Wolverine – Weg des Kriegers Superheld in der Sinnkrise

Von Gunther Reinhardt 

Der Film, der weitgehend Chris Claremonts und Frank Millers „Wolverine“-Comic aus dem Jahr 1982 folgt, versucht sich auch als Charakterstudie eines Mannes voller Widersprüche. Allerdings übernimmt sich Mangold mit diesem Vorhaben.

Stuttgart - Als Ronin bezeichnete man im feudalistischen Japan einen herrenlosen Samurai; einen Ritter, der mit seinem Herren auch seine Ehre verloren hatte; einen Soldaten ohne Mission, der verdammt war, ohne Ziel, ohne Lebenssinn durch die Welt zu streifen und auf den erlösenden Tod zu warten.

Einen wie Wolverine also. Selbst diesen Namen hat Logan (Hugh Jackman) inzwischen abgelegt. Als zottelbärtiger, langhaariger Landstreicher versteckt er sich in den Wäldern Nordamerikas, entflieht der Zivilisation, findet nur in einem Grizzly einen guten Freund. Seit Wolverine in dem Film „X-Men – Der letzte Widerstand“ (2006) seine große Liebe Jean Grey (Famke Janssen) opfern musste, ist für ihn seine Unverwundbarkeit, seine Unsterblichkeit nur noch eine große Last. Doch dann taucht die rothaarige Yukio (Rila Fukushima) auf, die die Zukunft sehen kann und ihn dazu überredet, in Japan von einem Mann Abschied zu nehmen, dem er einst das Leben gerettet hat, als die Atombombe über Nagasaki abgeworfen wurde.

Schuld und Sühne und der ehrenhafte Tod

Und so hetzt Logan schon bald durch das knallbunte Tokio, bekommt nach einigen missbilligenden Blicken („Wer ist denn dieser Steinzeitmensch?“) endlich wieder seinen markanten Backenbart und die forsch hochstehende Frisur verpasst, muss unzählige Male seine Adamantium-Klauen ausfahren, wenn er sich mit Ninja, Yakuza und einer hochgiftigen Mutantin, die sich Viper (Svetlana Khodchenkova) nennt, herumschlägt. Er wird aufgespießt, angeschossen, auf Operationstische gefesselt und der ­Beschützer der still-schönen Mariko (Tao Okamoto), Erbin eines milliardenschweren Elektronikkonzerns, die entführt werden soll. Und obwohl ihm irgendwann auch noch seine Kräfte abhandenkommen, findet Logan noch Zeit, gründlich über den Sinn des Lebens nachzudenken.

Japan als Ort der Handlung bestimmt den Ton des Films, beschert dem Comicstoff nicht nur eine fremdartige Optik, sondern auch etwas Kontemplatives. Nachdem Bryan Singer und Guillermo del Toro das Projekt nicht übernehmen wollten, hat nun James Mangold bei „Wolverine – Weg des Kriegers“ Regie geführt. Und der Mann, der zuvor Dramen wie „Walk The Line“ oder „Todeszug nach Yuma“ inszeniert hat, ist nicht an der Verspieltheit, Leichtigkeit und Lässigkeit interessiert, die zuletzt Superhelden-Action-Spektakel wie „The Avengers“ oder „Iron Man 3“ auszeichnete.

Mangold orientiert sich visuell und erzählerisch am japanischen Kino, verbindet durchaus virtuos die Wolverine-Story mit Elementen aus den Samurai-Legenden. Immer wieder geht es um Schuld und Sühne, um den ehrenhaften Tod.

Der Film, der weitgehend Chris Claremonts und Frank Millers „Wolverine“-Comic aus dem Jahr 1982 folgt, versucht sich damit auch als Charakterstudie, als psychologische Studie eines Mannes voller Widersprüche. Allerdings übernimmt sich Mangold mit diesem Vorhaben. Zu plakativ gerät sein Spiel aus Rückblenden und Traum­sequenzen.

Am besten funktioniert der Film letztlich doch in den Actionszenen – vor allem die spektakulär inszenierte Sequenz, in der Logan auf einem Shinkansen-Zug, der mit über 580 Kilometer pro Stunde durch Japan saust, gegen Yakuza kämpft und alle Zweifel, alle Fragen, alle Ich-Krisen im Rausch der Geschwindigkeit nichtig werden.

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