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Winnenden Möglicherweise zwei Gedenkstätten zum Amoklauf

Dirk Herrmann, vom 03.02.2012 19:32 Uhr
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Die Winnender Albertville-Realschule, Schauplatz des Amoklaufs vom März 2009, wurde komplett umgebaut; seit September 2011 wird in dem Gebäude wieder unterrichtet. Mehr Fotos finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Leif Piechowski
Die Winnender Albertville-Realschule, Schauplatz des Amoklaufs vom März 2009, wurde komplett umgebaut; seit September 2011 wird in dem Gebäude wieder unterrichtet. Mehr Fotos finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Leif Piechowski
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Winnenden - Heftige wechselseitige Vorwürfe hat es zuletzt in Winnenden gegeben, wo und in welcher Form an die Opfer des Amoklaufs vom 11. März 2009 erinnert werden soll. Mittlerweile haben sich die Emotionen etwas beruhigt. Eine Gedenkstätte im Park wie auch eine Tafel an der Albertville-Realschule scheinen möglich.

An die Öffentlichkeit gelangt war die Auseinandersetzung durch den kürzlichen Vorstoß des Journalisten und Sprechers der Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen", Roman Grafe. Weil knapp drei Jahre nach dem Blutbad immer noch keine Gedenktafel an der Schule stehe, warf er zusammen mit Angehörigen von vier Opfern des Amoklaufs der Stadt eine "Taktik des Vergessens und Verdrängens" vor. Die geplante Erinnerungstafel mit den Namen der Opfer solle offenbar nicht an der Schule, sondern im Stadtgarten neben der Hermann-Schwab-Halle stehen. "Die getöteten Winnender Schüler und Lehrer gehörten zur Schulgemeinschaft der Albertville-Realschule; ihre Namen derart wegzuschieben käme einer nachträglichen Ausgrenzung gleich."

Form der Gedenkstätte nicht entschieden

Winnendens Oberbürgermeister Hartmut Holzwart wies die Vorwürfe zurück, ebenso Hardy Schober, Sprecher des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, dem ebenfalls Eltern von Opfern angehören. Es sei noch gar nicht entschieden, in welcher Form die Gedenkstätte errichtet werde. Schober hielt Grafe wiederum vor, die "Opfereltern für seine Zwecke zu instrumentalisieren". Angesichts der sich hochschaukelnden Anschuldigungen zeigte sich der frühere Erste Bürgermeister Paul Hug "tief betroffen". Sein Appell an Gemeinderat und OB: "Bitte handeln Sie schnell, ehe die Auseinandersetzung eskaliert; nur so wird man den Toten dieser entsetzlichen Tat gerecht."

In der jüngsten Sitzung des Stadtparlament wurde nun tatsächlich intensiv diskutiert. Vor dem Gremium sprach Sven Kubick, er ist seit November 2010 Rektor der Albertville-Realschule. Die von Grafe geforderte Tafel mit den Namen der Toten an der Schule sei denkbar. Andererseits meinte er aber auch: "Wir haben noch einige Lehrer, die den Amoklauf miterlebt haben. Ich habe Verständnis für diese traumatisierten Kollegen, die jeden Tag an dieser Tafel vorbeigehen müssten."

Unterricht nicht beeinträchtigen

Dass direkt an der Schule ein Ort des öffentlichen Gedenkens entstehen könnte, hält der Rektor für weniger gelungen. Trauernde benötigten einen Ort, wo sie ungestört ihre Blumen oder Kerzen aufstellen könnten. Doch auch der Unterricht sollte nicht beeinträchtigt werden. "Wir als Schule wollen ein Zeichen der Trauer setzen; aber die Idee, dass die Stadt unabhängig davon etwas künstlerisch gestalten will, halte ich für gut." Holzwarth betonte, dass der Amoklauf die gesamte Stadt tief getroffen habe und daher eine öffentlichen Gedenkstätte sinnvoll sei: "Die persönliche Trauer an einer Grabstelle ist das eine, die öffentliche Trauer ist das andere, und die ist ebenso wichtig." Ein Arbeitskreis soll nun über das weitere Vorgehen befinden.

Mittlerweile zeichnet sich ab, dass im Stadtpark wie auch an der Albertville-Realschule den Opfern gedacht wird. Rektor Kubick kann sich entweder eine Stele oder eine Gedenktafel, jeweils auch mit Namen, vorstellen - sofern von der Schulgemeinschaft und den Eltern der Angehörigen gewünscht. Zwei Standorte seien denkbar: "Beide Bereiche sind dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht direkt vor Klassenzimmern liegen und somit Unterricht und Gedenken sich nicht gegenseitig stören." Diese Lösung stellt offenbar auch Kritiker Grafe zufrieden. "Die Winnender Schule und der Gemeinderat lenken ein im Gedenkstätten-Konflikt", erklärt er; sein Widerspruch zu den bisherigen Planungen werde in Winnenden "nun offenbar doch noch ernst genommen".

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