Stuttgart/Berlin - Gehen in Deutschland ohne Atomkraft die Lichter aus? Ökonomen und Manager warnen vor Stromausfällen, die die deutsche Wirtschaft treffen und das Wachstum bremsen könnten.
Die Wirtschaft warnt vor einem überstürzten Ausstieg aus der Kernenergie. Hans-Heinrich Driftmann, der Präsident der Industrie- und Handelskammer (DIHK), sagte unserer Zeitung: "Die Abschaltung von sieben Kernkraftwerken wird sich spürbar auf die Energieversorgung auswirken." Es könne Folgen für die Stabilität des Netzes haben, wenn ein erheblicher Teil der berechenbaren Kraftwerkskapazität wegfalle. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt nannte die Abschaltung der älteren Meiler einen großen Fehler: "Ich bin überzeugt, dass Deutschland aus ökonomischen und ökologischen Gründen darauf angewiesen ist, weiterhin die Kernkraft zu nutzen."
Claudia Kemfert, Ökonomin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sagte, sollten im Mai weitere fünf Meiler wegen Revisionen vom Netz gehen, müssten vor allem Kohlekraftwerke, teils auch Gaskraftwerke aktiviert werden. Deutschland werde dann mehr Strom importieren müssen. "Dies kann in der Tat zu Blackouts führen, was wiederum erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen hat", so die Ökonomin.
Nach Ansicht von Hans-Jürgen Papier, dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, haben die Bundesregierung und die betroffenen Landesregierungen keine Rechtsgrundlage für das Moratorium, mit dem die alten Atommeiler für mindestens drei Monate vom Netz genommen wurden. Das seien "illegale Maßnahmen", sagte Papier der "Badischen Zeitung". Die AKW-Betreiber hätten gute Erfolgsaussichten für eine Klage.
Auch der Vorsitzende der CDU-Fraktion in Baden-Württemberg, Peter Hauk, sagte: "Ich glaube, dass ohne Vereinbarung mit den Energieversorgern keine Fakten zu schaffen sind, sonst rollt eine riesige Schadenersatzlawine auf alle Beteiligten zu."
