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Wirtschaft Atomwende: Gefahr für den Wohlstand?

Markus Grabitz und Bernward Loheide, vom 30.03.2011 19:40 Uhr

Stuttgart/Berlin - Gehen in Deutschland ohne Atomkraft die Lichter aus? Ökonomen und Manager warnen vor Stromausfällen, die die deutsche Wirtschaft treffen und das Wachstum bremsen könnten.

Die Wirtschaft warnt vor einem überstürzten Ausstieg aus der Kernenergie. Hans-Heinrich Driftmann, der Präsident der Industrie- und Handelskammer (DIHK), sagte unserer Zeitung: "Die Abschaltung von sieben Kernkraftwerken wird sich spürbar auf die Energieversorgung auswirken." Es könne Folgen für die Stabilität des Netzes haben, wenn ein erheblicher Teil der berechenbaren Kraftwerkskapazität wegfalle. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt nannte die Abschaltung der älteren Meiler einen großen Fehler: "Ich bin überzeugt, dass Deutschland aus ökonomischen und ökologischen Gründen darauf angewiesen ist, weiterhin die Kernkraft zu nutzen."

Claudia Kemfert, Ökonomin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sagte, sollten im Mai weitere fünf Meiler wegen Revisionen vom Netz gehen, müssten vor allem Kohlekraftwerke, teils auch Gaskraftwerke aktiviert werden. Deutschland werde dann mehr Strom importieren müssen. "Dies kann in der Tat zu Blackouts führen, was wiederum erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen hat", so die Ökonomin.

Nach Ansicht von Hans-Jürgen Papier, dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, haben die Bundesregierung und die betroffenen Landesregierungen keine Rechtsgrundlage für das Moratorium, mit dem die alten Atommeiler für mindestens drei Monate vom Netz genommen wurden. Das seien "illegale Maßnahmen", sagte Papier der "Badischen Zeitung". Die AKW-Betreiber hätten gute Erfolgsaussichten für eine Klage.

Auch der Vorsitzende der CDU-Fraktion in Baden-Württemberg, Peter Hauk, sagte: "Ich glaube, dass ohne Vereinbarung mit den Energieversorgern keine Fakten zu schaffen sind, sonst rollt eine riesige Schadenersatzlawine auf alle Beteiligten zu."

Kommentare (17)
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APR
21
22:06 Uhr, geschrieben von W. Seyfang
Ablauffrist für AKW
Da streitet man sich um die Frist, oder um das Alter eines AKW, nach dem dieses außer Dienst gestellt werden soll. Diese Frist wird nun nach parteipolitischen, ideologischen, juristischen Gesichtspunkten festgelegt. Falsch ! Nachdem offenbar der Ersatz der Kernkraft durch Erneuerte Energien in Deutschland beschlossene Sache ist, schlage ich vor: Erst wenn so viele neue Windkraftanlagen gebaut sind und die zugehörige Speicherkapazität geschaffen ist, die einem AKW entsprechen, erst dann wird 1 AKW abgeschaltet. So wäre die Liefersicherheit immer gewährleistet. Dies entspräche auch dem marktwirtschaftlichen Gesetz, dass eine bessere Ware die schwächere (Atommüll, Gefahr durch Radioaktivität usw.) ersetzt. Es ist unlogisch, ein AKW nur wegen seines Alters abzuschalten, wenn es technisch instand ist. Nicht sein Alter sondern sein technischer Stand, müssen den Ausschlag geben.
APR
04
15:57 Uhr, geschrieben von Didi
AKW
Man könnte meinen, dass bei der neuen Landesregierung die Lichter demnächst ausgehen.Wenn man manche Reder der AKW-Netreiber so hört, könnte man meinen,dass alles noch viel schlimmer wird als bisher. Der Wohlstand welcher Leute ist hier angeblich in Gefahr?? Diese Herrschaften müssen garantiert nicht darben. Fazit: Im Voraus schon mal sagen, dass unter Grün-Rot alles schlechter wird.
APR
02
10:49 Uhr, geschrieben von H.P. Müller
Schluss mit Panikmache
Natürlich wollen die AKW-Betreiber auch weiterhin ihre riesigen Gewinne einfahren. Strom ist nur durch gesteuerte Unternehmensgewinne, möglicherweise auch durch "Überzeugungszahlungen" und Börsenhandel so teuer. Auch muss jedes Durchleitungkabel einzeln bezahlt werden. Atomstrom konnte nur durch den Wegfall der Entsorgungs-kosten günstig hergestellt und sauteuer verkauft werden. Schauen Sie doch mal ins Ausland. Bei 17% Export und 20% Atomstrom besteht nun wirklich kein Grund zur Panik. 3% können mit allen möglichen, nicht atomaren Quellen kompensiert werden. Aus Profitgier hat man in den vergangenen Jahren an Wasser-, Kohle-, Wind-, Sonnen- und Biomassekraftwerkstechniken einfach nicht weiter geforscht. Dort lassen sich jede Menge Effizienzsteigerungen erreichen und durch technische Forschung Wirkungsgrade verbessern. Diese Lobby will das einfach nur nicht. Ich zähle auf die neue Regierung. Wenn jedoch die Grünen bei Bauten zu erneuerbaren Energien ihre Widerstände nicht aufgeben, wird sich nichts bewegen. Herr Kretschmann, Sie haben es in der Hand.
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