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Windräder in Stuttgart Harsche Kritik an OB Kuhn

Von Konstantin Schwarz 

Seht in der Kritik: OB Kuhn (Grüne) Foto: dpa
Seht in der Kritik: OB Kuhn (Grüne)Foto: dpa

Nach vierjähriger Planungszeit war in Stuttgart nur noch ein Standort für Windräder übrig geblieben. Den hat nun der Planungsausschuss der Region kassiert. Stuttgarts OB Fritz Kuhn hätte in der Sitzung als stellvertretendes Mitglied für den Standort sprechen können, aber er fehlte.

Stuttgart - Der Planungsausschuss des Verbands Region Stuttgart hat am Mittwoch den Bau von zwei Windrädern im Tauschwald bei Weilimdorf abgelehnt. Die Planung dafür wird von den Stadtwerken Stuttgart vorangetrieben. Die endgültige Entscheidung über den letzten Stuttgarter Standort fällt das Regionalparlament am 30. September. Am Donnerstag gab es heftige Reaktionen auf das wahrscheinliche Aus.

Die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus im Stadtparlament wirft OB Fritz Kuhn (Grüne) vor, „keine Anstrengung unternommen zu haben, um Mehrheiten für das Projekt zu organisieren“. Kuhn, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, hätte als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss reden können. „Er glänzte aber durch Abwesenheit und signalisierte damit Desinteresse“, sagt Stadtrat Christoph Ozasek. Womöglich sei ihm das umstrittene Projekt „zu heiß geworden, und die Region ist nun ein willkommener Schuldiger, um sich der Verantwortung zu entziehen“.

Kuhn sagte unserer Zeitung, er haben sich im Gemeinderat für eine ergebnisoffene Prüfung des Standorts stark gemacht. Er sei aber „kein Windraftfanatiker, der um jeden Preis Windräder durchsetzen will“. Er sei nun gespannt auf Vorschläge von CDU und Freien Wählern (die die Rotoren ablehnen), wie sie die Nutzung erneuerbarer Energien voranbringen wollten.

CDU fordert von Kuhn Alternativprojekte

Die Rollenverteilung sieht CDU-Fraktionschef Alexander Kotz anders. Die CDU hatte den OB aufgefordert, Alternativprojekte zu nennen. Man fühle sich bestätigt, der Standort sei falsch, sagt Kotz, es sei aber „ärgerlich, dass der OB mit Plan B nicht zu Potte kommt“. Die Stadt müsse ihren Beitrag zur Energiewende leisten.

Wie hoch dieser ist, rechneten die Stadtwerke (SWS) vor: Sollte sich die Absage der Region bestätigen, „stehen wir vor der Herausforderung, in Stuttgart jährlich 14 Millionen Kilowattstunden Ökostrom durch andere erneuerbare Energien zu ersetzen“, so SWS-Chef Michael Maxelon. Dazu würde man rund 3000 Fotovoltaikanlagen benötigen. Die Stadtwerke betreiben und realisieren aktuell 24 Windenergieanlagen in fünf Bundesländern.

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