Untersuchungen belegen, dass mehr Frauen in der Führungsetage die Rendite steigern und das Betriebsklima verbessern. Trotzdem erklimmen nach wie vor nur wenige Frauen die obersten Sprossen der Karriereleiter. Eine Frauenquote könnte helfen, doch die wünscht sich keiner der befragten Arbeitgeber im Kreis. An keinem von ihnen jedoch geht das Thema Chancengleichheit der Geschlechter völlig vorbei.
Stihl 7,5 Prozent des Führungspersonals bei Stihl in Waiblingen ist weiblich. Eine Frauenquote gibt es nicht. Die würde laut dem Personalchef Markus Dörle auch keinen Sinn machen, schließlich liegt der Anteil der Frauen in der Belegschaft des weltgrößten Kettensägenherstellers gerade einmal bei 18 Prozent. Viel wichtiger sei, geeignete Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen, sagt Dörle. Man versuche, in Sachen Arbeitszeit alles möglich zu machen, zurzeit würden 150 verschiedene Teilzeitmodelle genutzt. Außerdem pflegt die Firma Kooperationen zur Unterstützung der Kinderbetreuung, etwa mit dem Familienservice Stuttgart und der Waiblinger Familienbildungsstätte und man hat Belegplätze in einer Waiblinger Kindertagesstätte reserviert. Außerdem gewährt man Müttern oder Vätern, an die gesetzliche Elternzeit noch maximal zwei Jahre Familienzeit anzuhängen und gewährt ebenso lang eine Auszeit zur Pflege und Betreuung naher Angehöriger mit Rückkehrgarantie. Ganz uneigennützig handelt der Weltmarktführer, der sich gerne als Familienunternehmen bezeichnet, dabei natürlich nicht. Im Hinblick auf den prognostizierten Fachkräftemangel würden gute Rahmenbedingungen immer wichtiger, sagt Dörle.
Landratsamt Alle drei Jahre muss das Waiblinger Landratsamt der Chancengleichheitsbeauftragten, die früher Frauenbeauftragte hieß, Bericht erstatten. Die jüngste Erhebung datiert aus dem Jahr 2009. Demnach ist die Chefetage der Behörde nach wie vor männerdominiert. Fünf Dezernenten steht eine Frau gegenüber, Geschäftsbereichsleiter gibt es 15 männliche und vier weibliche, Fachbereichsleiterinnen immerhin 20 gegenüber 45 Männern. Allerdings, so heißt es in dem Bericht, sei daran auch die Verwaltungsreform 2005 schuld. Sie habe den "seit Jahren konstant hohen Frauenanteil abgesenkt, weil mit den Forstwirten, den Straßenmeistereien und durch den Vermessungsbereich Berufsgruppen mit sehr hohen Männeranteilen eingegliedert wurden". Auf den Chancengleichheitsplan 2010 habe man sich unter anderem die Selbstverpflichtung, Teilzeitarbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, geschrieben sowie familienfreundliche Arbeitszeitregelungen. Eine Quote für Frauen oder deren Bevorzugung sei nach dem Chancengleichheitsgesetz im Landratsamt hingegen nicht erlaubt.
Tesat-Spacecom Bei dem Hightech-Unternehmen in Backnang sind nach Firmenangaben rund fünf Prozent aller Führungskräfte Frauen. "Eine Quotenregelung würde leider nichts nützen, da wir massive Probleme hätten, die entsprechenden Stellen zu besetzen", heißt es in einem Statement des Unternehmens, das rund 1100 Mitarbeiter beschäftigt und einer der Weltmarktführer in der Nachrichtentechnik ist, vornehmlich für die Raumfahrt. Absolventinnen im naturwissenschaftlichen Bereich und speziell bei den Ingenieuren gebe es immer noch zu wenige. Um Frauen zu fördern biete Tesat flexible Arbeitszeitmodelle, Heimarbeit, Unterstützung bei der Suche von Betreuungsmöglichkeiten für Kinder sowie im Pflegefall. Zudem gebe es einen Wäscheservice. "Wir suchen intensiv nach weiblichen Azubis für unsere gewerblichen Berufe, Oberflächenbeschichter, Elektroniker, Mikrotechnologen, und versuchen schon frühzeitig, Mädchen für die Fächer Mathematik, Informatik sowie für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern." Tesat beteilige sich am Girls Day und biete Schulbesuche an. Wenn Politiker ins Haus kämen, dann spreche sich das Unternehmen stets für mehr Ganztagesbetreuungangebote für Kinder aus, "um es Frauen zu erleichtern, neben einer Familie im Beruf erfolgreich zu sein".
