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Winterstarre Eis sprengt Rohre und bricht Rekorde

Claudia Bell und Eva Funke, vom 07.02.2012 14:30 Uhr
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Auf dem Neckar, hier am Stuttgarter Hafen, pflügen die Schiffe durch Eisschollen. Wie sich die Kälte noch bemerkbar macht? Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie. Foto:  Fotoagentur-Stuttgart
Auf dem Neckar, hier am Stuttgarter Hafen, pflügen die Schiffe durch Eisschollen. Wie sich die Kälte noch bemerkbar macht? Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie. Foto: Fotoagentur-Stuttgart
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Stuttgart - Sonnenschein und tagelanger Frost mit minus acht bis minus 17 Grad: Solche Winter sind in Stuttgart selten. Vor allem die Kälte bringt für Mensch und Tier ungeahnte Probleme mit sich.

Die Schifffahrt auf dem Neckar steht vor dem Aus. Autos springen nicht an. Viele Marktbeschicker bleiben zu Hause. Der frostige Winter bringt das Leben in der Landeshauptstadt ganz schön aus dem Takt.

Wir zeigen wo, wem  und wie die Kälte Probleme bereitet: Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie.

Lieferengpässe beim Heizöl: Bei der Scharr Wärme GmbH und Co.Kg laufen die Telefone heiß. "Alles bestellt Heizöl nach. Wir kommen fast nicht mehr hinterher", sagt Oliver Weber. Statt einer Woche müssen die Kunden drei Wochen warten. Dass die Tanks in vielen Haushalten vor Winterende fast leer sind, erklärt er mit der Sparsamkeit der Kunden: Viele hätten gehofft, die Preise fallen und haben nicht voll getankt. Doch die Preise sind seit Herbst um vier Euro pro 100 Liter auf rund 96 Euro gestiegen. Außerdem ist der Heizölverbrauch jetzt höher. Um ein Einfamilienhaus bei der Kälte einen Monat zu heizen, bräuchte man jetzt statt 150 bis 200 Liter im Monat rund 250 Liter Heizöl, schätzt Weber.

Eisschollen auf dem Neckar: Für die Neckarschifffahrt ist stellenweise bis zu fünf Zentimeter dickes Treibeis derzeit riskant. "Wenn wir die kritische Marke von acht Zentimetern erreichen, müssen wir die Schifffahrt in den nächsten Tagen einstellen", sagt Barbara Grüter vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Dann müssten die Frachter eine Pause im Plochinger oder Stuttgarter Hafen einlegen; in beiden Häfen ist für jeweils acht Schiffe Platz. Besonders viel Eis ist bei Cannstatt, Hofen und Aldingen zu sehen; am Montag war an der Marbacher Neckarschleuse ein gewaltiger Eisbrecher am Werk, um das Gefrorene zu knacken.

Eisalarm auf dem Flughafen: Die Flieger haben vor allem in den frühen Morgenstunden bis zu 20 Minuten Verspätung. Denn Flugzeuge, die über Nacht auf dem Vorfeld geparkt waren, müssen bei einer der vier Enteisungsstationen aufgetaut werden. Derzeit sind das etwa 20 Maschinen pro Tag. "Der Pilot entscheidet, ob eine warme Dusche für die Flügel reicht oder Dach, Bauch und Heck mit 85 Grad heißem Wasser und Glykol besprüht werden müssen", sagt eine Flughafensprecherin.

Wochenmarkt wie leergefegt: In der City bleiben seit dem Kälteinbruch von Markttag zu Markttag mehr Stände und Kunden weg. Bis vor kurzem hat Antje Oelkrug mit ihrem Honig- und Marmeladenstand am Schillerplatz die Stellung gehalten. Jetzt gibt sie auf, ist am heutigen Dienstag nicht auf dem Markt: Weder sie noch ihre Marmeladengläser halten die Kälte aus. "Weil ich wenig Zucker verwende, gefriert die Fruchtmasse und sprengt die Gläser bei etwa minus sieben Grad", sagt sie.

