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Zapfen, zapfen, nochmal zapfen

"Fellbach und Rems-Murr-Kreis", vom 06.09.2010 02:45 Uhr
Schmiden. Unsere Mitarbeiterin Melanie Bürkle hat sich bei der Schmidener Kirbe hinter die Theke gestellt und berichtet.

Drei Radler", schreit·s von vorne, "Zwei Halbe" von rechts. Die Gläser stehen rechts und links von mir, süßer Sprudel ist unten, der Zapfhahn vorne - schnell muss es gehen. Ich koordiniere meine Arme. Von irgendwo her flattert ein weiterer Bestellzettel. Also schnell nach rechts die Radler oder halt? Nein. Rechts waren die Halbe, links die Radler. Nein, was war links? Ach so, da war der Wunsch nach einer Halben. Ich hole neue Krüge, zapfe, Krug nach vorne, zapfe, zapfe, Krüge nach rechts, zapfe, zapfe und zapfe und verstehe nur noch Radler.

Aber ganz langsam von Anfang an. Eigentlich hat der Abend recht gemütlich angefangen. Nachdem ich mein Arbeits-Shirt - wenn auch zwei Nummern zu groß erhalten habe - stehe ich arbeitslos hinter dem Tresen. Die Menge grölt und tanzt. Und die hinter der Theke? Ja, die tanzen auch - mich nun eingenommen. Scheint ja ein echt lockerer Job bei der Kirbe zu sein.

So fülle ich nach einer knappen Viertelstunde einfach mal ein Bier ab. Lediglich zu Versuchszwecken. Aber schneller als gedacht stecke ich nun plötzlich irgendwie mittendrin in der Kirbe-Arbeitswelt. Die Bestellungen gehen reihenweise bei mir ein: "Ich bräuchte ein Radler", ruft mir eine Helferkollegin, "noch zwei" werden mir aus der Ferne per Handzeichen angekündigt. Noch läuft aber alles ganz gemächlich ab. Noch. Ich nehme mir, vor alle Radler und Biere, die ich an diesem Abend einfülle, zu zählen.

Doch schnell merke ich, dass daraus nichts wird. Denn je mehr die Menge von der Bühne angeheizt wird, umso höher scheint der Bierbedarf zu sein, und umso mehr Aufträge landen bei mir. Es wird hektischer und hektischer und bald unmöglich, nebenher das Gezapfte zu zählen. Nach nicht einmal 30 Radlern gebe ich auf, denn dann geht"s richtig los. Mit den Worten "a Radler", stupst mich ein Kollege an, vier Radler bekomme ich von der Bedienung per Handzeichen angezeigt. Ohje, gleich vier. "Und noch eine für hier", schallt es von der Ausgabe rüber. Also fünf, nee sechs. "Zwei auch noch für mich", ertönt es aus dem Hintergrund. Acht!

Jetzt muss es schnell gehen, und schon ist·s passiert. Platsch, gleich das erste Bier schäumt mächtig über. Ist nicht zu gebrauchen. Und dann ist auch noch der süße Sprudel aus. Ein Helfer-Kollege sprintet los und holt Nachschub. Die Bedienung wartet ungeduldig, und an der Ausgabe bildet sich schnell eine durstige Schlange. Ich zapfe, was das Zeug hält und wenigstens die Männer in der wartenden Schlange lächeln mich noch geduldig an. Vier, fünf, sechs Radler wandern über die Theke.

"Ein Alkoholfreies!", ruft·s mir zu. "Was? Wo?", frage ich und stehe mit aufgerissenem Mund da. "Hey, mir fehlt ein Radler", tönt"s verärgert. Radler gezapft, Alkoholfreies gesucht.

Die Anderen um mich herum im Arbeitsteam des Kirbeveranstalters, des Musikvereins Schmiden, tanzen trotz der Hektik ausgelassen zur Musik. Ich wippe höchstens mit dem Fuß. Beobachte jedes Handzeichen, lausche jedem Zuruf. Nach zwei Stunden gönnt man mir eine Pause.

Endlich darf ich selbst ein Radler genießen. Doch die Hand schmerzt, die Sehne auch - vom Bierkrug halten? Dennoch, die Kollegen vertrauen mir, und weil·s so toll lief, geht·s bald zwei weitere Stunden hinter den Tresen: Spaß macht"s. Als ich fertig bin, hat sich das Zelt geleert. Die große Party ist vorbei. Ich erlebe nur noch das Ergebnis ausgeschenkter Biere: Mancher Gast hat zuviel abbekommen. Ich gehe, ziemlich müde, nach Hause.

Hinterm Tresen ist"s eben doch keine gewöhnliche Kirbe-Party, aber es ist wirlich eine erheiternde Tätigkeit.

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