Weitere Bezirke
 
 

"Wir kommen an den Typen nicht mehr ran"

"Blick vom Fernsehturm", 29.04.2011 02:46 Uhr
Sillenbuch. Ein Altkleidersammler stellt seine Container auf privaten Grundstücken ab - illegal. Von Judith A. Sägesser
Sillenbuch. Ein Altkleidersammler stellt seine Container auf privaten Grundstücken ab - illegal. Von Judith A. Sägesser

Das Ordnungsamt kennt das schon. Und das Ordnungsamt kennt auch den Altkleidersammler, der seine Container illegal auf Grundstücken in Stuttgart abstellt. Doch der Stadt kann jener Fall egal sein. Denn diesmal steht die Kleiderbox nicht auf städtischem Boden. "Interessiert uns nicht", teilt eine Mitarbeiterin des Ordnungsamt mit. "Da darf ich mich nicht einmischen."

Für den illegalen Container interessiert sich die Baugenossenschaft Friedenau - notgedrungen. Denn ein solcher Behälter steht auf ihrem Grundstück an der Richard-Schmid-Straße in Sillenbuch. Im Jahr 2008 habe die Genossenschaft zwar eine Genehmigung für den Container erteilt, sagt Heinz-Joachim Robels, der geschäftsführende Vorstand. "Zum 1. Mai 2010 haben wir die Genehmigung aber entzogen." Den genauen Grund für die Kündigung kenne er nicht. Ihm sei nur zu Ohren gekommen, "dass sich Leute beschwert haben", sagt Robels.

Den Container-Besitzer hat die Kündigung offensichtlich nicht beeindruckt. Bisher hat er jedenfalls keine Anstalten gemacht, den Sammelbehälter abzuholen. "Die Sache liegt beim Rechtsanwalt", sagt Robels. Der Fall Sillenbuch genauso wie der an der Abelsbergstraße im Stuttgarter Osten. "Wir kommen an den Typen nicht mehr ran", sagt er.

Auf dem Container ist eine Handynummer aufgeklebt. Der Mann am anderen Ende will seinen Namen nicht sagen. Und von dem illegalen Containerstandort an der Richard-Schmid-Straße will er auch nichts gewusst haben. Wobei er dann einräumt: "Kann schon sein, dann lass" ich den Container eben wegschleppen."

Bei dem Angerufenen handelt es sich mutmaßlich um denselben Mann, der im vergangenen Jahr Ärger mit der Stadt Stuttgart bekommen hat. Ebenfalls wegen unrechtmäßig abgestellter Altkleidercontainer. Sowohl in Plieningen an der Neuhauser Straße als auch in Degerloch an der Schöttlestraße hat er mit insgesamt vier Boxen gebrauchte Textilien gesammelt. Von einem Mitarbeiter des Ordnungsamts war damals zu erfahren, dass der Container-Besitzer dies an insgesamt sieben Standorten in Stuttgart getan hat.

Auf dem Markt für Altkleider tummeln sich zahlreiche dubiose Geschäftsleute. Meist zu erkennen an Sammelcontainern ohne den Namen einer Organisation. Sodass der Spender nicht weiß, wem er seine Hose und sein Hemd vermacht. Sind die Sammler nicht karitativ, werden die Kleider Gewinn bringend verkauft.

In der Landeshauptstadt ist es unbekannten Kleidersammlern verboten, ihre Behälter auf städtischen Grund zu stellen. Die Verwaltung verlangt zum einen, dass sich der Besitzer zu erkennen gibt, eine Handynummer allein ist zu wenig. Zum anderen ist es vier gemeinnützigen Organisationen vorbehalten, Altkleider zu sammeln. An knapp 70 Orten im Stadtgebiet dürfen die ihre Container parken.

Jener dubiose Sammler hat vor einem Jahr erfahren, was passiert, wenn man sich über diese Regeln hinwegsetzt. Die Stadt hat eine Strafe gegen ihn verhängt. Einen vierstelligen Betrag musste er zahlen, nachdem er die Container nicht entfernt hatte. Dazu hatte das Ordnungsamt ihn mehrfach schriftlich aufgefordert.

Was ihm nun droht, wenn er seine Behälter nicht von den Privatgrundstücken in Sillenbuch und dem Osten abholt, wird sich zeigen. Einzelheiten dazu will der geschäftsführende Vorstand der Baugenossenschaft Friedenau nicht verraten.

 
 
Kommentare (0)
  1. (Logout)
  2. Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich.

Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.