Winzerhäuser mit Umweltpreis geehrt

Von "Marbach und Bottwartal" 

Großbottwar-Winzerhausen Manfred Spaltenberger hat den weltweit ausgeschriebenen Energy Globe Award erhalten. Prämiert wurde ein Verfahren, mit dem sich unter anderem Biogasanlagen effizienter betreiben lassen. Von Christian Kempf

Großbottwar-Winzerhausen Manfred Spaltenberger hat den weltweit ausgeschriebenen Energy Globe Award erhalten. Prämiert wurde ein Verfahren, mit dem sich unter anderem Biogasanlagen effizienter betreiben lassen. Von Christian Kempf

Der Energy Globe Award ist zwar nicht dotiert, in der Umweltszene aber Gold wert. Denn Kenner wissen, dass diesen Nachhaltigkeits-Preis nur besonders kreative Projekte und Tüftler erhalten. Leute wie Manfred Spaltenberger, dessen Ding es ist, "rauszugehen, zu probieren und zu machen". Der Winzerhäuser hat die Auszeichnung Ende November im österreichischen Wels bekommen. Das geschah im Rahmen einer Gala, die von Arabella Kiesbauer moderiert und von rund 1000 Besuchern verfolgt wurde. Das Fernsehen sei ebenfalls vor Ort gewesen, erinnert sich Manfred Spaltenberger. "Das ist schon eine tolle Geschichte, wenn man hier dabei sein kann", stellt er fest.

Der Award ist weltweit ausgeschrieben und prämiert Projekte, die die vier Grundelemente des Lebens schützen: Erde, Feuer, Wasser und Luft. Weltweit bewarben sich laut Manfred Spaltenberger mehr als 1000 Umweltpioniere für den Preis. Er ergatterte ihn für Deutschland mit seinem österreichischen Geschäftspartner Bernd Behr. Belohnt wurden die beiden dafür, dass sie ein ganz spezielles Verfahren entwickelt haben: die elektrokinetische Desintegration von Schlämmen in Klär- und Biogasanlagen. Vereinfacht ausgedrückt wird dabei ein elektrisches Feld geschaffen, das die Zellen des organischen Materials im Schlamm destabilisiert und verformt. Sie werden poröser und können dann von Bakterien effizienter in Biogas verwandelt werden. "Darüber hinaus stimuliert das Verfahren die Bakterien in ihrer Leistungskraft und -bereitschaft, noch mehr Biomasse zu verarbeiten", erläutert Manfred Spaltenberger.

Der Winzerhäuser will sich mit Versprechungen nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, da jede Anlage ihre Besonderheiten aufweise und sich der biologische Prozess dadurch unterschiedlich gestalte. Aber die Effizienz einer Biogasanlage nehme auf jeden Fall im zweistelligen Bereich zu. Darüber hinaus verbessere sich die Qualität des bei dem Verfahren abfallenden Düngers, während die Geruchsbelästigung sinke. "Eigentlich wird alles besser", sagt Manfred Spaltenberger nüchtern.

Die elektrischen Felder werden mit elektrostatischen Sonden erzeugt. Dieses Grundprinzip hat der Winzerhäuser, der ursprünglich aus Mundelsheim stammt, aus der Lackierindustrie übernommen. Dort setze man die Technik ein, "um das Säubern von Nasslackierboxen vom so genannten Overspray der Farbe mit weniger Chemie bewerkstelligen zu können". Der zweifache Familienvater spricht von Verbesserungen von bis zu 80 Prozent.

Die Sonden lassen sich in vielfältiger Weise einsetzen. "Wir haben das auch schon mit Diesel versucht", berichtet Manfred Spaltenberger. Der Verbrauch sei durch das Zusammenspiel verschiedener Kräfte um zehn bis 20 Prozent gesunken. Das Problem sei nur, dass sich die Technik in der neuesten Generation der Motoren nicht mehr montieren lasse. Ausnahme ist der Schiffsbau. Hier laufen derzeit Versuche mit Motoren, die noch mit Schweröl betrieben werden. Selbst die Alterung von Wein könne die Technik beschleunigen - ohne chemische Zusatzstoffe, erklärt der Tüftler. Gleichwohl werde das von Puristen unter den Winzern kritisch beäugt. Zu Gesprächen weilte Spaltenberger auch in Dubai. Dort ging es darum, die Geruchsbelästigung einer Kläranlage zu reduzieren.

Doch der Hauptzielmarkt von Manfred Spaltenberger, der mit den Firmen TT-SIUS und Innovum in Sachen umweltfreundliche Techniken forscht, sollen die Biogasanlagen sein. In rund 100 Anlagen sei die Technik bereits installiert. Manfred Spaltenberger hofft, dass weitere hinzukommen - und der Preis ihm und seinen Partner Rückenwind beschert.

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