Wohnhäuser zu groß Opfern des Bauskandals winkt Hilfe

Michael Isenberg, 21.11.2012 19:23 Uhr
Der Stuttgarter Gemeinderat erörtert am Freitag Lösungen. Die Maklerin ist mit dem Prokuristen der Baufirma verheiratet.

Stuttgart - Der Bauskandal im Stuttgarter Stadtteil Zazenhausen, den unsere Zeitung aufgedeckt hat, erregt über die Stadtgrenze hinaus Aufsehen. Am Mittwoch haben mehrere TV-Sender die Betroffenen befragt. Dank der öffentlichen Aufmerksamkeit kommt nun Bewegung in den vertrackten Vorgang. Am Freitag will der Stuttgarter Gemeinderat nach Lösungen suchen. Das haben die Fraktionsvorsitzenden Alexander Kotz (CDU) und Roswitha Blind (SPD) den geschädigten Bauherren zugesagt.

Mitarbeiter des Baurechtsamts hatten bei einem außerordentlichen Kontrollgang auf der Baustelle im September massive Verstöße gegen die genehmigten Pläne festgestellt. Für das im Frühjahr 2012 begonnene Projekt folgte ein Baustopp. Bei zwölf Doppelhaushälften war die erlaubte Länge, bei sechs Doppelhaushälften und einem Einzelhaus die genehmigte Höhe überschritten worden. Als Hauptverantwortliche für die Misere sehen etliche Bauherren die Stuttgarter Firma PP Bauconsulting GmbH.

Wir werden den Mann verklagen“, sagt ein Bauherr

Zumindest den zu langen Gebäuden droht der Teilabriss. Die Kommunalpolitik würde dies gerne vermeiden. Der Gemeinderatsausschuss Wirtschaft und Wohnen berät den Fall am Freitag. Danach müsse die Vollversammlung des Stadtparlaments über eventuelle Hilfen entscheiden, sagte Alexander Kotz, bat die Geschädigten aber um Geduld. Die SPD möchte die Verantwortlichen, soweit möglich, zur Rechenschaft ziehen.

Einige Geschädigte wollen anwaltlichen Rat einholen und gegen den Chef von PP Bauconsulting gerichtlich vorgehen. „Wir werden den Mann verklagen“, so ein Bauherr. Die Maklerin, die die Objekte angeboten hatte, und der heutige Chef von PP Bauconsulting sind miteinander verheiratet.

 
 
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Kommentare (1)
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Hannes Edinger Ist schon länger als 1 Jahr her
Meines Erachtens ist dieser vermeindliche Bauskandal vor allem ein Sturm im Wasserglas, wobei die Aufregung der Bauherren natürlich verständlich ist. Wenn die Häuser tatsächlich nur um geringe Maße zu lang gebaut wurden, dieser Fehler nicht auf Veranlassung oder gar Anordnung der Bauherrschaft beruht, sowie diese Mehrlänge auch nicht öffentlichen Grund sondern den Bauplatz des Eigenheimers selber betrifft, könnte man schon zur Erkenntnis kommen, dass kein Schaden des öffentlichen Gemeinwohls zutrifft und insofern Ausnahmen gestattet werden können. Eine Abbruch- bzw. Teilabbruchsverfügung wäre hier nicht verhältnismäßig und das würde im Zweifel sicherlich auch bei einer verwaltungsgerichtlichen Entscheidung so gesehen werden. Was die Überschreitung der Höhe angeht, ist das letztlich auch nicht anders. Das wird sich alles mit Vernunft regeln lassen, insbesondere nachdem der Sachverhalt den Weg in die Öffentlichkeit genommen hat. Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang nur die in anderen Artikeln dieses Themas - natürlich anonym - kolportierte Auffassung, derzufolge das Baurechtsamt nur deshalb in dieser Art und Weise tätig wurde, weil sich die Bauherren ausweislich der Aufkleber auf ihren Autos als S 21 Gegner zu erkennen gaben. Wie krank muß man eigentlich sein, um derartigen Schwachfug zu behaupten?
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