Remstalkellerei Bei der Genossenschaft in Weinstadt ist die Führungsebene mit Vorstand, Geschäftsführer und vier Bereichsleitern männlich. Was daran liege, dass bei den Stellenbesetzungen keine geeigneten weiblichen Bewerber vorhanden waren, sagt Geschäftsführer Heiko Schapitz. Als Führungskraft im Betrieb mit 45 Mitarbeitern bleibe lediglich die Teamchefin des hauseigenen Verkaufspavillons. Zwölf Frauen sind in der Belegschaft der Kellerei dabei. Spezielle Fördermaßnahmen gibt es nicht. "Wir sind ein kleiner Betrieb", sagt dazu der Geschäftsführer, "uns diesbezüglich an großen Projekten zu beteiligen, das können wir uns nicht leisten". Was die Besetzung von Führungsstellen angehe schaue er aber darauf, dass unter den Bewerbern immer mindestens eine Frau sei. Bei der Weinallianz, der gemeinsamen Vertriebsorganisation mehrerer Weingenossenschaften, sei zuletzt als es um einen Bereichsleiterposten ging, eine Frau zum Zuge gekommen. Als jüngst in der Remstalkellerei der Job des kaufmännischen Leiters vergeben wurde, habe sich keine geeignete Frau beworben. Es sei auch klar: "Nur aus sozialen Gründen den schlechteren Kandidaten zu nehmen, das machen wir auch nicht."
Diakonie Stetten Beim Führungspersonal wird sowohl eine Frauen- als auch eine Männerquote angestrebt, die jeweils bei 40 Prozent liegt. Der Hintergrund: Beispielsweise die Bereiche Altenhilfe, Hauswirtschaft und alles, was mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, werden bislang von Frauen dominiert. Hier wären mehr Männer wünschenswert. "Wir sprechen deshalb auch nicht von einer Frauenquote. Wir wollen erreichen, dass in allen Führungsbereichen mindestens 40 Prozent Frauen und mindestens 40 Prozent Männer arbeiten", erklärt der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Stetten, Pfarrer Rainer Hinzen. Eine entsprechende Dienstvereinbarung wurde im Dezember unterzeichnet. Sie ist an den Vorschlag zur Veränderung des Corporate Governance Kodex der Diakonie Württemberg angelehnt. Der Vorstand und die Mitarbeitervertretung haben sich verpflichtet, in zwei Jahresschritten zu prüfen, ob man seinem Ziel näher gekommen ist.
Dusyma Bei der Firma Dusyma, die vom Schorndorfer Teilort Miedelsbach aus einen Versandhandel für Kindergartenbedarf und pädagogisches Spielzeug betreibt, hält man die Frauenförderung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für wichtige Werte. Sie habe vor 30 Jahren selbst massive Widerstände seitens der Männerwelt am eigenen Leib erfahren müssen, erklärt die Geschäftsführerin Lulu Schiffler-Betz. Das werde zum Glück immer weniger. Sie selbst halte Frauen- und Familienförderung für eine "gesellschaftliche Selbstverständlichkeit", diese müsse immer wieder von der Politik eingefordert werden. Wenn einer ihrer Mitarbeiter Vater oder Mutter werde, so stehe "nicht der Gedanke des Wegfalls einer Arbeitskraft, sondern die Freude über einen neuen Erdenbürger" im Vordergrund. Man sei offen für "individuelle Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit, zum Teil auch von zu Hause aus arbeiten zu können".
Kreissparkasse Seit dem Jahr 2007 gibt es bei der Kreissparkasse Waiblingen(SWN) eine Gleichstellungsbeauftragte. "Die SWN legt großen Wert auf einen fairen Umgang miteinander", teilt der Pressesprecher der Sparkasse, Axel Kröninger, mit. Der Vorstand und die Mitarbeiter der SWN hätten einen Verhaltenskodex ausgearbeitet, der für alle verbindlich sei. Außerdem gebe es verschiedene Angebote von Teilzeitmodellen und auch die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Ein spezielles Projekt des Vorstandes soll die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Ziel sei es, SWN-Mitarbeiter in der Kinderbetreuung, sowohl finanziell als auch durch Beratung zu unterstützen. Wer pflegebdürftige Angehörige hat, soll durch den Arbeitgeber Unterstützung erhalten. Die Kreissparkasse Waiblingen investiere viel, um den Anteil an weiblichen Führungskräften, der im Moment bei rund 17 Prozent liege, weiter auszubauen, teilt Kröninger mit. "In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass mehr Frauen als Männer bei der Kreissparkasse sogenannten Aufstiegsweiterbildungen absolvieren", so Kröninger. Dazu zählen Lehrgänge zum Bankbetriebswirt oder ein Studium am Sparkassen-Lehrinstitut. Dennoch entschieden sich viele SWN-Mitarbeiterinnen zur Familienpause.