School Attached to Nanchang University. Zum insgesamt vierten Austausch flogen 13 Schülerinnen im April nach Peking, um in die Provinz Jiangxi weiterzureisen.
Mit dabei war die 17-jährige Hemmingerin Franziska Fahrbach. Gut eine Woche wohnte sie bei ihrer Gastschülerin Vera und deren Familie. Das chinesische Mädchen trägt tatsächlich diesen Namen, versichert Fahrbach. "Ein europäischer Zweitname ist bei den Chinesen inzwischen üblich." In der jüngeren Generation gebe es das fast durchgehend, weil sich die Europäer mit den chinesischen Namen schwer tun.
Doch die Erkenntnis ist natürlich nicht die einzige, die Fahrbach aus China mitbrachte. Die Neugier hatte sie dazu getrieben, an dem Austausch teilzunehmen. "Ich war noch nie in einem asiatischen Land und es hat mich interessiert", sagt sie. Im Rückflug-Gepäck hatte sie nicht nur eine vier Kilogramm schwere Vase und einen Berg weiterer Geschenke, sondern auch einmalige Eindrücke. "Ich habe nicht gedacht, dass es so anders ist", erzählt die Schülerin. "Als wir in Peking ankamen, konnten wir direkt in die Sonne schauen, weil der Smog sie so sehr verdunkelte." Der erste Zusammenprall mit der fremden Kultur war heftig: "Nach vier Minuten hatten wir mit unserem Bus den ersten Auffahrunfall", so Fahrbach. "Aber das ist dort fast normal." Ihre Zuneigung zur Hauptstadt zeigt sie dennoch mit einem T-Shirt, das mit einem roten Herz und Schriftzeichen verkündet: "Ich liebe Peking."
Die meiste Zeit der 14-tägigen Reise verbrachte die Gruppe in Nanchang. Fahrbachs Gastschülerin Vera lebt mit ihrem Cousin bei Onkel und Tante, weil die Eltern außerhalb der Stadt wohnen und der Schulweg zu lang wäre. Nichts Ungewöhnliches im Reich der Mitte, versichert die 17-Jährige auf dem heimischen Sofa in Hemmingen. Fremd war in Nanchang vor allem das Essen. "Gewöhnungsbedürftig" sei es am Anfang gewesen, "mit einem chinesischen Restaurant hier ist es nicht zu vergleichen", sagt die Gymnasiastin. "Es gibt ganz andere Gerichte und nur selten Reis." In Deutschland höre man viel über Missstände in China, in ihrer Gastfamilie sei das aber kein Thema gewesen. "Die Chinesen fassen ihre Regierung sehr positiv auf, wirklich diskutiert haben wir nicht darüber", erzählt die Elftklässlerin. Dafür erlebte sie chinesischen Schulalltag mit morgendlichem Fahnenappell und Frühsport.
Das ländliche China lernte Fahrbach kaum kennen. "Nur bei einem Ausflug haben wir so ganz klischeehaft Reisfelder und Wasserbüffel gesehen." Ganz anders dagegen die kolonial geprägte Metropole Shanghai: "Wir haben im französischen Viertel gewohnt, der deutsche Bäcker war um die Ecke." So blieb als letzte Erkenntnis, dass wer in den Fernen Osten reist, dort nicht den Westen finden will: "Shanghai hat uns am wenigsten gefallen."