Brennende Hecken, herumliegender Müll, laute Musik bis spät in die Nacht, gepaart mit Drohungen und wüsten Beschimpfungen. Anwohner der Poppenweilerstraße ärgern sich seit längerem über das Verhalten Jugendlicher, die sich nächtens an der ehemaligen Endhaltestelle treffen. In einem Brief hatten sich die Betroffenen an das Bezirksamt Stammheim gewandt und im Bezirksbeirat Politiker und Polizei um Hilfe gebeten (wir berichteten).
Was folgte war ein Gespräch zwischen Anwohnern, Bezirksvorsteherin Tina Hülle und dem Präventionsbeamten des Polizeireviers Zuffenhausen, Werner Mast. "Es verlief sehr positiv, die Anwohner waren sehr kompetente Gesprächspartner", schilderte der Präventionsbeamte Mast bei der Bezirksbeiratssitzung am Dienstagabend seine Erfahrungen. "Es geht konkret um den Platz am Gebäude Poppenweilerstraße 6 und einen kleinen Weg zwischen den Gebäuden am Geisinger Weg." Die Lärmbelästigungen, Beleidigungen und Bedrohungen seien so in keinem Fall hinnehmbar. Sachbeschädigungen und Vermüllung ebensowenig. Nach seinen Erkenntnissen, die sich mit den Schilderungen der Bürger deckten, träfen sich dort sporadisch Jugendliche. Allerdings sei es nicht eine Gruppe, sondern mehrere: "Es treffen sich dort 14- bis 15-jährige Poser, die auffällig durch ihre Anwesenheit sind." Dann gebe es die 15- bis 16-Jährigen, die vor allem durch Beleidigungen auffällig geworden seien. Und dann gebe es noch die Älteren, die mit ihren Autos kommen und Kleinpartys feiern. "Wir haben die Anweisung, dass wir stündlich dort anfahren und bei Bedarf 15 Minuten verweilen. Das tun wir auch", sagte der Polizeibeamte. Masts Vorgesetzter, der stellvertretende Revierleiter Heinz Hepper, ergänzte: "Allerdings in der Regel nicht tagsüber. In erster Linie sind die Beamten nachts und an Wochenenden dort, wenn es die Situation im Revier zulässt." Die Täter, die vor einigen Wochen zwei Hecken in Brand gesetzt hatten, seien ermittelt. "Sie sind uns alle namentlich bekannt", sagte Mast. Das Verfahren laufe. Jugendhausleiter Michael Klamm sei es überdies gelungen, einen Teil der Zielgruppe wieder an das Jugendhaus zu binden. Alle seien jedoch nicht greifbar. Manche sind schlicht zu alt fürs Jugendhaus oder an dessen Angeboten nicht interessiert. "Wir haben vereinbart, uns mit den Profis vom Jugendhaus, dem Schulsozialarbeiter und Vertretern des Flattichhauses zusammenzusetzen, um die Vernetzung untereinander noch weiter zu verbessern. Wir halten auch Kontakt zu den Anwohnern." Ihnen riet er: "Wenden Sie sich bei Störungen unbedingt an die Polizei. Rufen Sie uns an, egal um welche Uhrzeit - wir müssen wissen, was dort los ist."
Das leer stehende Gebäude an der Poppenweilerstraße 6, in dessen unmittelbarer Nähe sich die Jugendlichen häufig treffen, befindet sich seit März im Besitz der Stadt. Ein Vertreter des Amtes für Liegenschaften und Wohnen schilderte, wie es damit weitergeht: "Wir haben bislang keine Zwischennutzung gefunden und daher den Abbruch beantragt." Wöchentliche Rundgänge am Gebäude sollen sicherstellen, dass dort alles in Ordnung ist. Auch solle dort Flussbaustein gesetzt werden, der das Parken unmöglich macht. "Der Auftrag dazu ist schon erteilt." Das Gelände mit einem Bauzaun zu umfrieden, hielt er aus optischen und finanziellen Gesichtspunkten für nicht empfehlenswert.
Eine Anwohnerin klagte ihr Leid. "Besonders an den Wochenenden ist es schlimm, neulich ging es bis morgens um drei. Wenn die Polizei kommt, sind die Jugendlichen ruck-zuck weg. Ich bin mittlerweile aber so weit, dass ich ausziehen möchte." "Wenn wir vorbeifahren, sind die Jugendlichen oft nicht da", sagte Werner Mast. "Und wenn wir sie sehen, dann vertreiben wir sie oft nur - zum Rewe oder zur Turnhalle. Aber irgendwo müssen sie sich schließlich auch aufhalten." Ziel sei es, eine Lösung zu finden, die nachhaltig sei. Dazu sollten auch die Treffen der Expertenrunde dienen. Der Bezirksbeirat erneuerte seine Forderung nach einem Straßensozialarbeiter für Stammheim: "An diesem Fall wird uns wieder einmal vor Augen geführt, wie dramatisch die Situation ist", sagte SPD-Bezirksbeirat Eberhard Kries. Sein Ratskollege Stefan Kulle sieht es ähnlich: "Die Polizei und das Jugendhaus werden den Druck auf Dauer nicht halten können." Er bat darum, sich jetzt verstärkt um die Jungen zu kümmern, damit diese nicht "nachrücken, wenn die Älteren weg sind".