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Wohnungseinbruch Stuttgarts Alarm-Atlas der Einbrüche

Von Wolf-Dieter Obst 

Es gibt deutlich weniger Einbrüche in Stuttgart – aber nicht in allen Bezirken gleich Foto: dpa
Es gibt deutlich weniger Einbrüche in Stuttgart – aber nicht in allen Bezirken gleichFoto: dpa

Fast 30 Prozent weniger Wohnungseinbrüche in Stuttgart – das ist eine gute Nachricht. Doch nicht überall ist die Freude gleich groß. In manchen Stadtbezirken haben sich die Zahlen halbiert – in anderen hat sich die Lage kaum verbessert.

Stuttgart - Die Eindringlinge haben offenbar reichlich Zeit. In der Sulzauer Straße in Vaihingen, 750 Meter von der S-Bahn-Station Österfeld entfernt, nehmen sie sich gleich zwei Wohnungen eines Mehrfamilienhauses vor. Dabei ist ihnen selbst der Balkon im zweiten Stock nicht zu hoch. Zwei Wochenenden später und 400 Meter entfernt sind Einbrecher in einer Wohnung an der Germanenstraße am Werk – zum Glück wird eine Nachbarin auf die Geräusche aufmerksam – ein Täter flüchtet Hals über Kopf.

Nein, im Stadtbezirk Vaihingen gibt es noch keine große Freude darüber, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche in Stuttgart im vergangenen Jahr um fast 30 Prozent zurückgegangen ist – von 1277 auf 903 Fälle. Vaihingen bleibt weiter der Brennpunkt der Stadt – gefolgt von Bad Cannstatt und vom Stuttgarter Süden. Offenbar ist das benachbarte Kaltental bei den Einbrechern ebenfalls sehr beliebt – mit einem Ruf, der bis weit nach Moldawien reicht.

So muss man das offenbar sehen – zumindest, als vor Monaten zwei 23 und 26 Jahre alte Moldawier mittags an der Stadtbahn-Haltestelle Waldeck festgenommen wurden. Sie hatten Rucksäcke mit Stemmeisen, Schraubenzieher und Handschuhen dabei – und waren erst wenige Stunden zuvor mit einem Flugzeug aus Mallorca angekommen. Bei anderen Einbrechern, die im Bereich Österfeld gefasst wurden, handelte es sich um drei Georgier im Alter von 22 bis 48 Jahren.

Aufklärungsquote gestiegen

Es gibt also noch viel zu tun für die Stuttgarter Polizei, deren Polizeipräsident Franz Lutz den Rückgang von einem Rekordwert zurückhaltend einordnete: „Die vielen Präventionsmaßnahmen, die Zentralisierung der Ermittlungen sowie die starke Präsenz in Wohngebieten greifen“, ließ er vor wenigen Tagen wissen, „Euphorie ist dennoch fehl am Platz.“ Die Aufklärungsquote ist deutlich gestiegen – liegt dennoch bei lediglich 28 Prozent.

Dass verstärkte Präsenz und Aufklärung über technischen Einbruchschutz tatsächlich etwas bewirken, zeigt eine Studie, deren Ergebnisse am Freitag im Rathaus vorgestellt wurden. Finanziert vom europäischen Forum für urbane Sicherheit, hatte die Stadt eine Umfrage- und Aufklärungsaktion in einem 15 000-Einwohner-Quartier in der Halbhöhenlage im Stuttgarter Norden gestartet. Im Herbst 2014 waren die Bewohner über ihr Sicherheitsgefühl befragt worden. Danach zeigte die Polizei Präsenz. Im Frühjahr 2015 wurde erneut das Sicherheitsgefühl der Bewohner abgefragt – und ihre Bereitschaft, mehr in den technischen Einbruchschutz zu investieren.

Im Norden Fallzahlen halbiert

„Zum ersten Mal kann nun nachgewiesen werden: Prävention wirkt tatsächlich“, sagt Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. Der Anteil derjenigen, die bei Abwesenheit stark bis sehr stark Einbrüche befürchteten, sank von 35 auf 30 Prozent. Und der Anteil derjenigen, die ihren Schutz an Fenster und Türen tatsächlich aufrüsteten, stieg von 54 auf 60 Prozent. Letztes Jahr blieben 44,5 Prozent der Einbrüche im Versuchsstadium stecken. „Wir setzen sehr auf die technische Komponente“, sagt Ludwig Haupt, Leiter der Prävention des Polizeipräsidiums Stuttgart. „Aber auch wenn die Nachbarschaft besser aufeinander aufpasst, sorgt das für Verunsicherung bei den Tätern.“

Zumindest im Stadtbezirk Nord wirkt sich das Gefühl auch auf die Einbruchszahlen aus. 2015 haben sich die Fallzahlen nahezu halbiert. Bei der Polizei wurden 54 Einbrüche registriert, im Vorjahr waren es mehr als hundert. Sicherlich würden sich die Vaihinger nun auch etwas mehr Halbhöhenlage wünschen.

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