Der Wald wirkt wie ausgestorben: "Das liegt daran, dass sich Vögel, aber auch Rehe, Füchse und Hasen ruhig verhalten und möglichst wenig bewegen, um wenig Energie zu verbrauchen", sagt Christian Heß, Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft deutscher Wald in Stuttgart. Rehe ziehen sich zum Schutz vor der Kälte ins Dickicht zurück und verlassen die Plätze nur zur Nahrungssuche. Gesunde Tiere finden auch bei Frost noch Futter wie Knospen oder junge Tannentriebe. Weniger robuste Tiere könnten bei er Kälte zu schwach für die Futtersuche werden und verenden.

Ausgangssperre in der Wilhelma: Die Zebras und Waldgiraffen bekommen in der Mittagssonne höchstens eine bis zwei Stunden Ausgang im Freigehege. Die beiden Tiger und die Braunbären dürfen gar nicht mehr nach draußen. Denn weil die Wassergräben zugefroren sind, die die Raubtiere von der Freiheit trennen, könnten sie türmen. Die Flamingos wärmen sich im 15 Grad warmen Mineralwasser auf. Dass sie wie ihre Kollegen im Luisenpark in Mannheim festfrieren und von der Tauchergruppe der Feuerwehr gerettet werden müssen, ist bei so warmem Wasser nicht zu befürchten.

Kein Durchkommen beim ADAC: Die Hotline war am Wochenende und am Montag dauerbelegt. "Unsere 203 Fahrer haben allein am Montag mehr als 4000 Einsätze gemeistert, mehr als doppelt so viele wie an normalen Tagen", sagt ADAC-Sprecher Reimund Elbe. Dabei sei die Kälte nicht das Hauptproblem, es sei ja häufig kalt im Winter. "Weil es aber im November mild war, hat keiner etwas von einer schwächelnden Batterie gemerkt und sich in trügerischer Sicherheit gewiegt", sagt Elbe. Trügerisch seien auch die Standheizungen; diese sorgten zwar für ein warmes Fahrzeuginneres, könnten aber auch einen negativen Nebeneffekt erzielen. "Eine Standheizung zieht einiges an Energie, und die kann dann beim Anlassen fehlen." Klüger sei es, Heizung, Licht und Radio auszulassen und diese erst nach dem Starten einzuschalten. Ein Liegenbleiben des Autos habe nichts mit dem Kraftstoff zu tun. Der Gesetzgeber schreibe nämlich vor, dass die Tankstellen zwischen Ende November und Ende Februar den "Winterdiesel" anbieten. "Früher wurde der Diesel sulzig, heute ist das aus diesem Grund nicht mehr so", sagt Elbe.

Auftragsrekord bei Heizungsbauern: "Wir haben alle Hände voll zu tun. Das hatten wir so noch nie", berichtet Drazen Kovacevic von der Firma Kohler. Am vergangenen Wochenende hätten vier Mitarbeiter knapp 30 Einsätze absolviert, am Montag waren acht Mitarbeiter unterwegs. Der Hauptgrund für die Hilferufe der Bürger: ausgefallene Heizungen und eingefrorene Leitungen. Dabei seien nicht aus Sparsamkeit zu niedrig eingestellte Heizungen das Problem. "Viele Häuser sind einfach alt und haben schlecht isolierte Leitungen und alte Heizungsanlagen", sagt Kovacevic.

Stillstand bei Straßenbaustellen: "Bei der Kälte können wir nur Notreperaturen ausführen", sagt Alexander Gass vom Tiefbauamt. Manches Material kann bei dieser Kälte nicht verbaut werden. "Asphalt etwa braucht eine Temperatur von fünf Grad", so Gass.

Schwitzen trotz Frost: Möbelpacker MariusWocaschewski hat lange Unterhosen an und schleppt schwere Bücherkartons. "Mir ist richtig heiß", sagt er.

Flaschen platzen: Die Lagerhalle von Getränkehändler Jörg Banzhaf war zwar geheizt. Aber es wurde nicht warm genug. 4200 Flaschen mit Wasser sind gefroren und einige davon platzten. Der Schaden liegt bei rund 2000 Euro.

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