Zehn Falschannahmen Die großen Reise-Irrtümer

Helge Sobik, 10.01.2013 05:00 Uhr
Wer viel verreist, wird oft überrascht. Wer nicht verreist - der auch. Manchmal haben sich falsche Vorstellungen festgesetzt, an denen nichts dran ist. 

1 Wer eher losfliegt, kommt eher an.
Stimmt nicht: Die Reisezeit hängt wie beim Autofahren davon ab, wie viel Gas gegeben wird. Manche Airlines lassen ihre Piloten Full Speed fliegen, um passend zu wichtigen Umsteigewellen an Drehkreuzflughäfen anzukommen und im Flugplan mit einer kurzen Reisezeit zu punkten. Andere planen spritsparende Reisezeiten - und lassen sich auf wichtigen Rennstrecken über­holen. Auch von der Motorisierung des jeweiligen Jets, der zugewiesenen Flugroute und den Windverhältnissen hängt es ab, wie schnell eine Maschine am Ziel ist.

2 Die Malediven sind pfannkuchenflach, und die einzelnen Inseln sind so klein, dass es keine Straßen gibt.
Stimmt nicht, was die Straßen angeht: Im Addu-Atoll ganz im Süden der Malediven gibt es sogar eine 17 Kilometer lange Asphaltstraße, die sich über Brücken spannt und mehrere Inseln miteinander verbindet. Weil Raser ein Problem geworden sind, führt die Polizei dort sogar Radarkontrollen durch. Gleichzeitig kontrolliert sie, ob die neu eingeführte Helmpflicht für Motorradfahrer eingehalten wird - und verhängt Bußgelder, weil die Regelung noch nicht sonderlich populär ist. Der höchste Gipfel der Malediven bringt es unterdessen tatsächlich auf nur 2,40 Meter und befindet sich auf der Insel Villingili - ebenfalls im Addu-Atoll.

3 Etablierte Linienflieger sind teurer als die Billigflieger.
Stimmt nicht: Mancher Billigflieger ist nur vermeintlich beziehungsweise an manchen Terminen günstig. Durch die Vielzahl von Zusatzgebühren kann der Flug in einem der vermeintlichen Schnäppchen-Jets sogar teurer werden als bei der etablierten Konkurrenz.

4 Dubai als Jetset-Ziel ist so etwas wie „das Ibiza am Persischen Golf“.
Stimmt nicht: Dubai ist zwar modern und weltoffen, aber zugleich in der Kultur der Arabischen Halbinsel verankert. Alkohol gibt es nur in dafür lizenzierten Restaurants und Bars. „Oben ohne“ am Strand zu liegen ist undenkbar, Küssen in der Öffentlichkeit ist sogar untersagt. Über ein Küsschen sehen Ordnungshüter noch hinweg, aber wilder sollte es vor Publikum nicht werden - ganz anders als auf Ibiza.

5 Das Schlimme an Kreuzfahrten ist das hohe Trinkgeld, das am letzten Abend erwartet wird.
Stimmt nur teilweise, denn bei manchen Reedereien sind sämtliche Trinkgelder, die oft tatsächlich einen wesentlichen Teil des Gehaltes der Besatzung ausmachen, ausdrücklich im Reisepreis enthalten. Ein Nachschlag wird dort nicht erwartet.

6 Wer im Sommer mit dem Auto in den Urlaub fährt, muss mit stundenlangen Staus rechnen.
Stimmt nicht, wenn man bei den Abfahrtszeiten flexibel ist: Sonntags ist auf den Autobahnen vor allem bis zum frühen Nachmittag deutlich weniger los als werktags und am klassischen Anreise- beziehungsweise Ferienhaus-Wechseltag Sonnabend. An den anderen Tagen gilt: am besten erst am späten Nachmittag starten und bis in die Nacht fahren und gegebenenfalls einmal zwischenübernachten, um die meisten Ferienstaus zu verpassen.

7 In Alaska und auf Grönland ist es immer kalt.
Stimmt nicht: Während des Hochsommers von Mitte Juli bis Mitte/Ende August kann es tagsüber durchaus 25 Grad warm werden - ungeachtet der Tatsache, dass die Temperatur im Winter an derselben Stelle auf minus 40 Grad und tiefer rutschen kann.

8 Die Plätze vorn im Flugzeug sind die sichersten, weil man in einem Notfall am schnellsten raus ist.
Stimmt nicht: Vorn ist es bei einem Unfall eher gefährlicher. Als am sichersten haben sich - zumindest statistisch - die Plätze im hinteren Bereich einer Maschine erwiesen. Ansonsten ist es natürlich eine Frage der Absturzhöhe. Beim Schliddern über die Landebahn mag die Position des Sitzes in der Maschine noch etwas ausmachen, beim Fall aus ein paar Tausend Meter Höhe ist das eine rein akademische Diskussion.

9 Die Vereinigten Staaten sind das (Reise-)Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Stimmt nicht: Die Möglichkeiten sind regional sehr unterschiedlich ein­geschränkt - zum Teil durch kuriose Verordnungen und Urteile, die Gesetzeskraft erlangt haben. So dürfen sich beispielsweise im Bundesstaat Iowa Pärchen maximal fünf Minuten lang küssen. In Minnesota ist es untersagt, unbekleidet zu schlafen. In Alabama ist es verboten, sonntags Domino zu spielen, in New York ist das Tragen von Stöckelschuhen unzulässig. Zum Glück hält sich niemand daran - und (meistens) schreitet auch keiner ein.

10 Wüste muss ohne Wasser auskommen.
Stimmt nicht: Etliche nordafrikanische Großstädte bekommen ihr Trinkwasser über Pipelines aus Tiefbrunnen in der Wüste. In Libyen gibt es zum Beispiel die traumhaft schönen Mandara-Seen mitten in der Wüste. Und in Oasengärten quer durch die Sahara gedeihen neben Dattelpalmen auch Orangen und Zitronen sowie Granatäpfel.

 
 
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