Am vergangenen Sonntag hat die Esslinger Galerie im Heppächer zum letzten Mal eine Vernissage veranstaltet. Noch bis zum 19. Dezember sind dort Werke der Malerin Elly Weiblen und des Skulpteurs Armin Göhringer zu sehen, dann kommt mit der Finissage zugleich das Ende der Galerie. Dabei hatte es in den vergangenen Monaten noch als sicher gegolten, dass es auch in den kommenden Jahren moderne Kunst in der ehemaligen Synagoge geben wird. Stattdessen zeichnet sich nun eine völlig andere Nutzung ab: Die Israelitische Religionsgemeinschaft hat Interesse an dem Gebäude angemeldet.
Den Galeristen Susanne Lüdtke und Roland Bachofer war die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahren zwar zu groß geworden, ihre Liebe zur Kunst und zu dem Fachwerkgebäude mit der wechselvollen Geschichte haben sie trotzdem nicht verloren. Deswegen hatten sie versucht, Mitstreiter zu finden und einen Verein zu gründen. Dieser sollte die Galerie künftig mit einem neuen Konzept betreiben. Lüdtke und Bachofer wollten als engagierte Vereinsmitglieder an Bord bleiben.
"Der Gedanke war einfach, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen", berichtet Lüdtke. Bei Podiumsdiskussionen zur Zukunft der Galerie war das Interesse noch groß. Doch als es darum gegangen sei, die Arbeit zu verteilen, seien viele plötzlich abgesprungen, berichtet Bachofer. Kein Wunder, schließlich bestand die Arbeit der Galeristen im Heppächer nicht nur aus dem Organisieren von Ausstellungen, sondern auch aus wenig prestigeträchtigen Tätigkeiten wie Kloputzen oder regelmäßigem Wände weißeln.
Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist noch offen. "Die Begehrlichkeiten sind natürlich groß, wenn ein solches Haus aufgegeben wird", sagt Susanne Lüdtke. Die Stadt als Besitzerin hat sich zunächst eine Denkpause verordnet, denn die Israelitische Religionsgemeinschaft (IRG) in Stuttgart hat "ein vorsichtiges Interesse" an dem Gebäude bekundet, wie die Vorstandssprecherin Barbara Traub bestätigt.
Vorgestern Abend hat die Stadtverwaltung die Mitglieder des Verwaltungsausschusses in einer nichtöffentlichen Sitzung über den Stand in Sachen Heppächer informiert. Die Gemeinderäte haben dabei dem Vorschlag zugestimmt, das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert der IRG kostenlos zu überlassen, falls diese das wünscht. Schließlich, so die Argumentation des Esslinger Rathauses, sei das Gebäude bis 1938 als Synagoge genutzt worden. Die Nazis hatten es den Juden entrissen und als Treff für die Hitlerjugend genutzt.
Mit dem Angebot verknüpft die Stadt freilich eine Bedingung. "Die IRG dürfte es ausschließlich für religiöse oder kulturelle Zwecke nutzen", sagt der Pressesprecher der Stadt Roland Karpentier. Dass es für eine neue Synagoge genug Bedarf gibt, bezweifelt niemand. Allein in Esslingen leben heute rund 200 Juden. Ob sich die IRG tatsächlich auf das Angebot einlässt, steht in den Sternen - denn wer immer das Gebäude künftig besitzt, muss zunächst einmal kräftig investieren. "In vielen Räumen kann überhaupt nicht geheizt werden", sagt Lüdtke dazu. Den Gedanken, dass der Kunst bald die Religion folgen könnte, den finde sie freilich "ganz wunderbar".