Ziele verfolgen und Chancen nutzen

Von "Strohgäu Extra" 

Leonberg Beim Tag der offenen Tür im Seehaus macht ZDF-Moderator Peter Hahne straffälligen Jugendlichen Mut. Von Elisa Wedekind

Leonberg Beim Tag der offenen Tür im Seehaus macht ZDF-Moderator Peter Hahne straffälligen Jugendlichen Mut. Von Elisa Wedekind

Unterhaltsam und humorvoll ist die Festrede, die Peter Hahne bei strahlendem Sonnenschein vor hunderten Besuchern und Seehäuslern hält. Doch es ist auch viel Ernsthaftigkeit herauszuhören aus den Worten, die er an die Jungs richtet. Die Jungs, das sind 13 jugendliche Straftäter, die im Seehaus im freien Strafvollzug leben. Ob sie denn wüssten, wo sie in ihrem Leben hinwollten, fragt der Journalist. Denn: "Man braucht ein Ziel und einen Weg, der einen dorthin bringt".

Peter Hahne ist Kuratoriumsmitglied beim Verein Prisma und vom Projekt Seehaus überzeugt. Besonders die Art, wie man hier mit den jungen Straftätern umgehe, sei einmalig. Der baden-württembergische Justizminister Rainer Stickelberger sieht in dem Projekt Seehaus "ein Paradebeispiel für einen modernen und humanen Strafvollzug". Großen Respekt empfindet Hahne für die Jugendlichen. "Ich finde es klasse, was ihr hier alles schafft, obwohl das Leben für euch bislang nicht so gradlinig war", so Hahne. Es komme jetzt darauf an, wie sie mit ihrer Vergangenheit umgingen und was sie daraus machten.

Dann gehört die Bühne den Seehäuslern. Im Theaterstück "Drinnen" gewähren sie den Besuchern Einblicke in ihren Alltag. Die jungen Männer haben sichtlich Spaß, das Publikum ist begeistert und spendet tosenden Applaus. Fatmir und Michael leben seit sechs Monaten im Seehaus. Davor waren sie in der Jugendstrafanstalt in Adelsheim. Michael ist im ersten Lehrjahr Metallbauer, Fatmir will Schreiner werden. Die beiden 21-Jährigen wissen, dass es ihre letzte Chance ist, ihr Leben in geordnete Bahnen zu lenken. Klar sei nicht immer alles toll, erzählt Fatmir. "Aber im Knast ist es viel schlimmer", sagt er. Die meisten im Seehaus haben eine schwierige Vergangenheit hinter sich, Gewalt stand bei vielen an der Tagesordnung. Das Gefühl, in einer funktionierenden Familie zu leben, kennen sie oft gar nicht. Im Seehaus dürfen sie genau das erfahren. Hier leben sie mit Hauseltern und deren Kindern zusammen, bekommen ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Dabei herrschen jedoch strenge Regeln.

So ist Ausschlafen ein Fremdwort. Um 5.45 Uhr ist im Seehaus die Nacht zu Ende, es geht ab zum Frühsport. Bis 22 Uhr sind die 13 Bewohner dann voll eingespannt, Schule, Hausputz und Arbeit lassen keine Zeit fürs Faulenzen. Auch ein Täter-Opfer-Ausgleich und soziales Training gehören zum Alltag. Ein weiterer Bestandteil des Seehaus-Konzepts ist die Vermittlung christlicher Werte und Normen. "Wir wollen den Jugendlichen eine Perspektive bieten", erklärt der geschäftsführende Vorstand des Trägervereins Prisma, Tobias Merckle.

In den vergangenen acht Jahren haben über 90 Jugendliche die Chance gehabt, ihre Haftstrafe im Seehaus in Leonberg zu verbringen. Die meisten von ihnen haben diese Möglichkeit auch genutzt. Zwar würden nicht alle das Projekt bis zum Ende durchziehen, so Merckle. Aber von denen, die es bis zum Schluss dabei waren, "konnten wir alle in Ausbildungs- und Arbeitsplätze vermitteln."

Das Programm, mit dem die Seehäusler an diesem Samstag aufwarten, ist umfangreich. Sie gewähren Einblicke in ihren Lebens- und Arbeitsraum, es gibt Führungen und für die kleinen Gäste bietet der Waldkindergarten Spaß und Spiel. Ein besonderes Schmankerl steuert Uwe Hück bei, der Betriebsratsvorsitzende von Porsche. Zusammen mit acht Jugendlichen seines Vereins präsentiert der leidenschaftliche Thai-Boxer einen Schaukampf, bei dem er immer wieder betont, wie wichtig es sei, sich gegenseitig mit Respekt zu begegnen.

Der Tag der offenen Tür ist ein voller Erfolg. Rund tausend Gäste sind gekommen, darunter viele Ehemalige und Unterstützer. Aber auch Menschen, die bislang noch nie da waren. Der Merklinger Thomas Maier kennt das Seehaus nur aus der Zeitung. Er ist begeistert von der Freundlichkeit und Offenheit, mit der die Jugendlichen hier auftreten. Der Besuch im Seehaus habe ihm gezeigt: "Man darf Menschen nicht einfach verurteilen".

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