Wintersport „Weiße Bäume gehören dazu“

Von Gregor Preiss 

Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt: Mehr Schweden als Schweiz Foto:  
Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt: Mehr Schweden als SchweizFoto:  

Bislang war der Winter ein Ausfall. Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt erklärt, warum Wintersport nur in seiner originären Form funktioniert – oder irgendwann nicht mehr

- Herr Reinhardt, der Winter hat lange auf sich warten lassen. Was empfinden Sie beim Anblick weißer Kunstschnee-Bänder inmitten grün-brauner Landschaften?
Das ist natürlich nicht das Skifahren, das man sich wünscht – weder als Fernsehzuschauer noch als Skifahrer. Weiße Bäume gehören genauso dazu wie Mützen und Handschuhe. Wenn man Beteiligte im T-Shirt an den Pisten oder Loipen stehen sieht, dann ist das schon etwas verstörend.
Die Anstrengungen, Wintersport künstlich am Leben zu erhalten, werden in Zeiten des Klimawandels immer größer. Erst gab es Schneekanonen, jetzt kommen Depots und Fabriken, in denen der weiße Untergrund produziert wird, hinzu. Ergibt das alles noch einen Sinn?
Aus Sicht der Wintersportregionen kann ich verstehen, dass die Verantwortlichen sich so lange wie möglich an den Wintersport klammern – schließlich ist er häufig die wichtigste Einnahmequelle. Das gilt für die Veranstalter von professionellen Wettbewerben genauso wie für den Breitensport. Andererseits ist es nicht sonderlich nachhaltig. Kunstschnee mag heute noch als Alternative durchgehen. Auf Dauer wird Wintersport aber nur in seiner ursprünglichen Form funktionieren, nämlich dann, wenn auch die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu zählen die eingangs angesprochenen weißen Bäume oder die Kälte, wo man sich anschließend auf den Besuch in einer warmen Hütte freut.
Das Auge fährt mit.
So ist es. Der Urlauber möchte beim Skifahren auch in der Atmosphäre drum herum ­baden.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Wintersport wird häufiger in Norwegen, Schweden oder Finnland stattfinden als in Österreich, Deutschland und der Schweiz.
Und die Profisportler? Lässt sich Wintersport versommerlichen? Skispringen ließe sich auf Matten austragen, Langläufer und Biathleten könnten sich Rollskier unterschnallen.
Temporär würde das vielleicht funktionieren, aber nicht auf Dauer. Sport im Fernsehen muss telegen sein – und da habe ich meine Zweifel. Man will den Biathleten schließlich durch den Schnee laufen sehen und nicht am Rheinufer entlang oder in einem Fußballstadion.
Wobei die Veranstaltungen funktionieren.
Aber nur deshalb, weil sie ein Ausnahme-Event sind und nicht die Regel.
Was ist mit der Königsdisziplin – dem alpinen Skisport: Sehen wir ihn irgendwann in gekühlten Hallen – in Katar statt in Kitzbühel?
Skihallen funktionieren tatsächlich, und zwar weltweit. Ein touristischer Ersatz sind sie aber nicht. Niemand wird sich eine Woche lang in Neuss oder in Dubai zum Skifahren einmieten. Und alpine Wettkämpfe kann ich mir schon gleich gar nicht vorstellen.
Welche Möglichkeiten bleiben dann noch? Man könnte höher hinaus – und neue Gebiete oberhalb von 2000 Metern erschließen.
Das ist theoretisch vorstellbar, praktisch aber mit zu hohen Kosten verbunden. Irgendwann stellt sich die Frage, inwieweit der Gast noch bereit ist, all dies zu finanzieren. Und daran schließt auch der professionelle Wintersport an.
Vielleicht gehört die Zukunft ja den Events in großen Städten – mit Kunstschnee, einem potenten Sponsor und viel Publikum?
In meinen Augen ist das wieder das „Biathlon-auf-Schalke-Modell“. Eine Zeit lang wird das funktionieren. Aber dauerhaft? Da habe ich meine Zweifel. Wintersport hat viel mit Tradition zu tun. Niemand käme auf die Idee, die Vierschanzentournee in Berlin, Hamburg, Bremen und Hannover auszutragen. Sie funktioniert nur an ihren angestammten Orten. Und falls irgendwann nicht mehr, dann auch nirgendwo anders.
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