Zeitumstellung Verwirrspiel um die Sommerzeit

Von Christoph Meyer 

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird wieder auf Sommerzeit umgestellt Foto: dpa
In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird wieder auf Sommerzeit umgestelltFoto: dpa

Alle Jahre wieder melden sich die Gegner der Zeitumstellung zu Wort. Sie können sich aber nicht einmal einigen, ob nun Sommer- oder Winterzeit abgeschafft werden soll.

Brüssel/München - Sommerzeit oder Winterzeit? Die Verwirrung ist groß, seit Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner vergangene Woche ein Ende der Zeitumstellung forderte. An diesem Wochenende wird in den Ländern der Europäischen Union wieder an der Uhr gedreht. In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Zeiger von 2 Uhr auf 3 Uhr gestellt. Sie wolle den Menschen den Mini-Jetlag, also die ermüdenden Folgen, ersparen, die mit der Umstellung einhergingen, begründete Aigner den Vorstoß.

Doch auf welche Zeit Ilse Aigner sich gerne festlegen möchte, war bisher genauso unklar wie die Frage, wer nun eigentlich für die Zeitumstellung zuständig ist. Mal wird behauptet, Aigner wolle die Sommerzeit abschaffen, dann heißt es wieder, sie wolle mit der Winterzeit Schluss machen. Mal ist der Bundestag zuständig, mal die Europäische Kommission. Nun stellt eine Sprecherin des bayerischen Wirtschaftsministerium im Gespräch mit unserer Zeitung klar: „Die Ministerin möchte bei der Sommerzeit bleiben“. Mit dieser Forderung möchte sich Aigner an die Europäische Kommission wenden. Nachdruck soll dem Anliegen eine Online-Petition an das Europäische Parlament verleihen. Dafür will Aigner beim anstehenden Europa-Wahlkampf trommeln, denn sinnvoll sei eine Abschaffung der Winterzeit nur, wenn alle EU-Länder daran teilnähmen. Und sie liegt richtig: Zuständig ist tatsächlich die EU-Kommission.

Alles was die Ministerin braucht, sind eine Million Unterschriften aus sieben Mitgliedstaaten der Union, wie es aus dem Wirtschaftsministerium in München verlautet. Keine leichte Aufgabe, die sich Frau Aigner da vorgenommen hat. Schlimmer noch ist, dass der Energiekommissar in Brüssel, Günther Oettinger, Aigners Vorstoß bereits eine Abfuhr erteilt hat. Unserer Zeitung sagte er: „Ob die Einführung der Sommerzeit vor vielen Jahren notwendig war, sei dahingestellt. Aber es gibt Vorteile, auch energiewirtschaftlicher Art. Sie jetzt wieder abzuschaffen, wäre falsch. Wir haben andere Aufgaben.“ Auf Nachfrage in Oettingers Büro heißt es, damit sei ausdrücklich auch eine Abschaffung der Winterzeit gemeint. Oettinger wolle, dass alles so bleibt wie es ist.

Ist das schon das Aus für Aigners Traum vom ewigen Sommer? Könnte sein, denn die bayerische Wirtschaftsministerin steht mit ihrer Forderung nach einer dauerhaften Sommerzeit alleine auf weiter Flur. Der EU-Parlamentarier Herbert Reul macht sich zwar auch stark für eine Abschaffung der Zeitumstellung, aber er möchte das es nur noch die Winterzeit gibt. Er unterstützt eine Online-Petition des Erlanger Arztes Hubertus Hilgers, die sich an den Bundestag richtet. Über 50 000 Menschen haben bereits unterschrieben. Hilgers argumentiert, die Sommerzeit sei ungesund, weil sie den natürlichen Bio-Rhythmus der Menschen störe. Vor einem immerwährenden Sommer warnt er mit drastischen Beispielen. „In Russland ist seit ein paar Jahren ganz auf die Sommerzeit umgestellt worden und dort gehen die Geburten zurück, weil die Männer aus Erschöpfung keine Erektion mehr bekommen“.

Tatsächlich ist die so genannte Winterzeit oder Mitteleuropäische Zeit die richtige Zeit, zumindest ungefähr, denn sie gilt von Polen bis nach Spanien und so kommt es zu Abweichungen von der echten Ortszeit, die sich am Sonnenstand bemisst. Die Sommerzeit wurde 1980 in Deutschland eingeführt, um abends Licht zu sparen.Sie zwingt die Menschen, früher aufzustehen. Dafür bleibt es abends aber auch länger hell, wie von Biergartenbesuchern immer wieder vorgebracht wird. Deren Sympathien zumindest hat Ilse Aigner sicher.

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